Lecithin in der Stillzeit: Wann einnehmen, Sicherheit + Dosierung

Immer wieder wird in der Stillzeit die Einnahme von Lecithin empfohlen, meistens bei Milchstau, manchmal aber auch für die Milchbildung oder bei anderen Problemen wie Milchbläschen.

Lecithin Kapseln in einem Glas, darunter der Schriftzug "Lecithin" auf einzelnen Würfeln.
Lecithin: Als Kapsel, Granulat oder flüssig erhältlich und immer wieder bei Stillproblemen empfohlen. Aber was hat es damit auf sich?
Foto: Iryna Imago / shutterstock.com

Wann Lecithin wirklich hilfreich ist, wie es wirkt, ob du mit Nebenwirkungen rechnen musst und wie du es richtig dosierst, lernst du in diesem Artikel.

Los geht’s!

Für Eilige: Die wichtigen Fakten schnell zusammengefasst

  • : Lecithin ist ein Sammelbezeichnung für verschiedene Arten von Lipiden (Fetten), die als Emulgator wirken. Sie finden sich in fast allen lebenden Geweben, werden vielseitig in Lebensmitteln eingesetzt und auch schon seit langem bei Stillproblemen
  • : Es gibt zwar keine Studien, dafür aber viele Erfahrungsberichte dafür, dass Lecithin bei Milchstau und Mastitis helfen kann, vor allem dann, wenn diese immer wieder auftreten.
  • : Entgegen vereinzelter Empfehlungen hilft Lecithin wahrscheinlich nicht bei Milchbläschen und auch nicht, um die Milchbildung anzuregen.
  • : Typischerweise können Kapseln à 1200 mg angewendet werden, um einen Milchstau zu behandeln, davon 1-4 (oder je nach Quelle sogar mehr) über den Tag verteilt einnehmen.
  • : Da Lecithine körpereigene Stoffe sind und auch natürlicherweise in der Muttermilch vorkommen, ist die Gefahr von Nebenwirkungen sehr gering, wenn auch nicht komplett auszuschließem

Was ist überhaupt Lecithin?

Lecithin ist ein Sammelbegriff für mehrere Arten von Fetten, die man aus verschiedenen Ölen gewinnen kann. Es enthält Phosphorsäure, Cholin, Fettsäuren und Glyerin, kann auch einige weitere Inhaltsstoffe enthalten (z. B. Triglyceride, Glyko- und Phospholipide).

Lecithine finden sich in allen lebenden Geweben, also Mensch, Tier und Pflanze und ist auch natürlicherweise in der Muttermilch enthalten. Besonders viele Lecithine enthalten Eigelb, Fleisch, Nüsse und Samenzellen (also die von Pflanzen, nicht die vom Mann 😏).

Sie werden industriell als Emulgatoren verwendet, (also Mittel, die Fette mit Wasser vermischen), zum Beispiel in Lebensmitteln oder in der Pharmazie.

ein hellgraues Pulver, das von einem Holzlöffel hochgehoben wird
Lecithin gibt es auch als Pulver, die Einnahme in Kapselform ist aber am einfachsten.
Foto: Olga Leschenko / shutterstock.com

Und was hat das mit dem Stillen zu tun?

Seit mehr als 30 Jahren wird Lecithin immer wieder empfohlen, um häufige Stillprobleme wie Milchstau, Milchbläschen oder eine zu geringe Milchmenge zu behandeln.

Durch seine Eigenschaft als Emulgator soll das Lecithin dabei helfen, Fettklümpchen zu vermeiden und somit den Milchfluss sicherzustellen. Auch bei Mastitis wird Lecithin als möglicher zusätzlicher Behandlungsschritt empfohlen, um die Entzündung in den Milchgängen zu verringer und das Fett in der Milch zu verflüssigen.

Die Frage ist natürlich: Ist an diesen Empfehlungen etwas dran? Schauen wir uns die Anwendungsgebiete genauer an.

