Die Vormilch (=Das Kolostrum): Alles, was du wissen musst.

Die Vormilch, auch Kolostrum genannt, ist die erste Milch, die in deiner Brust gebildet wird, wenn du ein Kind erwartest.

Aber was ist der Unterschied zur Muttermilch? Wie sieht Vormilch aus? Ab wann wird die Vormilch gebildet? Solltest du das Kolostrum sammeln, wenn es in der Schwangerschaft schon auftritt?

All das erklären wir dir in diesem Artikel.

Los geht’s!

Vormilch für dein Baby

Lass es uns etwas flapsig ausdrucken:

Der Unterschied zwischen Vormilch und Muttermilch ist ungefähr der gleiche, wie zwischen Sekt und Champagner:

Beides sind irgendwie dasselbe und hervorragende Getränke, aber qualitativ ist der Champagner dann doch nochmal deutlich besser.

Links: Kolostrum vom 2. Lebenstag. Rechts: Muttermilch aus der 4. Lebenswoche.
Der farbliche Übergang von gelb zu weißlich muss nicht bei jeder Mama so ausgeprägt sein. Reife Muttermilch hat oft auch einen grünlichen oder bläulichen Teint.

So ist es auch mit der Vormilch:

Das Stillen mit Muttermilch ist die beste Ernährung für dein Kind, aber in den ersten Tagen ist sie, in Form von Kolostrum, besonders hochwertig.

Kolostrum

  • … enthält besonders viele Immunstoffe (für die Immunabwehr), zum Beispiel Laktoferrin, weiße Blutkörperchen, IgA
  • … beinhaltet reichlich Wachstumsfaktoren
  • … hat mehr Natrium und Chlorid als „reife“ Muttermilch
  • … weist weniger Fett und Laktose (Milchzucker) auf als reife Milch
  • … hilft durch seinen abführenden Effekt, das Mekonium (Kindspech) auszuscheiden

Die wichtigste Rolle spielt die Vormilch beim Aufbau des Immunsystems deines Kindes.

Sie schützt durch die enthaltenen Antikörper direkt vor Infektionen (vor allem jenen, die über die Schleimhäute kommen, also zum Beispiel Durchfallerreger etc.) und hilft dabei, die Abwehrkräfte aufzubauen.

Durch ihre spezielle Zusammensetzung ist die Vormilch für Babys besonders gut verdaulich.

Zwar nimmt dein Baby sie nur in sehr geringen Mengen zu sich, ehe die „reife“ Milch während des Milcheinschuss das Ruder übernimmt.

Sie ist jedoch besonders wichtig für die gesunde Entwicklung deines Babys und es sollte gute Gründe geben, wenn sie ihm vorenthalten wird.

Übrigens: Die Vormilch solltest du nicht mit der Vordermilch verwechseln. Vormilch ist das Kolostrum, also die Milch der ersten Tage. Vordermilch ist die Milch, die in deiner Brust später nah an der Brustwarze sitzt – anders als die fettreichere Hintermilch, die tief in der Brust gerade aus den milchbildenden Zellen gebildet wurde.

Ab wann kannst du mit der Vormilch rechnen?

Ab wann kommt Vormilch aus der Brust?

Das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Zwar beginnt die Vergrößerung der Brüste und die eigentliche Milchbildung durch das Zusammenspiel der Stillhormone schon früh in der Schwangerschaft.

Dass das Kolostrum sich jedoch aus der Brust ausstreichen lässt oder gar von selber fließt, ist meist deutlich später der Fall.

Aussehen der Vormilch: Die Farbe der Vormilch um die Geburt ist in der Regel gelb oder gelblich, manchmal auch etwas orange. Sie wirkt deutlich „dickflüssiger“ als die spätere Muttermilch. In früheren Wochen der Schwangerschaft kann Vormilch aber auch eher durchsichtig oder wässrig wirken.

Übergangsmilch

Nach der Geburt wird die Vormilch einige Tage lang gelblich sein, ehe sie in die weißlichere Muttermilch übergeht.

Die Phase zwischen diesen beiden Milch“arten“ nennt man Übergangsmilch, wobei das keine eigene spezielle Milchform ist, sondern eben einfach eine Übergangsform aus beiden.

Von Übergangsmilch spricht man etwa bis zum Beginn der 3. Lebenswoche (also nach 14 Tagen), ehe dann die „reife“ Muttermilch gebildet wird.

Übergangsmilch ist nicht klar definiert. Sie stellt ganz einfach den Übergang vom Kolostrum zur reifen Muttermilch dar. Auf dieser Bilderreihe kann man den Farbverlauf sehr gut erkennen.
Dieses Bild, “From Colostrum to Breast Milk – 4241” von Amada44, ist gemeinfrei lizenziert unter CC BY-SA 3.0, durch uns modifiziert

Vormilch in der Schwangerschaft

Es ist völlig normal, dass Vormilch auch schon in der Schwangerschaft lange vor Geburt auftritt und unter Umständen kleine gelbe oder orange Flecken in deinem BH hinterlässt.

