Milchstau – Symptome, Ursachen und Therapie

Deine Brust ist gerötet, druckschmerzhaft und überwärmt? Hast du vielleicht sogar ein bisschen Fieber? Dann könntest du einen Milchstau haben!

Sei beruhigt: Ein Milchstau ist an sich nicht sehr gefährlich. Du solltest aber rasch und überlegt handeln, damit sich bei dir keine Brustentzündung oder sogar ein Abszess entwickelt. Auch ein ungewolltes vorzeitiges Abstillen ist möglich.

Hier erfährst du, was ein Milchstau genau ist, wie er entsteht und ob du jetzt abstillen musst (Spoiler-Alarm: Nein, musst du nicht 😉) und du erhältst eine Menge Tipps, damit du noch lange entspannt weiter stillen kannst.

Dieser Artikel ist sehr lang! Wenn er dir zu lang ist: Am Ende findest du eine Zusammenfassung.

Los geht’s!

Was ist überhaupt ein Milchstau?

Du weißt vielleicht, dass deine Brust zwischen 4 und 18 Milchgänge hat: Sie alle sammeln Milch aus den milchproduzierenden Zellen und leiten sie in Richtung der Brustwarze, wo sie dann im Mund deines Babys landet.

Schematisch kannst du dir das so vorstellen: In den hellrosa „Läppchen“ wird die Milch produziert. Diese sind überall im Brustgewebe verteilt. Kleine Gänge transportieren die Milch von dort in immer größere Milchgänge – die dann die Milch zur Brustwarze liefern.

Wenn sich die Milch nun staut – aus Gründen, auf die wir gleich eingehen – dann kann sich die gestaute Milch zwischen den Zellen des Milchganges hindurchquetschen und landet im Bindegewebe.

Dies kann zu einer lokalen Entzündung führen – mit den typischen Symptomen Schwellung, Rötung, Schmerz (wir gehen weiter unten genauer darauf ein). Meist passiert das nur bei einem Milchgang, es kann aber auch die ganze Brust betroffen sein.

Meistens tritt ein Milchstau in den ersten 12 Wochen nach Geburt auf, der Häufigkeitsgipfel liegt bei drei bis vier Wochen nach der Geburt. Er kann aber auch später auftreten. bei manchen Frauen kommt es sogar zu wiederkehrendem Milchstau.

Ein Milchstau ist nicht das gleiche wie die initiale Brustdrüsenschwellung beim Milcheinschuss – aber die beiden können auch gleichzeitig auftreten!

Ursachen für einen Milchstau

Die Gründe, warum es bei manchen Frauen schneller zum Milchstau kommt, sind nicht ganz verstanden. Der Hauptgrund ist aber: Die Milch fließt nicht richtig ab. Das kann folgende Gründe haben:

  1. Deine Brust wird zu selten entleert
  2. Die Anlagetechnik muss verbessert werden
  3. Unsicherheit, Stress und Schmerzen
  4. Dein Kind kann nicht genug trinken, zum Beispiel weil es krank ist
  5. Es liegt ein mechanisches Problem vor, zum Beispiel ein verstopfter Milchgang
  6. andere Gründe

1. Zu seltenes Stillen

Vielleicht wurde dir im Krankenhaus gesagt: Ein Neugeborenes sollte alle 4 Stunden an die Brust. Er kann auch mal etwas länger schlafen, und wenn er sich häufiger meldet, dann bitte, gerne.

Aus Sicht der meisten Stillberaterinnen ist das kritisch zu betrachten.

Alle 4 Stunden zu stillen würde bedeuten, dass dein Baby pro Tag nur 6 Mal an die Brust kommt. Jetzt Achtung: In den ersten Tagen sollte es viel öfter dran. Und zwar bis zu 12 Mal. Oder sogar noch öfter, wenn dein Baby es möchte.

Diesen Tipp geben wir dich nicht, um dich zu ärgern.

Denn:

Tatsächlich reguliert sich die Milchmenge in deiner Brust nach dem Baby – je häufiger es trinkt, oder besser: Je häufiger deine Brust leer ist, desto mehr Milch bildest du.

Ein Schaubild, das den Zusammenhang zwischen hoher und niedriger Trinkmenge des Babys bezogen auf die Milchproduktion darstellt.
Ein wenig vereinfacht dargestellt: Der Bedarf des Kindes regelt das Milchangebot. Besonders wichtig ist dies in den ersten Tagen und Wochen.

Richtig stillen kann anstrengend sein.

Zum Glück müssen in späteren Wochen die meisten Babys nicht 12 Mal pro Tag an die Brust, damit die Milchmenge sich reguliert (wobei: gerade in Phasen des Clusterfeeding kann das aber doch wieder passieren).

Trotzdem schleichen sich häufig auch bei etwas älteren Babys längere Stillpausen ein:

Da genießt du es auch mal (völlig verständlich), wenn dein Baby nachts ausnahmsweise 6 Stunden schläft. Oder dass es sich mit dem Schnuller beruhigen lässt, obwohl es langsam wieder „dran ist“. Oder dass der Papa nachts mal die Flasche gibt.

Und so kann es dann eben passieren, dass die Abstände zu lang und deine Brust zu selten entleert wird: Eine Möglichkeit, wie ein Milchstau entsteht.

2. Falsche Anlagetechnik

Möglicherweise gibt es Probleme damit, wie du dein Baby anlegst.

Durch die hohe Arbeitsbelastung in den Kliniken haben die Pflegekräfte und Hebammen oft keine Zeit, dich in den ersten Tagen ausreichend zur richtigen Anlagetechnik zu beraten.

Kleine Tricks, die jede stillende Mutter irgendwann draufhat, werden dir vielleicht einfach nicht gezeigt.