Anwendungsgebiete

Um Licht ins Dunkle zu bringen, sehen wir uns die folgenden häufig empfohlenen Anwendungsgebiete genauer an:

  • Milchstau
  • „Milchbläschen“
  • Zu wenig Milch

Lecithin bei Milchstau

Am häufigsten wird die Einnahme von Lecithin bei Milchstau empfohlen. Die Idee dahinter ist, dass ein Milchstau eben durch ein „Verstopfen“ des Milchganges entstehen kann und dazu eben auch eine mangelnde Emulgation beitragen kann.

Deshalb wird Stillenden empfohlen, gerade bei wiederkehrenden Milchstaus Lecithin entweder zusätzlich einzunehmen, oder besonders lecithinhaltige Lebensmittel zu verzehren.

Dies soll helfen, „Milchklumpen“ aufzulösen, die zur Verstopfung beitragen können.

Es gibt viele Erfahrungsberichte, dass Lecithin tatsächlich helfen konnte, einen Milchstau zu lösen und so gibt es eben auch viele Stillberaterinnen, die es gerne empfehlen. Eine wissenschaftliche Basis dafür gibt es allerdings nicht.

So schreibt der Kinderarzt und Pharmakologe Thomas Hale in „Hale’s Medication“, dass die Idee pharmakologisch gesehen keinen Sinn macht, da Lecithine im Verdauungstrakt lange abgebaut und verstoffwechselt würden, ehe sie in der Muttermilch landen könnten. Einige Studien zeigten da aber ein anderes Bild, die Fette in der Milch waren durchaus etwas verändert, wenn Mütter Lecithin einnahmen1.

Tatsächlich gibt es allerdings auch wirklich keine Studien, die die Wirkung belegen würden. Das heißt nicht automatisch, dass es nicht wirkt: Es ist praktisch und ethisch schwierig, Studien an Stillenden durchzuführen, sodass viele Mittel nie wirklich untersucht wurden.

Zusammenfassend muss man also sagen:

Ja, Lecithin kann helfen, einen Milchstau (und ggf. sogar eine Mastitis2) zu behandeln, zumindest wird es von Expertinnen immer wieder empfohlen. Aber nein, einen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt es nicht.

Lecithin kann nie die einzige Maßnahme bei Milchstau sein – wichtiger ist die Betrachtung der gesamten Situation und dass du herausfindet, woran genau es hakt. Dabei kann dir eine Stillberatung helfen, die wir – so ein Zufall! 😉 – auch online anbieten:
Hier geht’s zur Online-Stillberatung.

Sechs Muttermilchbeutel, mit Milch gefüllt, aufgereiht hintereinanderstehend.
Lecithin hat das Potential, bei einem Milchstau zu helfen. Wichtiger sind jedoch andere Maßnahmen – über die dich eine Stillberatung aufklären kann.
Foto: RaspberryStudio/shutterstock.com

Kann es einen Milchstau vorbeugen?

Besonders, wenn es immer wieder zu einem Milchstau kommt, wird Lecithin gerne empfohlen. Auch hier gibt es keinen Beweis dafür, dass das funktioniert.

Da wiederholte Milchstaus jedoch das Risiko einer Brustentzündung und auch des vorzeitigen Abstillens deutlich erhöhen und kein großes Risiko bei der Einnahme besteht (s.u.) solltest du es durchaus erwägen, um einen Milchstau vorzubeugen.

Und bei Milchbläschen?

Das ist etwas tricky, so als Frage.

Ein Milchbläschen ist nämlich ein kleines Häutchen, das die Öffnung eines Milchgangs auf der Brustwarze überwachsen kann. Keiner weiß so richtig, warum es entsteht, aber es hat auch nicht wirklich etwas mit dem Fett in der Milch zu tun – also ist es sehr unwahrscheinlich, dass Lecithin bei Milchbläschen wirken.

Trotzdem wird es immer wieder empfohlen – warum?

Weil die Begriffe „Milchbläschen“ und andere weiße Punkte auf der Brustwarze immer wieder durcheinander geworfen werden.

So kann ein Fettpfropf auf einem Ausführungsgang auf dem Nippel ganz ähnlich aussehen, wie ein Milchbläschen, ist aber etwas ganz anderes: Ein Fettpropf eben. Heutzutage wird so ein Fettpropf als Zeichen einer (beginnenden) Entzündung der Milchgänge angesehen. Hier kann also Lecithin tatsächlich ebenfalls wirken.