Dein Körper bereitet sich darauf vor, reichlich Milch zu produzieren, und die Zellen, die dafür zuständig sind, werden in hoher Zahl in den Brustdrüsen gebildet.

Dass es noch nicht „richtig losgeht“, liegt nur daran, dass das Progesteron, das aus der Plazenta stammt, die eigentliche Milchbildung noch verhindert.

Mit der Geburt der Plazenta fällt der Progesteron-Spiegel ab, sodass dann die Vormilch über die Übergangsmilch zur reifen Muttermilch werden kann.

Das Prolaktin, das milchbildende Hormon, ist trotzdem schon aktiv und bereitet die Brust auf das Stillen vor – selbst dann, wenn dein Kind deutlich zu früh kommen sollte. In der Schwangerschaft ist Vormilch also ein gutes Zeichen!

Ist die Vormilch ein Anzeichen für die bevorstehende Geburt?

Wie du vielleicht weißt, gibt es eine Reihe von mehr oder weniger sicheren Anzeichen, die zeigen, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht.

Der Austritt von Kolostrum kann so ein Zeichen sein – muss aber nicht. Tatsächlich hängt sowohl der Milchaustritt, als auch die Geburt, mit dem gleichen Hormon eng zusammen: Dem Oxytocin.

An der Brust sorgt Oxytocin für den Milchspendereflex, an der Gebärmutter für die Wehen. Jedoch kann der Milchspendereflex auch einfach durch Stimulation der Brust ausgelöst werden, die Wehen hängen eng mit der Anzahl der Oxytocin-Rezeptoren in der Gebärmutter zusammen.

Vormilch als Geburtsanzeichen – wie bei fast allen Anzeichen kann man nur sagen:

Kann sein – aber am Ende weiß man es dann doch nicht so genau, ob es bald losgeht 🙂

Kolostrum sammeln

Die „präpartale Kolostrumgewinnung“ (also das Sammeln von Vormilch vor der Geburt) wird in folgenden Situationen manchmal empfohlen:

  • Bei Schwangerschaftsdiabetes: Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes (oder anderen Formen von Diabetes) bekommen später den Milcheinschuss, gleichzeitig neigen ihre Säuglinge aber zur Unterzuckerung. Da ist es hilfreich, wenn direkt nach der Geburt Kolostrum gegeben wird, da auch wenige Milliliter Vormilch den Blutzucker konstant halten können
  • Kindliche Probleme: Wenn dein Kind Probleme kriegen wird, an der Brust zu trinken (zum Beispiel wegen einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte o. ä., die oft schon vor der Geburt diagnostiziert wird).
  • Bei bevorstehendem Kaiserschnitt: Wenn du schon weißt, dass dein Baby per Kaiserschnitt zur Welt kommt, macht es unter Umständen ebenfalls Sinn, bereits vor der Geburt Kolostrum zu gewinnen. Vielleicht bist du unmittelbar nach der Geburt eine Weile vom Baby getrennt, außerdem kann der Milcheinschuss nach einem Kaiserschnitt später auftreten.

All diese Dinge solltest du am besten schon deutlich vor der Geburt mit deiner Geburtsklinik besprechen, damit schon klar ist, wo die Klinik deine Vormilch lagern kann, etc.

Kolostrum Spritze: Mit ihrer Hilfe können kleinste Mengen Vormilch aufgefangen und verfüttert werden.
Eine Kolostrum-Spritze

Um Kolostrum aufzufangen, werden meistens diese 1 Milliliter-Spritzen genutzt, die direkt in den Kühlschrank gestellt oder sogar eingefroren werden können. 0,3 Milliliter sieht nach wenig aus – aber tatsächlich zählt „jeder Tropfen“, wenn es um die Vormilch geht. Derartige Spritzen bekommst du zum Beispiel hier*:

Spritzen 50x 1ml verschiedene Mengen 10, 20, 50, 100 Stück - Dosierspritzen
  • INHALT: 50x 1 ml: Kunststoffspritze aus PET mit aufgedruckter Skala sowie transparentem Zylinder, latexfrei und silikonfrei, steril in Blisterverpackung.
  • MEHRFACH VERWENDBAR: einfach abwaschbar. Ideal zum Dosieren oder mischen von E-Liquids, Basen und Aromen für E-Zigaretten, E-Shisha Verdampfern. Mit den Spritzen lassen sich Liquids, Base perfekt und exakt dosieren.

Eine andere sehr interessante Möglichkeit, Kolostrum aufzufangen, sind diese speziellen Spritzen der Firma Haakaa*:

haakaa 6 Stück Silikon Colostrum-Sammler, 4 ML Auffangbehälter für Muttermilch, mit Aufbewahrungskoffer und Wiederverwendbares Baumwolltuch, Gesund und Harmlos
  • 𝐕𝐨𝐫𝐭𝐞𝐢𝐥𝐞 𝐯𝐨𝐧 𝐂𝐨𝐥𝐨𝐬𝐭𝐫𝐮𝐦: Unglaublich nährstoffdicht, enthält einen hohen Gehalt an Antikörpern zur Bekämpfung von Krankheitserregern.
  • 𝐇𝐨𝐜𝐡𝐰𝐞𝐫𝐭𝐢𝐠𝐞𝐬 𝐒𝐢𝐥𝐢𝐤𝐨𝐧: Aus 100% weichem, hochwertigem Silikon, BPA, PVC- und phthalatfrei, ungiftig und sicher für Neugeborene.