Genauso kann es passieren, dass sich nach einem guten Start kleine „Fehler“ einschleichen, die am Ende dazu führen, dass ein Milchgang nicht richtig entleert wird (oder dass wunde Brustwarzen entstehen, die wiederum indirekt zu Milchstau führen können).

Auch die falsche Abpumptechnik kann ein Problem darstellen.

3. Unsicherheit, Stress und Schmerzen  

Klar, ein Baby macht Stress. Du schläfst nicht, es schreit, die ungebetene Verwandtschaft kommt – soweit, so normal.

Alle Eltern haben Stress, aber nicht alle Eltern haben gleich viel Stress. Bei manchen kommen weitere Probleme dazu, vorbestehende psychologische Probleme, überzogene Erwartungen.

Manche Kinder sind deutlich stressiger als andere (und manche Verwandte auch). Der Haushalt will gemacht werden, was manche Menschen (bei uns: Anastasia) mehr stresst als die anderen (bei uns: Tobias).

Vielleicht hast du noch mit der Kaiserschnittnarbe zu kämpfen, oder deine Anspannung setzt sich in Kopfschmerzen und Muskelverspannung um. Oder dir tut einfach die Brustwarze weh – vielleicht wegen der falschen Anlagetechnik.

Das Problem mit dem Stress in der Stillzeit: Es kann den Milchspendereflex behindern. Du weißt nicht, was das ist? Gut, dass du fragst:

Beim Milchspendereflex wird durch das Zusammenziehen kleinster Muskeln um die Milchbildungszellen die Milch vom Ort der Entstehung zur Brustwarze transportiert. Dieser Reflex läuft automatisch ab: Ausgelöst wird er u. a. durch das Saugen an der Brust durch dein Baby. Wir haben einen ausführlichen Artikel dazu, falls du es genauer wissen willst.

So kann eben auch übermäßiger Stress zu Milchstau führen. Wir kommen darauf zurück.

4. Dein Kind kann nicht gut trinken

Das Thema besprechen wir nur kurz, weil es sehr komplex sein kann, aber eher selten das Problem ist (meistens ist es nämlich die falsche Anlagetechnik).

Vielleicht hat dein Baby ein anatomisches Problem, ein zu kurzes Zungenbändchen, eine Fehlbildung, oder es hat muskuläre Probleme. Vielleicht ist es auch krank oder es schläft einfach viel.

Logisch, dass dann zu viel in der Brust zurückbleiben kann und sich auch aus „kindlichen Gründen“ ein Milchstau bilden kann.

5. Milchstau aus mechanischen Gründen

Ein zu enger BH. Eine zu enges Tragesystem oder Tragetuch. Sogar ein zu häufig getragener, zu enger Anschnallgurt im Auto kann zu Milchstau führen. In der Praxis ist das unseres Erachtens eher selten der Grund.

Tückisch ist aber ein anderes mechanisches Problem: Der verstopfte Milchgang.

Der verstopfte Milchgang: In manchen englischen Veröffentlichungen wird der „verstopfte Milchgang“ quasi als Synonym für den Milchstau genutzt. Ob das stimmt oder nicht: für dich wird es vor allem interessant, wenn du die Verstopfung von außen sehen kannst. Ein weißes Bläschen auf der Brustwarze, ein sogenanntes „Milchbläschen“ – manchmal auch etwas gelblich – kann Ausdruck eines verstopften Milchgangs sein. Man liest immer wieder Erfahrungsberichte von Frauen, die an diesem weißen Punkt „rumgeknibbelt“ haben, um ihn zu entfernen, ehe sich dann ein Fluss an Milch aus der Brust entleerte. Diese Frauen geben eine umgehende Schmerzlinderung an. Wir raten dir dringend dazu, nicht selbst an deiner Brust zu manipulieren, wenn du so einen weißen Punkt bemerkst. Zwar liegt die Vermutung nah, dass es sich hier um einen verstopften oder blockierten Milchgang handelt, aber du solltest das unbedingt professionell angucken lassen (Gynäkologin, Stillberaterin, Hebamme). Das Hantieren mit einer Nadel oder ähnlichem kann schnell zu ungewollten Verletzungen und dann zu einer Infektion führen. Ein verstopfter Milchgang kann aber auch innerhalb der Brust zum Milchstau führen. Oft sind es feste Partikel aus Casein-Calcium-Verbindungen oder Fettklümpchen, die zur Blockade führen2. Ein mögliches Mittel gegen diese Verklumpung kann die Einnahme von Lecithin darstellen (näheres siehe unten bei der Therapie des Milchstaus) 3.

6. Andere Gründe für Milchstau

Es gibt eine Reihe anderer Ursachen für einen Milchstau, die wir hier nur kurz anreißen wollen. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Zu viel Milch: Oft klagen Frauen über Milchstau, die zu viel Milch haben, oft diejenigen mit großen Brüsten. Wie du damit umgehst, erklären wir dir in unserem Artikel zum Thema zu viel Milch beim Stillen.
  • Wunde Brustwarzen: Wie oben bereits erwähnt können wunde Brustwarzen zu Milchstau führen, meist über den Zusammenhang „Schmerz und Stress“ zu „verringertem Milchspendereflex“ und dem (vielleicht angstbedingten) selteneren Anlegen. Oft sind sich auch Ausdruck einer falschen Anlagetechnik, die wiederum über die unvollständige Entleerung zum Milchstau führen kann
  • Luftzug und Unterkühlung: Mitunter wird auch eine kalte Brust oder ein kalter Luftzug für Milchstau verantwortlich gemacht.
  • Brustanomalien: Wenn du eine Brustoperation hinter dir hast, ein Nippelpiercing trägst oder ähnliches, kann das ebenfalls einen Milchstau begünstigen.
  • Ein Milchbläschen: Ein Milchbläschen entsteht, wenn sich ein kleines Häutchen über einem Ausführungsgang auf der Brustwarze bildet.

