Stillfreundlich zufüttern: 5 Methoden, die du kennen solltest

Nicht immer kann der Wunsch erfüllt werden, ein Baby ausschließlich zu stillen. Dann muss, zumindest vorübergehend, „zugefüttert“ werden.

Leider gewöhnen sich Babys oft sehr schnell an die Flasche: Das Stillfreundliche zufüttern kann helfen, dein Baby nach so einer kurzen Phase schnell wieder an die Brust zu bekommen.

Eine Mutter füttert ihr Baby mit Milch aus einer Flasche, dies kann nicht als stillfreundliches Zufüttern bezeichnet werden.
Beim stillfreundlichen Zufüttern geht es darum, die Flasche zu vermeiden, um das Stillen nicht zu gefährden.
Foto: Odua images / shutterstock.com

Warum das wichtig ist und wie es geht lernst du in diesem Artikel.

Los geht’s!

Was heißt überhaupt zufüttern?

Zufüttern bedeutet einfach gesagt, dass du zusätzlich zur Muttermilch aus der Brust noch auf andere Weise Milch verabreichst. Woran dabei fast jeder automatisch als erstes denkt: An eine künstliche Ersatznahrung aus der Flasche.

Das muss aber überhaupt nicht sein. Folgende zwei Dinge sind wichtig:

  • Zufüttern bedeutet nicht automatisch, dass aus der Flasche gefüttert werden muss
  • Zufüttern bedeutet nicht automatisch, dass keine Muttermilch gefüttert werden kann

Auch Muttermilch kann zugefüttert werden

Das Stillen hat viele Vorteile, die besonders dann gefördert werden, wenn dein Baby direkt aus der Brust trinkt. Dazu gehört zum Beispiel der Austausch von Bakterien, der nur im direkten Brustkontakt problemlos funktioniert und bei der Immunabwehr hilft.

Die zweitbeste Möglichkeit der Babyernährung ist jedoch, trotzdem Muttermilch zu füttern, nur eben nicht direkt aus der Brust. Muttermilch kann abgepumpt oder ausgestrichen werden, um sie dann auf andere Art und Weise zu füttern – bzw. zuzufüttern.

Es muss nicht immer die Flasche sein

Die abgepumpte Milch muss dann nicht zwangsläufig aus der Flasche gefüttert werden. Das ist zwar die bequemste, gleichzeitig wohl auch die am häufigsten angewendete Form des Zufütterns.

Allerdings droht beim Zufüttern mit der Flasche eine sogenannte „Saugverwirrung„, die den Stillerfolg nachhaltig gefährdet.

Es ist für dein Baby nämlich viel einfacher, aus der Flasche zu trinken: Die Milch läuft ohne viel Anstrengung einfach hinaus, und zwar sofort. Beim Trinken an der Brust muss dein Baby sich etwas anstrengend und erst den Milchspendereflex abwarten, ehe die Milch fließt.

Von der Flasche wieder zur Brust zurückzuwechseln ist für viele Babys daher schwierig und lästig. Sie regen sich auf, schreien die Brust an – und kriegen vor lauter verständlichem elterlichem Frust die nächste Flasche.

Damit es dazu nicht kommt, gibt es eben einige Methoden: Die des stillfreundlichen Zufütterns. Diese Methoden stellen wir dir jetzt vor.

Stillfreundlich zufüttern: Die Methoden

Du hast also Pre-Nahrung oder abgepumpte Muttermilch zur Hand und willst diese möglichst stillfreundlich zufüttern. Wie geht das? Die folgenden Methoden stehen zur Auswahl:

  • Löffelfütterung
  • Fütterung mit Spritze
  • Becherfütterung
  • Fingerfeeding
  • Zufüttern an der Brust

Löffelfütterung

Ein Baby erhält Muttermilch mit einem Löffel.
Die Fütterung mit dem Löffel ist etwas langwierig, aber sehr stillfreundlich.
Foto: Yangguza / shutterstock.com

Gerade am Anfang, wenn noch wenig Milch bzw. nur Vormilch da ist, eignet sich die Fütterung mit dem Löffel. Die Milch kann (am Besten mit Hilfe einer dritten Person) direkt auf den Löffel ausgestrichen werden, um sie dann dem Baby in den Mund zu träufeln. 

Das Baby sollte dabei (wie auf dem Foto) gut eingewickelt und in einer leicht zurückgelehnten Position sein. Viele Babys finden das außerordentlich gut und fangen an, den Löffel wie wild (und niedlich! :-)) abzulecken.

Größere Mengen würden natürlich nur schwierig zu füttern sein, sodass man sich, sobald mehr Milch fließt, eher auf die Spritzen- oder Becherfütterung konzentrieren sollte.

Zufüttern mit der Spritze

Ein Baby wird mit Muttermilch aus einer Spritze stillfreundlich zugefüttert.
Stillfreundlich zufüttern mit der Spritze
Foto: Arkom Suvarnasiti / shutterstock.com

Mithilfe einer Spritze kannst du genauso gezielt vorne am Mund zufüttern, wie mit dem Löffel. Jedoch kann eine Spritze mehr Milch halten, ohne dass du zwischendurch den Löffel wieder neu befüllen musst.