Bei einem echten Milchbläschen: Eher nicht.

Kann Lecithin die Milchbildung anregen?

Nein.

Wir haben selbst schon häufiger gehört (oder gelesen), dass Frauen Lecithin zur Steigerung der Milchbildung vorgeschlagen wird.

Dafür gibt es keinerlei Grundlage, also besprechen wir das gar nicht weiter 🙂

Dosis und Anwendungsform

Nun gut, Lecithin kann also bei Milchstau und wohl auch einer Mastitis helfen, besonders dann, wenn du immer wieder dazu neigst. Neben anderen wichtigen Tipps kann es also eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

Aber wie verwendest du es dann?

Sämtliche Empfehlungen hinsichtlich der Anwendungsform und Dosierung basieren auf Erfahrungswerten und nicht auf knallharten Studien. Da Nebenwirkungen sehr unwahrscheinlich sind (kommen wir gleich noch zu) und auch große Mengen vertragen werden, ist vor allem wichtig, nicht zu wenig zu nehmen, wenn man sich denn für die Anwendung entscheidet.

Egal, ob du Granulat, Kapseln oder flüssiges Lecithin anwendest, es ist wichtig, dass keine weiteren Stoffe in deinem Präparat enthalten sind und das Mittel hochwertig hergestellt wird.

Typische Dosis / Menge

Die empfohlene Dosis schwankt je nach Quelle zwischen etwa 1,2 Gramm (Still-Lexikon) und 4,8 Gramm (Mohrbacher) pro Tag, die offizielle, internationale Leitlinie zur Mastitis spricht aber sogar von 5-10 Gramm Sonnenblumen- oder Sojalecithin pro Tag.

Unser pragmatischer Tipp (angelehnt an Nancy Mohrbacher), wobei wir für Wirkung und Sicherheit naturgemäß nicht bürgen können, lautet so:

  • Starte mit 3-4 Kapseln Lecithin 1200 mg pro Tag, also insgesamt 3600-4800 mg täglich.
  • Wenn du in dieser Zeit keine weiteren Staus erlebst, reduziere die Dosis nach zwei Wochen um eine Kapsel.
  • Und dann nach zwei Wochen noch um weitere Kapsel.
  • Bekommst du wieder einen Milchstau, kannst du 1-2 Kapseln täglich über längere Zeit nehmen.
  • Falls du Nebenwirkungen bei dir oder deinem Kind bemerkst, hörst du natürlich sofort mit der Einnahme auf.
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  • PREMIUM QUALITÄT: Unsere Lecithin Kapseln zeichnen sich besonders durch ihren hohen und differenzierten Gehalt an Phosphatiden aus (Phosphatidylcholin, Phosphatidylethanolamin, Phosphatidylinositol, Phosphatidsäure).

Achtung: Das Produkt, das wir hier vorstellen ist offenbar nicht magensaftresistent, es ist also unklar, ob es in ausreichender Menge in der Muttermilch ankommt. Die einzige magensaftresistente Kapsel, die wir gefunden haben, ist leider derzeit nicht lieferbar (Stand: 8/2022, Produkt von Vitaby).

Sicherheit und Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von Lecithin kann es bei der Mutter zu einer Gewichtszunahme kommen (sind halt Fette), sowie zu Durchfall. Auch eine Überempfindlichkeit ist nicht ausgeschlossen. Über negative Auswirkungen oder gar Nebenwirkungen bei einem Stillkind ist nichts bekannt.

Fazit

Insgesamt scheint es sinnvoll zu sein, bei Milchstau und Mastitis, gerade wenn diese immer wieder auftreten, zusätzlich zu anderen wichtigen Maßnahmen auch auf Lecithin zu setzen.

Das dies hilft, ist nicht sicher, aber da auch kaum Gefahren von der Einnahme auszugehen scheinen (solange du dich an die empfohlenen Dosierungen hältst), ist Lecithin in der Stillzeit sicherlich einen Versuch wert.

Quellen

Mohrbacher, Breastfeeding Answers – A guide for helping families*, 2. Auflage 2020

Hale – Hale’s Medications & Mother’s Milk, Springer Publishing Company, 18. Auflage, 2019

Alle weiteren Quellen sind im Text verlinkt

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