Milchstau: Symptome

Oben klangen die wichtigsten Symptome des Milchstaus schon mal an, aber wir wollen sie dir noch etwas genauer beschreiben.

Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig vorliegen, damit es sich um einen Milchstau handelt, aber einige sind einfach typisch und sollten möglichst früh beachtet werden, um einen beginnenden Milchstau rasch entgegenzutreten.

Milchstau erkennen

Folgende Symptome sprechen für einen Milchstau:

(nach der S3-Leitlinie „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit“):

  • Rötung
  • Schmerzen
  • Verhärtung (z. B. als „Knoten“)
  • Keine oder nur leichte Überwärmung der betroffenen Stellen
  • Kein Fieber (<38,4°C)
  • Gutes Allgemeinbefinden
  • In aller Regel nur eine Seite betroffen
  • Manchmal weißes Bläschen auf der Brustwarze

Nicht alle dieser Symptome müssen bei dir bestehen! Manchmal ist es nur ein einzelnes Symptom, vielleicht Schmerzen, vielleicht ein Knoten, der auf einen beginnenden Milchstau hinweist.

Sehen wir uns ein paar dieser Symptome mal genauer an.

Rötung / Rote Flecken auf der Brust

Wenn von der Seite in deine Brust hereinschauen könntest, würde es wohl so aussehen, als würden Wurzeln von der Brustwarze in die Tiefe verlaufen.

Irgendwann werden wir uns beim #teammuttermilch auch eine richtige Grafikerin leisten können 😉

Die „Wurzeln“ sind die Milchgänge. Wie oben schon beschrieben, sitzen an ihrem Ende kleine Bläschen, an denen die Milch produziert wird. Die Milchgänge leiten die Milch nach vorne, wo sie an verschiedenen Stellen austreten.

Stell dir vor, einer dieser Milchgänge ist verstopft oder kann aus anderen Gründen nicht richtig entleert werden: Ein Milchstau entsteht, die Milch läuft ins Gewebe. Dies führt zu Symptomen genau da, wo die Milch ausgetreten ist.

Eines dieser Symptome kann eine Rötung sein – und weil meist nur ein Milchgang betroffen ist, ist die Rötung oft nur an einer Stelle. So ungefähr kann das aussehen:

Die Rötung muss gar nicht besonders stark ausgeprägt sein. Der Stau kann im Prinzip in jeder Region auftreten – es gibt auch Milchstau unter der Achsel.

Die Rötung ist ein typisches Symptom einer Entzündung und kann es manchmal schwer machen, den Milchstau von einer Brustdrüsenentzündung zu unterscheiden. Aber dazu später mehr.

Schmerzen

Auch Schmerzen sind ein typisches Symptom einer Entzündung. Beim Milchstau sollten die Schmerzen jedoch wenig ausgeprägt und erträglich sein. Auch ein Milchstau ohne Schmerzen ist nicht selten.

Solltest du Schmerzen haben, befinden sich diese typischerweise auch nur im betroffenen Areal, mitunter kann es aber auch darüber hinaus weh tun.

Knoten

Wenn beim Stillen deine Brust hart ist oder du lokale Verhärtungen spürst, kann auch dies auf einen Milchstau hindeuten.

Verhärtungen in der Brust, manchmal auch als „Knoten“ bezeichnet, sind natürlich ein alarmierendes Signal, wo vielen Frauen erstmal bösartige Erkrankungen einfallen. Es ist also ganz normal, erst einmal beunruhigt zu sein.

Jedoch gibt es noch viele andere Gründe, die (nicht nur bei Stillenden) zu Verhärtungen führen können: Und dazu gehört eben auch der Milchstau. Die harten Stellen können ein Areal der Brust betreffen, aber auch die ganze Brust. Gerade in Verbindung mit den anderen hier genannten Symptomen können sie auf einen Milchstau hindeuten, sie können aber auch das einzige Symptom darstellen, gerade dann, wenn der Milchstau erst beginnt.

Falls du dir Sorgen machst: So ein Knoten in der Brust beim Stillen ist deutlich häufiger nicht schlimm, als dass er doch schlimm ist. Aber keine Gynäkologin der Welt sollte es dir übel nehmen, wenn du sowas lieber einmal häufiger abklären lässt, als nötig.

Fieber bei Milchstau

Fieber ist das Zeichen einer systemischen Reaktion, also eine Reaktion, die den ganzen Körper betrifft. Vereinfacht gesagt: Dein Organismus merkt, dass da etwas im Busch ist, das Immunsystem ist in Habacht-Stellung!

Der Körper reagiert mit Fieber auf Bakterien, Viren, auf Autoimmunerkrankungen und viele andere mögliche schädliche Einflüsse. Fieber ist in den meisten Fällen eine gesunde Reaktion, die zur Abwehr gerade von Mikroorganismen beiträgt.

Der Übertritt von Milch in das Brustgewebe aktiviert ebenfalls das Immunsystem und kann zu erhöhter Körpertemperatur führen.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Definitionen von Fieber, also bei wie viel Grad es anfängt, davon sollten wir uns aber nicht verwirren lassen.

Eine Hand hält ein Fieberthermometer
Sicher sind wir uns: 37,0°C ist kein Fieber.
Foto von Winel Sutanto auf Unsplash

Typischerweise ist die Temperatur bei Milchstau nicht besonders hoch. Viele Autorinnen sprechen von einer Grenze von 38,0°C, viele von 38,4°C – diese Temperaturen sprechen also noch nicht für eine bakterielle Brustdrüsenentzündung.

