Mönchspfeffer (Agnus castus) in der Stillzeit – Nutzen und Sicherheit

Mönchspfeffer wird als Arzneipflanze bei Zyklusstörungen und Kinderwunsch eingesetzt, manchmal wird ihm jedoch auch nachgesagt, er könne die Milchmenge steigern.

Die Blüten des Mönchspfeffers direkt am Strauch.
Sieht schön aus – aber ist der Mönchspfeffer auch ein natürliches Mittel für mehr Milch?
Foto: Marina Krisenko / shutterstock.com

Ob da was dran ist und ob du Mönchspfeffer auch in der Stillzeit sicher einnehmen kannst, lernst du in diesem Artikel.

Los geht’s!

Was Mönchspfeffer ist + was er kann

Mönchspfeffer (lateinischer Name: Vitex agnus-castus) ist ein Lippenblütler, der umgangssprachlich auch „Keuschbaum“ genannt wird, weil man früher davon ausging, seine Samen könnten die Libido zügeln. Ob das geklappt hat? („agnus castus“ kann auch etwa mit „keusches Lamm übersetzt werden).

Er wird auch heute noch in der Frauen-Pflanzenheilkunde eingesetzt, zum Beispiel um Zyklusstörungen zu das prämenstruelle Syndrom und einen unerfüllten Kinderwunsch zu beeinflussen.

Die Beeren enthalten ätherische Öle (z. B. Limonene, Eukalyptol), Irioide, Diterpine und Flavonoide – das sind alles sekundäre Pflanzenstoffe, die alle potentiell eine gesundheitsbeinflussende Wirkung haben könnten.

Tatsächlich konnten in verschiedenen Studien auch Wirkungen auf den menschlichen Hormonhaushalt gefunden werden.

Am wichtigsten ist dabei die Bindung der vorhandenen Moleküle an Opioid-(=Schmerz-)Rezeptoren sowie die Stimulierung der Hypophyse, wodurch unter anderem Prolaktin ausgeschüttet wird – was für die Milchbildung wichtig sein kann (und tatsächlich eventuell die Libido beim Mann zu senken vermag)Quelle.

Die getrockneten Früchte von Vitex agnus auf einem Haufen.
Für den Wirkstoff werden zumeist die reifen ioder getrockneten Früchte genutzt.
Foto: vvoe/shutterstock.com

Mönchspfeffer in der Stillzeit

Viel ist nicht über Wirkung und Sicherheit des Mönchspfeffers bei stillenden Frauen bekannt. Wir erzählen dir mal, was die Forschung weiß.

Wirkung auf die Milchbildung

Wie wir oben schon gelernt haben, kann die Einnahme von Mönchspfeffer die Prolaktin-Ausschüttung stimulieren. Prolaktin ist das „milchbildende Hormon„, das aus der Hypophyse im Gehirn stammt und die Brust dazu anregt, mehr Milch zu produzieren.

Das klingt ja erstmal ganz gut.

Allerdings heißt eine vermehrte Prolaktinausschüttung nicht automatisch, dass auch wirklich mehr Milch gebildet wird. Es gibt andere Pflanzen und Wirkstoffe, die ebenfalls zu einer Erhöhung des Hormons führen, die setzt sich aber nicht unbedingt in ein satteres Baby um.

Tatsächlich gibt es leider keine Studie, die die Wirkung von Mönchspfeffer auf die Milchmenge oder auf das Gewicht eines Babys vernünftig untersucht hätte. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es also keinen Grund, Mönchspfeffer zu diesem Zweck einzusetzen.

Tatsächlich führen höhere Dosen der Pflanze sogar zur gegenteiligen Wirkung: Der Prolaktinspiegel sinkt!

Das erklärt vielleicht, dass Mönchspfeffer zwar in einigen Ländern zur Milchmengensteigerung eingesetzt wird – in anderen aber zur Reduzierung.

Dosierung

Lisa Marasco und Diana West empfehlen in ihrem Buch „Making More Milk“ folgende Dosierung, falls der Mönchspfeffer zur Milchbildung eingesetzt werden soll:

Ein Teelöffel reife Beeren in einer Tasse Wasser (240ml) 10-15 Minuten ziehen lassen, bis zu drei Mal am Tag trinken (bitterer Geschmack).

Oder: 0,5 – 1 ml (1:5 Tinktur) drei Mal am Tag oder bis zu 5 Milliliter täglich

Oder: Eine Kapsel 250-500 mg pro Tag

Marasco, West, Making More Milk – The Breastfeeding Guide to Increasing your Milk Production, McGrawHill, 2. Auflage 2020, (Übersetzung von uns)

Für diese Angaben können wir allerdings keine Gewähr übernehmen.

Abstillen

Manche Quellen (entsprechend der traditionellen Anwendung in manchen Ländern) empfehlen, den Mönchspfeffer auch zum Abstillen zu verwenden.

Bei uns werden dazu traditionell Salbei und Pfefferminz angewendet – wobei es allerdings auch da keinen wissenschaftlich erwiesenen Effekt gibt. Allerdings ist es bei den beiden Kräutern eindeutiger, dass sie sich nicht negativ auf deine Gesundheit oder die deines Babys auswirken – das ist beim Mönchspfeffer nämlich nicht so ganz klar.

Sicherheit für die Mama

Ganz generell wird davon ausgegangen, dass Mönchspfeffer ein gut verträgliches Lebensmittel für die Mama ist. Häufigere Nebenwirkungen sind Hautjucken und Ausschlag, natürlich können auch andere unerwünschte Wirkungen auftreten – schlussendlich handelt es sich um eine Heilpflanze, die immer Nebenwirkungen haben können. Übelkeit und Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Exantheme, Zyklusstörungen und verstärkte Menstruationsblutungen werden angegeben.

In der Schwangerschaft

Bitte beachte, dass Mönchspfeffer den meisten Quellen nach in der Schwangerschaft kontraindiziert ist, weil es erstens zu wenig erforscht ist und zweitens in Verdacht steht, Wehen auslösen zu können.

Sicherheit für dein Baby

Über mögliche unerwünschte Wirkungen auf dein Baby haben wir nichts gefunden – was aber nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Manche Quellen raten von der Einnahme in der Stillzeit ab, andere empfehlen sie sogar.

Viele Pflanzenstoffe gehen auch in die Muttermilch über und auch wenn die im Mönchspfeffer enthaltenen Stoffe nicht unbedingt per se verdächtig sind, ist eine Wirkung nicht auszuschließen.

Wie bei allem, was du in der Stillzeit zu dir nimmst, solltest du dein Baby auf jeden Fall gut im Blick halten, falls du dich für die Einnahme von Mönchspfeffer entscheidest und im Zweifelsfall die Einnahme rasch wieder beenden.

Die reifen Beeren des Mönchspfeffers - die in der Stillzeit besonderer Beachtung bedürfen - direkt am Strauch.
Die reifen Beeren am Strauch.
Foto:

Fazit

Unserer Einschätzung nach verzichtest du in der Stillzeit besser auf Präparate mit Mönchspfeffer. Ob sich wirklich eine negative Wirkung für dich oder dein Kind daraus ergibt ist zwar unklar, es gibt jedoch andere Möglichkeiten, die Milchbildung anzuregen, die wichtigste: Häufig stillen oder pumpen und die Brust oft entleeren. Das wirkt besser als jedes Lebensmittel oder Heilpflanze und ist nebenbei 100% sicher.

Quellen

Marasco, West, Making More Milk – The Breastfeeding Guide to Increasing your Milk Production, McGrawHill, 2. Auflage 2020

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK501807/

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