Stillen mit Schlupf-, Hohl- und Flachwarzen

Jede Brust und jede Brustwarze ist anders. Besondere Formen wie Schlupf-, Hohl- oder Flachwarzen sind nicht selten. Vielen Frauen werden solche Besonderheiten aber erst vor der Stillzeit bewusst, wenn die Brustwarzen erstmals „professionell“ zum Einsatz kommen“.

Schnell stellen sich dann Fragen:

Können Flachwarzen zu Problemen beim Stillen führen? Kann ich mit Hohlwarzen überhaupt stillen?

Wir beantworten dir diese Fragen und erklären dir, was Schlupfwarzen sind und wie du erkennst, ob du auch Schlupfwarzen hast. Dann verraten wir dir noch 9 Tipps, wie du auch mit besonderen Brustwarzenformen problemlos stillen kannst.

Los geht’s!

Was sind Schlupf- oder Hohlwarzen?

Bei den meisten Frauen steht die Brustwarze einige Millimeter über dem Warzenvorhof über. Durch verschiedene Stimuli – zum Beispiel das Saugen an der Brust, Kälte oder Erregung – treten sie etwas weiter hervor.

Normale Brustwarzen illustriert: Links eine normale Brustwarze etwas über Hautniveau, rechts nochmal etwas verlängert.
Links: Normale Brustwarze in Ruhe.
Rechts: Normale „eregierte“ Brustwarze.
Klingt etwas frivol, ist aber einfach lateinisch für „aufgerichtet“.

Schlupf- oder Hohlwarzen sind Brustwarzen, die sich – entweder von allein, oder auf Stimulation – nach innen stülpen und nicht nach außen gerichtet sind wie üblich. Sie können entweder permanent oder nur vorübergehend eingestülpt sein und eine oder beide Brustwarzen betreffen.

Links eine normal aussehende Brustwarze, rechts eine eingefallene Schlupfwarze beim Stillen.
Die „echte“ Schlupfwarze sieht in Ruhe normal aus, zieht sich auf Stimulation aber nach innen.
Links und rechts jeweils eingefallene Brustwarzen, also Hohlwarzen.
Bei der Hohlwarze fehlt die Brustwarze, hier hat es das Kind sehr schwer, die Brust zu fassen und genug Milch herauszubekommen. Zum Glück sind Hohlwarzen selten.

Es kann auch sein, dass die Brustwarze eine „falsche Schlupfwarze“ ist. Das heißt, dass sie normal eingezogen ist, aber durch Berührung, z.B. beim Stillen, nach außen gezogen wird.

Hier links eine eingefallene, rechts eine normal wirkende Brustwarze als Zeichen einer falschen Schlupfwarze.
Bei der „falschen“ Schlupfwarze ist das Stillen normalerweise gut möglich.

Eine weitere Brustwarzenform, die zu Problemen beim Stillen führen kann, ist die flache Brustwarze. Diese hebt sich nicht stark vom Brustwarzenvorhof ab, sodass ein Baby beim Stillen Probleme hat, diese zu greifen.

Hier beidseits Brustwarzen in der Illustration, die jeweils nur ganz flach über dem Hautniveau stehen.
Durch das Saugen ändert sich nicht viel an der Form einer Flachwarze.

Nun kennst du die Namen der verschiedenen Formen auffälliger Brustwarzen. Vielleicht kannst du auch schon anhand der Illustrationen ganz gut herausfinden, welche Warzentyp bei dir vorliegt? Jetzt kriegst du aber noch weitere Infos.

Wie finde ich heraus, ob ich Schlupfwarzen habe?

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du auch Schlupfwarzen hast, dann kann dir dieser Trick, der sogennante Kneiftest, Klarheit bringen:

„Kneiftest“: Lege dazu Daumen und Zeigefinger neben deine Brustwarze auf den Brustwarzenvorhof und drücke diese sanft zusammen. Wenn deine Brustwarze nicht nach außen gedrückt wird und sich nach innen zieht, dann hast du eine „echte“ Schlupfwarze.