Die systemische Reaktion kann auch zu weiteren Symptomen führen: So sind Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und andere Beschwerden, die du sonst vielleicht von grippalen Infekten kennst, keine Seltenheit. Insgesamt sollte dein Allgemeinbefinden aber nicht zu stark eingeschränkt sein – dann könnte es sich doch um eine Brustentzündung handeln.

Milchstau oder erste Symptome einer Brustentzündung?

In der Praxis ist es nicht einfach, einen Milchstau von einer Brustentzündung (Mastitis) abzugrenzen. Die Symptome ähneln sich und können sich auch überschneiden. In der Übersicht siehst du, was eher für eine Brustentzündung spricht und was eher für einen Milchstau.

Spricht eher für MilchstauSpricht eher für Mastitis
örtliche Schmerzen, Spannungsgefühllokal starke Schmerzen
Körpertemperatur < 38,4°C, gutes AllgemeinbefindenFieber, allgemeines Krankheitsgefühl
lokale Schwellung, leichte Überwärmung und Rötungdeutlich ausgeprägtere lokale Schwellung, Überwärmung, Rötung
Beruhend auf der AWMF-Leitlinie „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit“

Einer Brustentzündung geht ein Milchstau oft voraus. Der Übergang ist dabei fließend, es ist schwierig, mit Sicherheit den Moment des Übergangs festzulegen. Dabei kommt es dann oft zu einem Dilemma:

  • Einerseits will ich einen „einfachen“ Milchstau nicht mit Antibiotika behandeln, weil es nichts bringt und sinnlose Antibiotika möglichst immer vermieden werden sollten
  • Andererseits muss eine bakterielle Mastitis immer mit Antibiotika behandelt werden, weil sonst u. a. ein eitriger Abszess droht, der einen chirurgischen Eingriff an der Brust nötig macht.

Es besteht also immer die Gefahr, entweder zu früh oder zu spät mit dem Antibiotikum zu beginnen.

Balkendiagramm mit fließendem Farbverlauf um den fließenden Übergang vom sicheren Milchstau zur sicheren Mastitis deutlich zu machen.
Der Übergang vom Milchstau zur Mastitis ist fließend und kann nicht immer sicher bestimmt werden – auch von Profis nicht.

Um dieses Dilemma zu lösen, wird es in der Regel so gehandhabt: Wenn die Symptome des Milchstaus 24h anhalten, geht man vorsichtshalber von einer Brustentzündung aus und gibt dann Antibiotika. Das vor allem, wenn vernünftige Maßnahmen gegen den Stau keinen Erfolg gebracht haben.

Diese Maßnahmen schauen wir uns jetzt genauer an.

Therapie: Ich habe einen Milchstau – was tun?

Du musst auf jeden Fall handeln!

Wenn du wartest und gar nichts tust, wird sich der Milchstau nicht von alleine auflösen. Die Dauer der ganzen Sache kannst du durch frühzeitiges Eingreifen verkürzen und auch den Fortschritt zum Milchstau oder gar Abszess kannst du verhindern.

Du hast mehrere Handlungsmöglichkeiten, um den Milchstau zu behandeln und um Probleme möglichst schnell zu beheben.

Die schauen wir uns jetzt mal genauer an.

Milchstau lösen Tipp #1: Immer mit der Ruhe

Einer der wichtigsten Tipps bei Milchstau ist: Ruhe bewahren.

Wie wir oben gelernt haben, sind Stress und psychische Belastungen häufige Probleme (nicht nur) beim Milchstau. Stress und Belastungen erschweren den Milchspendereflex, der dringend benötigt wird, um effektiv Muttermilch zu entleeren.

Teufelskreis aus Schmerzen, Stress und gestörtem Milchspendereflex

Häufig folgt nun der Tipp: Zieh dich ein paar Tage mit dem Baby zurück. Verbringt viel Zeit gemeinsam im Bett, stillt häufig, verzichte darauf den Haushalt zu schmeißen, lass den Papa sich um ältere Kinder kümmern, komm runter und atme durch.

Für viele ist dieser Tipp keine große Hilfe – was, wenn der Papa arbeiten muss und ein älteres Kind zu betreuen ist? Was, wenn du selbstständig bist und selber arbeiten musst? Was wenn dich der liegengebliebene Haushalt mehr stresst als alles andere?

Trotzdem solltest du versuchen, einige belastende Dinge zu reduzieren. Was das für dich bedeuten kann und was überhaupt in Frage kommt, weißt du am besten selbst. Vielleicht hilft es dir auch, dir etwas von der Seele  zu quatschen, mit der besten Freundin oder dem besten Freund, oder zur Not deiner Hebamme.

Hinweis-Box: Der wichtigste Tipp aus unserer Sicht ist: Reduziere Kontakte! Unabhängig davon, ob mal wieder Pandemie herrscht oder nicht. Das ständige Ein und Aus von Freunden und Verwandten, die verständlicherweise mal das Baby sehen wollen, kann ultrastressig sein und ist bei beginnendem oder schon manifestem Milchstau alles andere als förderlich.

Milchstau lösen Tipp #2: Die Milch muss raus!

Oben bei den Ursachen für Milchstau haben wir gelernt, dass die unvollständige Entleerung der Brust die Hauptursache für einen Milchstau sein kann. Also sollten wir dafür sorgen, dass die Milch herauskommt!