Vor der Geburt und unmittelbar nach der Geburt können unter Umständen auch nur einzelne Tropfen ausgestrichen werden. Das Kolostrum aus der Spritze kann zum Beispiel mittels Finger-Feeding gefüttert werden.

Ab wann solltest du Kolostrum sammeln?

Stillen hilft durch die Ausschüttung von Oxytocin dabei, dass die Gebärmutter sich nach der Geburt schneller zurückbildet.

Deshalb liegt es nahe zu fürchten, dass auch die Kolostrumgewinnung vor der Geburt einen Einfluss auf die Gebärmutter haben kann.

In der Regel sollte es sicher sein, jeden Tag ein paar Minuten Vormilch auszustreichen. Mindestens aber wenn du andere Risikofaktoren für eine Frühgeburt aufweist, oder wenn du beim Ausstreichen Krämpfe im Unterleib oder sonstige auffällige Symptome hast, solltest du davon Abstand nehmen.

Ehe du beginnst, vor der Geburt Kolostrum zu sammeln, sprich mit deiner Gynäkologin, Hebamme oder Stillberaterin. Bei normalen Schwangerschaftsverläufen ist es in der Regel nicht nötig, generell jedoch besser nicht in Eigenregie damit beginnen!

Kolostrum ausstreichen

Ob du Vormilch schon in der Schwangerschaft „ausdrücken“ willst, oder erst nach der Geburt: Kolostrum gewinnen klappt am Besten, wenn du es ausstreichst. Die Vormilch abzupumpen funktioniert leider nicht besonders gut, außerdem bleiben von den wenigen Millilitern auch noch Anteile im Pumpsystem zurück.

Wir haben dir eine ausführliche Anleitung zum Brust ausstreichen gebastelt, hier aber eine Zusammenfassung, wie du am Besten vorgehst.

1. Hände sorgfältig mit Seife waschen: Selbsterklärend, spätestens seit Corona braucht es dafür wohl keine ausführliche Anleitung mehr 😊

2. Behälter bereitlegen: Zum Auffangen von Vormilch eignet sich am Besten eine Spritze: Es gibt extra Kolostrum-Sets, die eine lila 1-Milliliter-Spritze mit einem dünnen Schlauch verbinden, es tut aber auch jede andere 1-Milliliter-Spritze*. Die gefüllten Spritzen lassen sich vor der Geburt problemlos einfrieren und dann (z. B. in einer Kühlbox) mit auf die Geburtsstation nehmen.

3. In Ruhe mit einer Brustmassage starten: Bei der Brustmassage geht es darum, die Brust zu lockern und zu wärmen, die Durchblutung zu fördern und somit den Milchfluss zu erleichtern, ggf. auch um den Milchspendereflex auszulösen. Die am häufigsten angewendeten Verfahren sind die nach Plata Rueda und die nach Marmet. Es kann hilfreich sein, vor der Brustmassage einen warmen, feuchten Waschlappen auf die Brust zu legen.

4. Die Brust ausstreichen: Vielleicht reicht es schon, wenn du sanft mit dem Finger von außen Richtung Brustwarze streichst. Ansonsten nimmst du die Brust im C-Griff, drückst sie dann an deinen Körper heran und rollst dann leicht mit dem Daumen und Zeigefinger Richtung Brustwarze.

Genauso kannst du es mit der „Press“, „Compress“, „Release“-Methode versuchen, die wir dir im Artikel Brust ausstreichen vorgestellt haben.

5. Cool bleiben: Es ist gut möglich, dass du beim ersten Versuch kein Kolostrum gewinnen kannst. Macht nichts – die Menge in deiner Brust ist noch sehr gering und es braucht auch etwas Übung. Versuch es einfach am nächsten Tag nochmal. Vielleicht kommt dann erst ein Tropfen, und dann irgendwann zwei, und dann drei …

Fazit

Fassen wir das Wichtigste nochmal zusammen:

  • Kolostrum ist die „Vormilch“, die schon in der Schwangerschaft gebildet wird. Sie ist die ideale Nahrung für dein Kind in den ersten Lebenstagen.
  • Die Vormilch sorgt für Immunschutz, ist leicht verdaulich, enthält viele Wachstumfaktoren und hilft, das Mekonium möglichst rasch auszuscheiden.
  • Manchmal wird die vor der Geburt austretende Vormilch als Zeichen der nahenden Geburt angesehen.
  • Die Vormilch kann schon während der Schwangerschaft gesammelt werden, zum Beispiel mit Kolostrum-Spritzen. Das ist sinnvoll, wenn dein Kind ein erhöhtes Risiko hat, in den ersten Tagen nicht ausreichend an der Brust trinken zu können.
  • Wenn du von Anfang richtig stillen willst, solltest du dir am Besten schon vor der Geburt vornehmen, dass dein Baby möglichst viel Kolostrum bekommt.

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