Können Schlupfwarzen ein Hindernis beim Stillen sein?

Ja, Schlupfwarzen können zu Problemen beim Stillen führen, müssen sie aber nicht. Das ist unter anderem davon abhängig, wie ausgeprägt die Schlupfwarzen sind.

In den meisten Fällen stellen Schlupfwarzen aber kein Problem für ein erfolgreiches Stillen dar.

10 Tipps für ein problemloses Stillen mit Schlupf- und Hohlwarzen

Tipp #1: Achte auf deine Stillposition!

Die richtige Stillposition ist oft entscheidend für den Erfolg des Stillprozesses. Eine Position ist dabei für das Stillen mit Schlupfwarzen besonders geeignet: das zurückgelehnte Stillen oder „laid-back-nursing“. Wie das aussieht und funktioniert, kannst du in unserem Artikel über Stillpositionen nachlesen.

Tipp #2: Wende den C-Griff an!

Durch den C-Griff hältst du deine Brust so, dass dein Baby möglichst viel Brust im Mund hat. Denn dein Baby saugt nicht nur an den Brustwarzen, sondern nimmt auch Gewebe von der Brust und den Brustwarzenvorhof mit in den Mund. Durch diesen Griff drückst du die Brustwarze und die Brust in den Mund und unterstützt somit dein Baby ganz normal zu saugen, auch wenn du eine Schlupfwarze hast.

Tipp #3: Stimuliere deine Brustwarze!

Durch Stimulation richten sich Brustwarzen auf. Diesen Effekt kannst du dir auch bei Schlupfwarzen zunutze machen: Berühre deine Brustwarzen vor dem Stillen ganz sanft, damit sich diese aufrichten. Auch durch Kälteeinwirkungen lassen sich deine Brustwarzen stimulieren. Halte einfach einen Eiswürfel oder ein feuchtes Tuch an deine Brustwarzen.

Tipp #4: Massiere deine Brust!

Sind deine Brüste in den ersten Tagen nach der Geburt durch den Milcheinschuss und Ödeme stark geschwollen, ist das Stillen insgesamt deutlich schwieriger. Insbesondere bei flachen Brustwarzen kommt es dazu, dass durch die starke Schwellung die Brustwarzen noch flacher gezogen werden, wodurch dein Baby noch schwerer andocken kann. Glücklicherweise kann hier eine Brustmassage helfen: Beim sogenannten „Reverse Pressure Softening“ massiert man das Gewebe um die Brustwarze mit vorsichtigen Bewegungen nach oben und nach hinten, um die Schwellung zurück ins Gewebe zu schieben. Dadurch ist deine Brust nicht mehr so stark geschwollen und dein Baby kann einfacher saugen.

Tipp #5: Pumpe vor dem Stillen etwas ab!

Wie bereits erwähnt, kann dein Baby bei sehr vollen Brüsten schwerer die Brustwarze zu fassen bekommen. Pumpe daher am besten vor dem Stillen kleine Mengen ab. So ist deine Brust nicht mehr so voll und schon auf das Stillen vorbereitet. Am besten verwendest du hierfür elektrische Pumpen, die deine Brustwarze zusätzlich etwas vorziehen.

Tipp #6: Verwende Hilfsmittel wie Brustwarzenformer!

Du kannst Brustwarzenformer nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch während dem Stillen verwenden. Lege diese einfach ca. eine halbe Stunde vor dem Stillen in deinen BH ein, damit deine Brustwarzen leicht nach vorne gedrückt werden. Aber Achtung: So verführerisch es scheinen mag, ein Produkt gegen das Problem kaufen zu können, eine Garantie für problemloses Stillen ist ein Brustwarzenformer leider nicht.

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Tipp #7: Versuche (eventuell) Stillhütchen!