  • Richtig anlegen: Obwohl stillen eigentlich eine natürliche, auch instinktive Angelegenheit ist, kann es leider doch schnell zu Problemchen und Problemen bei der Anlegetechnik kommen. Zum Beispiel sollte der Mund deines Kindes weit genug geöffnet sein und genug Brustgewebe fassen, seine Lippen sollten nach außen gestülpt sein. Neben einem Milchstau kann eine unperfekte Anlegetechnik auch zu wunden Brustwarzen und anderen Problemen führen. Solltest du dir nicht absolut sicher sein, dass hier kein Problem vorliegt, solltest du die richtige Stilltechnik von deiner Hebamme oder einer Stillberaterin überprüfen lassen.
  • Häufig anlegen: Du musst dein Kind nicht ständig wecken, damit es an die Brust kann. Aber es wäre gut, eine Weile den Schnuller zu Beruhigung wegzulassen, oder, falls dein Kind nebenbei die Flasche bekommt, diese erst nach dem Stillen zu geben. Schon bei kleinsten Zeichen des Staus (z. B. Verhärtungen) wird immer wieder eine „nursing vacation“ empfohlen, also eine Art Miniurlaub im eigenen Schlafzimmer, wo ihr euch nur auf das Ruhen, Verwöhnen lassen und Stillen konzentriert.
  • Gute Stillpositionen: Du weißt vielleicht, dass es verschiedene Stillpositionen gibt, in denen du dein Baby stillen kannst. Die richtige Wahl und Durchführung der Stillposition hängt eng mit der richtigen Anlagetechnik zusammen. Beim Milchstau ist es ratsam, mehrere Stillpositionen abzuwechseln, um möglichst viele Milchgänge ausreichend zu leeren. Es ist sinnvoll, das Kinn des Kindes an der Stelle zu platzieren, wo sich der Stau befindet – dies sicher am ehesten, dass der betroffene Milchgang vernünftigt „entblockt“ werden kann. Ein Beispiel: Dein Milchstau befindet sich im einem der oberen Quadranten. Du könntest nun in im Liegen stillen, und zwar in der Seitenlage, während dein Baby „falsch herum“ liegt, also mit dem Kopf in Richtung deiner Beine.

Das Kinn sollte an der Stelle platziert werden, wo sich der Stau befindet.

  • Milch Abpumpen: Je nach dem, ob du ausschließlich stillst oder auch zufütterst, kann es sinnvoll sein, zu unterschiedlichen Zeitpunkten abzupumpen. Zum Beispiel direkt nach einer Stillmahlzeit, um die Brust noch weiter zu leeren (das hat den Nebeneffekt, dass dadurch die Milchbildung angeregt wird). Wenn dein Kind nur selten trinkt, kann das Abpumpen zwischendurch ebenfalls helfen, die Brust leer zu halten. Das Thema Abpumpen bei Milchstau wird kontrovers betrachtet, da die Gefahr besteht, dass nur die nicht-gestauten Teile entleert werden. Deshalb eignen sich die beiden folgenden Techniken wahrscheinlich besser.
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  • Beide Brüste gleichzeitig abpumpen & Muttermilch aufbewahren: Mit der Doppel-Brustpumpe wird die Abpumpzeit um die Hälfte reduziert & die Milchbildung gefördert
  • Testsieger in unabhängigem Geräuschtest: Die extrem leise Calypso stört nicht durch laute Betriebsgeräusche, sondern überzeugt mit dem Titel "ultra-silent" - mehr Ruhe für Mutter, Vater & Baby
  • Massage: Eine Brustmassage, vor oder während dem Stillen oder Abpumpen, kann helfen, den Milchstau zu lösen. Oft wird die Massage nach Plata-Rueda empfohlen, es können aber auch andere Techniken angewendet werden, die du vielleicht schon irgendwo gelernt hast. So eine Brustmassage sollte bei Milchstau auf jeden Fall sanft durchgefürt werden!
  • Ausstreichen: Versuch, zum Beispiel auch während des Stillens oder Abpumpens, oder im Anschluss an eine Brustmassage, die Brust und insbesondere das gestaute Areal auszustreichen. Wende aber nicht viel Druck an – streiche ganz sanft in Richtung der Brustwarze, um die Milchentleerung zu unterstützen. Vielleicht kannst du mit etwas Glück vorsichtig den Milchstau ausstreichen.

Die Massage und das Ausstreichen dienen zwar dazu, die gestaute Milch aus der Brust zu befördern, aber sie hätten genauso gut in der nächsten Kategorie auftauchen können:

Milchstau lösen Tipp #3: Lokale Maßnahmen

Hier geht es darum, Schmerzen zu lindern (die ja auch den Milchspendereflex hemmen), aber auch Schwellungen und entzündliche Reaktionen zu verringern. Ob dir Wärme oder Kälte eher Linderung verschaffen, hängt ganz von dir ab – beides ist legitim.

Regine Gresens, eine der führenden deutschen Stillexpertinnen, empfiehlt in ihrem Buch „Intuitives Stillen“* zunächst zu wärmen, und nach der Brustentleerung zu kühlen.

  • Wärmen: Vor dem Stillen oder dem Entleeren der Brust bietet es sich an, die Brust vorsichtig zu wärmen – zum Beispiel durch eine warme Dusche, oder einen warmen, nassen Waschlappen auf der Brust. Dies fördert die Durchblutung und es hat vielleicht auch einen Einfluss auf die Konsistenz der gestauten Milch. Übertreib es aber nicht mit der Wärme, um keine Schäden hervorzurufen. Auch nach dem Stillen kann es für dich angenehm sein, die Brust zu wärmen.
  • Kühlen: Es gibt viele Möglichkeiten, bei Milchstau die Brust zu kühlen. Klassischerweise werden Quarkwickel oder Kohlwickel aus Weißkohl empfohlen (Quarkwickel besser vermeiden wenn es bei deinem Kind den Verdacht auf Kuhmilchproteinallergie besteht oder ihr Eltern zu Allergien neigt). Einen Nachweis über den Nutzen gibt es nicht, genauso könntest du auch kühlende Brustkompressen benutzen, dieses Produkt von Ardo* ist zum Beispiel extra für diese Anwendung gemacht.

Retterspitz: Viele Frauen sind auf der Suche nach Informationen zur Anwendung von Retterspitz bei Milchstau, vielleicht, weil Hannah Lothrop das in ihrem berühmten Stillbuch* empfiehlt. Nun, Retterspitz* ist ein Naturheilmittel, das vor mehr als 100 Jahren von einer Frau Retterspitz erfunden wurde. Neben Arnika und Hühnerei enthält es (u. a.) verschiedene Pflanzenöle. Retterspitz kennen wir noch aus unserer alten Klinik, dort wurde es zum Beispiel bei Hodenschmerzen bei Kindern zum Abschwellen benutzt. Wissenschaftlich erforscht für die Anwendung bei Milchstau ist das Präparat unseres Wissens nicht, aber es scheint (laut Hersteller) zumindest keine Nebenwirkungen zu haben. Neben möglichen Effekten der Inhaltsstoffe kann Retterspitz bei Milchstau wahrscheinlich vor allem durch die Kühlung helfen, die Behandlung zu unterstützen.

Angebot
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  • 1 l Flüssigkeit

Milchstau lösen Tipp #4: Medikamente

Du hast vielleicht gemerkt: Bei eigentlich allen bisherigen Maßnahmen handelt es sich um Hausmittel. Jetzt kommen wir zu den Medikamenten, und selbst da bleiben dir natürliche Mittel, die dir dabei helfen können, den Milchstau zu behandeln.

  • Antibiotika: Antibiotika sind bei Milchstau in der Regel nicht nötig. Bei einer Mastitis (Brustentzündung) können sie es aber sein. Leider ist der Übergang vom Milchstau zur Mastitis fließend und für Ungeübte (wozu die meisten Stillenden gehören) nicht immer leicht zu erkennen. Weiter unten im Text gehen wir auf das Thema nochmal ausführlicher ein.
  • Schmerzmittel: Ibuprofen und Paracetamol sind in der Stillzeit die Mittel der Wahl, um Schmerzen zu lindern, Ibuprofen hat auch einen antientzündlichen und abschwellenden Effekt. Du hast schon gelernt, dass Schmerzen den Milchspendereflex behindern können. Wenn du (was wir sehr gut verstehen können) in der Stillzeit eigentlich keine Medikamente einnehmen willst, mache dir bewusst, dass es manchmal leider einfach nötig ist, um vernünftig weiter stillen zu können. Lass dich von deiner Hebamme, Ärztin oder Stillberaterin beraten, ob die Einnahme von Schmerzmitteln bei dir Sinn macht und in welcher Dosis du sie nehmen solltest.
Ein Haufen Tabletten auf einem Tisch
Immer in Absprache mit jemandem nehmen, der sich auskennt: Medikamente.
Foto von James Yarema auf Unsplash
  • Homöopathie / Globuli: Wir kennen uns selbst mit Homöopathie nicht aus, und der Schulmediziner in Tobias ist skeptisch 🙂 Die Anwendung in der Stillzeit und insbesondere auch bei Milchstau scheint aber etabliert und häufig angewandt. Unseres beschränkten Wissens soll bei der Gabe von Globuli eigentlich „der gesamte Mensch“ und nicht nur ein einzelnes Symptom behandelt werden – Empfehlungen zur Anwendung bestimmter Präparate werden aber trotzdem gegeben, zum Beispiel von Phytolacca. Am Besten lässt du dich dahingehend von der Homöopathin deines Vertrauens beraten. 
  • Lecithin: Lecithin wird bei Milchstau auch von Expertinnen immer wieder empfohlen, obwohl es nie eingehend wissenschaftlich untersucht wurde. Der Hintergrund ist die Idee, dass gerade bei Frauen mit wiederkehrendem Milchstau ein Problem mit der Verklumpung der Milch aufgrund des Fettgehalts vorkommen kann. Das Lecithin solle dabei helfen, dass diese Verklumpung nicht wieder auftritt. Da Lecithin auch natürlicherweise in der Muttermilch vorkommt, geht man davon aus, dass die Einnahme in der Stillzeit keine Probleme bereiten sollte. Häufig wird eine Menge von „einem Teelöffel“ des Granulats1 1-4 mal täglich bzw. 1-4 Mal pro Tag eine Kapsel mit 1200 mg2 empfohlen.
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  • Elektrische Zahnbürste / Vibrator: Solltest du eines oder mehrere solcher vibrierenden Geräte dein Eigen nennen (was wir hoffen, denn gute Zahnpflege und gute Laune sind gesund!), kannst du versuchen, die Vibration zur Lösung des Milchstaus zu benutzen. Im Prinzip wie beim Ausstreichen mit den Fingern fährst du damit (sanft!) über die gestauten Areale. Dass das klappt, ist nicht erwiesen, und wir wissen auch nicht, ob dadurch nicht theoretisch irgendwelche Schäden entstehen können – deswegen steht der Tipp hier auch nur anekdotisch an letzter Stelle 🙂

Milchstau lösen Tipp #5: Stillberatung!

Vielleicht kommst du jetzt an dieser Stelle an und fühlst dich etwas überfordert:

Habe ich wirklich einen Milchstau? Habe ich vielleicht schon eine Mastitis? Was soll ich jetzt genau machen? Brauche ich eine Pumpe? Meine elektrische Zahnbürste ist kaputt, muss ich jetzt abstillen ;)?