Dieser Tipp ist mit etwas Vorsicht zu genießen und sollte erst zum Einsatz kommen, wenn du andere Möglichkeiten bereits ausgeschöpft hast: Stillhütchen. Diese Silikonhütchen werden auf die Brustwarzen gesetzt und bieten deinem Baby somit eine größere Ansatzfläche zum Saugen. Allerdings haben Stillhütchen ein paar Nachteile. Daher solltest du diese nur nutzen, wenn unbedingt nötig.

Tipp #8: Gib deinem Baby keine Schnuller!

Vermeide am besten Schnuller oder Ähnliches, um zu verhindern, dass sich dein Baby zu sehr daran gewöhnt. Bei Schlupfwarzen hat es dein Baby schwerer zu saugen, daher solltest du ihm keine einfacheren Alternativen bieten. Dies erhöht das Risiko einer Saugverwirrung oder Brustverweigerung.

Tipp #9: Pflege deine Brustwarzen gut!

Beim Stillen mit Schlupfwarzen sind deine Brustwarzen einer höheren Beanspruchung ausgesetzt, da dein Baby stärker saugen muss. Daher kann es eher passieren, dass deine Brustwarzen wund werden. Um die damit einhergehende Probleme beim Stillen zu vermeiden, solltest du deine Brustwarzen besonders gut pflegen. Dazu kann eine Wollwachs-Salbe gehören, aber auch Hilfsmittel wie Silber- oder Zinnhütchen. Mehr dazu liest du in unserem Artikel zu den wunden Brustwarzen und den entsprechenden Hausmitteln bei wunden Brustwarzen.

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Tipp #10: Hol dir professionelle Hilfe!

Wie du gelernt hast, ist das Stillen mit Schlupfwarzen mit verschiedenen Hilfestellungen möglich. Sollte es dennoch nicht klappen, hol dir professionelle Hilfe von Ansprechpartner*innen wie deiner Kinderärztin oder bei einer Stillberatung. Gemeinsam könnt ihr herausfinden, ob du richtig anlegst und stillst – insbesondere mit Schlupfwarzen.

Maßnahmen in der Schwangerschaft

Es gibt auch Maßnahmen bei Schlupfwarzen, die du bereits in der Schwangerschaft treffen kannst. Eine Möglichkeit sind die oben bereits angesprochenen Brustwarzenformer. Das sind kleine, flexible Scheiben als Einlagen in deinen BH, die ein Loch in der Mitte haben, durch welches du deine Brustwarze steckst. Dadurch wird leichter Druck auf deine Brustwarze ausgeübt, sodass diese stärker nach außen befördert wird.

Eine weitere Möglichkeit ist die Niplette, eine kleine Vakuumpumpe, die deine Brustwarzen ebenfalls nach außen zieht.

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Beides wird während der Schwangerschaft mehrere Stunden am Tag getragen, um die Form der Schlupfwarzen schon vor dem Stillen zu verbessern. Eine Erfolgsgarantie stellt dies leider nicht dar – im Gegenteil gibt es einige Studien die fanden, dass Frauen mit Schlupfwarzen eher Stillprobleme bekamen, wenn sie Brustwarzenformer in der Schwangerschaft nutzten.

In den ersten Tagen sind Stillprobleme normal! Lass dir nicht einreden, dass dies einzig und allein auf deine Brustwarzenform zurückzuführen ist. Auch alle anderen möglichen Ursachen für die Probleme sollten abgeklärt und ggf. behoben werden.

Fazit

Ein Baby saugt an allem, was es kriegen kann: An einem Arm, einer Schulter, am Hals der Mama – obwohl keines dieser Körperteile eine Brustwarze hat.

Deshalb ist das Stillen mit Schlupfwarzen meist problemlos möglich und auch mit Hohlwarzen kein Ding der Unmöglichkeit. Mit ein paar Tipps und Tricks kann es problemlos gelingen, sodass dir und deinem Baby beim Stillen nichts im Wege steht.

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