Scherz beiseite – vielleicht brauchst du einfach nur eine Motivation – aufmunternde Worte –  Tipps, die dich persönlich in die richtige Richtung leiten.

Solche Artikel im Internet sind super – aber sie beantworten nur das, was häufig ist, was typisch ist, und können nicht deine spezielle Situation kennen. Es ist nicht immer offensichtlich, was genau dir bei Milchstau hilft.

Wir versuchen hier, dir so viele Fragen wie möglich zu beantworten, aber vielleicht bleiben trotzdem noch welche übrig.

Sollte ich bei Milchstau abstillen?

Gerade wenn der Milchstau bei dir häufiger auftritt, fragst du dich vielleicht, was der ganze Stress denn soll und ob es nicht einfacher wäre, einfach abzustillen.

Nun, generell ist gegen das Abstillen nichts zu sagen: Irgendwann stillt jede Frau mal ab, manche schon bei Geburt, andere erst nach vielen Jahren.

Bei Milchstau abzustillen, ist jedoch einer der denkbar ungünstigen Zeitpunkte: Die Entleerung der Brust ist nämlich das, was am besten hilft. Wenn du nun versuchst abzustillen, wird der Milchstau noch befördert.

Außerdem erhöhst du das Risiko, dass sich dein Milchstau zu einer Mastitis entwickelt und ein Abszess entsteht.

Wenn du natürlich hartnäckig ständig einen neuen Milchstau entwickelst, trotz vorbeugender Maßnahmen und schneller Reaktion auf erste Symptome, dann kann das schon sehr anstrengend sein. Gerade wenn dein Alltag, oder vielleicht andere Kinder darunter leiden.

Je nachdem wie ausgeprägt dein Stillwunsch ist, würden wir hier zur Inanspruchnahme einer Stillberatung raten, um verbleibende Optionen abzuwägen.

Übrigens: Es gibt in der Literatur keinen Hinweis darauf, dass das Weiterstillen bei Milchstau oder Mastitis für dein Kind schädlich sein könnte! Gerade jedoch, wenn bei dir in der Schwangerschaft B-Streptokokken nachgewiesen wurden, raten wir, die Situation einmal mit deiner Frauenärztin zu besprechen.

Milchstau – wann zum Arzt?

Es gibt vor allem vier Hauptgründe, zu deiner Ärztin zu gehen, wenn du einen Milchstau hast:

  1. Die Symptome sind stark ausgeprägt.
  2. Deine Symptome werden schlimmer.
  3. Die Symptome werden nicht besser.
  4. Du machst dir aus anderen Gründen Sorgen.

Ab zur Ärztin #1: Anzeichen einer Brustentzündung

Wie wir hier schon mehrfach erwähnt haben, ist der Übergang vom Milchstau zur Mastitis fließend. Bei der Mastitis sind oft noch Bakterien im Spiel, müssen aber nicht.

Spricht eher für MilchstauSpricht eher für Mastitis
örtliche Schmerzen, Spannungsgefühllokal starke Schmerzen
Körpertemperatur < 38,4°C, gutes AllgemeinbefindenFieber, allgemeines Krankheitsgefühl
lokale Schwellung, leichte Überwärmung und Rötungdeutlich ausgeprägtere lokale Schwellung, Überwärmung, Rötung
Beruhend auf der AWMF-Leitlinie „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit“

Die Gefahr einer Mastitis ist, dass sich Keime unkontrolliert ausbreiten, was an jeder Stelle des Körpers gefährlich ist, da sie sich auch über die Blutbahn in den Rest des Körpers verteilen können.

Die nächste (wahrscheinlichere) Gefahr ist die Bildung eines Abszesses, also einer begrenzten Eiteransammlung in der Brust. Ein alter Leitspruch der Schulmedizin lautet (frei übersetzt): Wenn Eiter da ist, muss er weg. Antibiotika können kaum in Abszesse eindringen und es bleibt dann nur die operative Entfernung, um den gefährlichen Bakterienherd loszuwerden.

Das muss auf jeden Fall verhindert werden. Wenn du dir also nicht sicher bist, ob du nun „nur“ einen Milchstau hast oder schon eine Brustentzündung: Ab zur Ärztin. Oder zumindest dringend eine Hebamme oder Stillberaterin kontaktieren.

Ab zur Ärztin #2: Der Milchstau löst sich nicht

Angenommen, du hast einige oder sogar viele der oben genannten Tipps zur Therapie deines Milchstaus angewandt, aber die Symptome werden nicht besser, der Milchstau geht nicht weg.

Es ist dann nach spätestens einem Tag, also nach 24 Stunden, unbedingt nötig, dir Hilfe zu suchen. Du kannst direkt zu deiner Frauenärztin gehen, die dann in den meisten Fällen ein Antibiotikum verschreiben wird. Vielleicht macht sie auch einen Ultraschall der Brust, um einen Abszess auszuschließen.

Bei Milchstau sollte spätestens einen Tag nach Symptombeginn ein Arzt aufgesucht werden.
Spätestens 24 Stunden nach Beginn der Symptome solltest du dich in ärztliche Behandlung begeben.

Auch für sie ist es nicht einfach sicher zu unterscheiden, ob noch ein Milchstau, oder schon eine Mastitis vorliegt. Wenn du aber alle „natürlichen“ Maßnahmen befolgt hast und es trotzdem zu keiner Besserung kommt, ist die Chance einfach statistisch gesehen höher, dass du bereits eine Brustentzündung entwickelt hast.

Und da bei einer solchen leider oft Bakterien im Spiel sind, und du garantiert keinen Abszess entwickeln möchtest, musst du eben in den sauren Apfel beißen: Beziehungsweise in die bittere antibiotische Pille.

Wenn die Symptome deines Milchstaus innerhalb von 24 Stunden nicht besser werden, such dir ärztliche Hilfe.

Es gibt noch ein paar andere Gründe, zur Ärztin zu gehen: Vielleicht macht dir zum Beispiel der Knoten Sorgen, den du in deiner Brust tastest. Es ist zwar nicht wahrscheinlich, aber wir können gut nachvollziehen, wenn du zum Beispiel Brustkrebs einfach ausgeschlossen haben willst.

Darüber hinaus solltest du immer dann deine Ärztin fragen (oder zumindest die Hebamme oder Laktationsberaterin), wenn dir etwas Sorgen macht, was wir hier nicht besprochen haben.

Milchstau vorbeugen

Um einen Milchstau zu vermeiden solltest du einfach die Dinge beachten, die zu einem Milchstau führen können:

  • Trag nicht zu enge Kleidung bzw. BHs.
  • Entleere die Brust regelmäßig durch Stillen, Abpumpen oder Ausstreichen.
  • Versuch, auch wenn es schwierig ist, entspannt und stressfrei zu bleiben
  • Achte auf die richtige Anlegetechnik
  • Halt die Brust warm, vermeide Zugluft und Kälte
  • Untersuch deine Brust regelmäßig, achte auf verdächtige Rötungen, Schmerzen oder Verhärtungen und reagiere schnell auf beginnende Symptome

Zwar ist das keine Garantie, einen Milchstau zu verhindern, aber gerade, wenn du schon einmal oder häufiger einen hattest, ist es wichtig, früh zu reagieren und vorzubeugen.

Zusammenfassung

  • Beim Milchstau kann es aus unterschiedlichen Gründen dazu kommen, dass die Muttermilch nicht richtig entleert wird. Die Milch kann dann ins Brustgewebe laufen und zu Schwellungen, leichten Schmerzen, leichtem Fieber, Rötung und Überwärmung führen. Die Symptome sind meistens wenig ausgeprägt.
  • Aus einem Milchstau kann sich eine bakterielle Brustentzündung entwickeln, die antibiotisch behandelt werden muss. Dann droht auch ein Abszess, der operiert werden müsste.
  • Folgende Maßnahmen können helfen, den Milchstau zu lösen:
    1. Stressreduktion und Ruhe
    2. Für eine gute Entleerung der Brust sorgen: Stillen nach Bedarf des Kindes (Beruhigungsschnuller vermeiden!), richtige Stillposition und Anlagetechnik
    3. Feuchte Wärme (z. B. mit Waschlappen) vor dem Stillen auf die Brust, während des Stillens vorsichtige Brustmassage
    4. Das Kind mit dem Kinn zur gestauten Stelle anlegen
    5. Nach dem Stillen können kühle Kohlblätter, aber auch erneut leichte Wärme angenehm sein
  • Medikamente können unter Umständen helfen, den Milchstau zu bessern, dies sollte aber nur in Rücksprache mit deiner Ärztin, Hebamme oder Stillberaterin geschehen.
  • Spätestens wenn deine Symptome mehr als 24 Stunden bestehen, oder wenn sie sehr ausgeprägt sind, solltest du zu deiner Ärztin gehen. Sie muss überlegen, ob du ein Antibiotikum brauchst, weil eine Brustentzündung nicht auszuschließen ist.
  • Gerade bei wiederholtem Milchstau sollte eine Ursache gefunden werden. Oft spielen wunde Brustwarzen eine Rolle, die wiederum häufig auf eine suboptimale Anlegetechnik zurückzuführen sind. Durch den Stau beschweren sich die Babys manchmal verstärkt, weil die Milch nicht schnell genug fließt, am Ende steht ein Haufen Stress, der wiederum den Milchfluss behindert – ein Teufelskreis.
  • Eine professionelle Stillberatung kann helfen, das grundlegende Problem zu identifizieren und den richtigen Weg zu finden, wie du den Milchstau lösen kannst und verhinderst, dass er immer wieder auftritt.

Teile deine Erfahrungen mit uns!

Für viele Mamas kann es enorm hilfreich sein, von den Erfahrungen anderer Mütter zu lesen. Nicht nur beim Milchstau, im Prinzip bei jeder Krankheit bekommst du häufig das Gefühl: Warum gerade ich? Sowas muss ja gerade mir passieren! Keiner versteht, wie es mir wirklich geht!

Gerade beim Milchstau, das hast du hier vielleicht gelernt, ist es wichtig, einigermaßen entspannt an die Sache heranzugehen.

Wenn du also Fragen hast, die hier nicht beantwortet wurden, stell sie gerne ebenfalls in den Kommentaren oder schreib uns eine Mail!

Quellen:
Ramsay et al. „Anatomy of the lactating human breast redefined with ultrasound imaging“, J Anat 2005
S3-Leitlinie – Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit
– Wambach, Watson Genna, Anatomy and Physiology of Lactation, in: Wambach, Spencer: Breastfeeding and Human Lactation, sixth edition 2021, Jones & Bartlett, Burlington
– Deutscher Hebammenverband, Praxisbuch: Besondere Stillsituationen, 1. Auflage 2011, Hippokrates-Verlag Stuttgart, S. 354
– Both, Frischknecht, Stillen Kompakt, 1. Auflage 2007, Urban&Fischer, München, S. 12
Weitere Quellen sind direkt im Text verlinkt
1 https://www.still-lexikon.de/milchstau/
2 https://www.canadianbreastfeedingfoundation.org/basics/lecithin.shtml

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