Es gibt Spritzen zur Zufütterung ohne speziellen Aufsatz, oder es gibt sie mit einer kleinen Silikontülle oben drauf, die noch dünner ist und die man auch „Fingerfeeder“ nennt. Diesen stellen wir weiter unten genauer vor.

Hier kann die fütternde Person die Geschwindigkeit regulieren, gleichzeitig darf das Baby am Spritzenaufsatz lustig rumlecken.

Becherfütterung

Ein Baby erhält Milch aus einem Glasbecher.
Die Fütterung mit Becher sättigt auch größere Kinder
Foto: happybas / shutterstock.com

Mit einem Becher lässt sich mit einiger Übung problemlos ein Kind satt bekommen. 

Größere Mengen sind kein Problem und es muss auch nicht unbedingt ein Medizinprodukt sein: Jede Art von Becher ohne scharfe Kanten eignet sich, solange sich der Becher nicht durch ein bisschen Milch oder Speichel zu Matsch auflöst (so wie manche Pappbecher). 

Hier muss man natürlich vorsichtig sein, nicht zu viel auf einmal in das Kind hineinzuschütten, eher geht es darum, dass das Baby auch hier die Milch aus dem Becher herausleckt.

Es gibt spezielle Produkte verschiedener Firmen, die das Bechern imitieren und einige Aspekte noch einfacher machen wollen. Zum Beispiel den „SoftCup“, aus dem die übertragene Milchmenge etwas besser reguliert werden kann.

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Fingerfeeding / Fingerfütterung

Das Fingerfeeding ist im Prinzip schon keine gänzlich stillfreundliche Zufütterungsmethode mehr, aber immer noch der Flaschenfütterung vorzuziehen.

Es ist auch eher dann anzuwenden, wenn das Kind noch saugen lernen bzw. Muskelkraft aufbauen muss, oder für schläfrige Kinder, die einen starken Saugstimulus brauchen. Es wird weniger eingesetzt, wenn aus mütterlichem Grund zugefüttert werden soll. 

Ein Baby wird mithilfe einer Spritze und eines Fingers beim sogenannten "Fingerfeeding" gefüttert.
Viele Stillberaterinnen vermuten, dass auch das Nuckeln am Finger zu einer Saugverwirrung führen kann. Dafür gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege.
Foto: Beneda Miroslav / shutterstock.com

Das Saugen am Finger kann potentiell zu einer Saugverwirrung führen, weil die Kinder etwas andere Saugabläufe einüben, als sie bräuchten, um aus der Brust zu trinken. Deshalb sollte das Fingerfeeding möglichst kurz durchgeführt werden. Ideal wäre es, wenn du nach kurzem „Ansaugen“ an die Brust wechselst.

Praktisch läuft das Fingerfeeding mit einem Fingerfeeder ab, wie oben vorgestellt: Eine kleine Spritze mit Silikonaufsatz, durch die die Milch gedrückt wird, während das Kind am Finger der Fütternden saugt. Alternativ kann auch eine Sonde am Finger angebracht werden. Lies hier mehr zum Fingerfeeding.

Stillfreundlich zufüttern an der Brust

Schließlich ist es auch möglich, ein Baby an der Brust zuzufüttern. Dafür verwendet man entweder einen Fingerfeeder, oder spezielle Sonden (selbstgebastelt aus zum Beispiel einer Magensonde und einer höher hängenden Spritze oder das „Brusternährungsset“ von Medela). 

Das Kind darf dabei ganz normal an der Brust saugen, gleichzeitig erhält es aber zuvor abgepumpte Milch oder Prenahrung aus der Spritze, und zwar ohne sich dasfür besonders anstrengen zu müssen.

Dies kann Kinder, die noch Probleme beim Saugen haben oder die nicht genug Milch aus der Brust bekommen, trotzdem mit einem wohligen Gefühl der Sättigung belohnen, sodass sie auch die Brust direkt positiv mit der Nahrungsaufnahme verknüpfen.

Gleichzeitig entlastet die kürzere „Nuckelzeit“ wunde Brustwarzen. Und auch ältere Babys, die wieder an die Brust gewöhnt werden sollen (z. B. nach einer Saugverwirrung) profitieren davon, dass an der Brust wieder einfacher und mehr Milch kommt.

Die Illustration einer Mutter, die ihr Baby im Wiegegriff hält und stillt, unterstützt von einem Brusternährungsset.
Illustration einer Mutter, die ihr Kind an der Brust zufüttert.
Illustration: Ken Tackett / shutterstock.com
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  • Das Medela Brusternährungsset unterstützt Mütter mit schwacher Milchproduktion beim Stillen - so wird dem Baby weitere Nahrung zugeführt, während das Saugen die Milchbildung der Mutter stimuliert
  • Natürliches Saugverhalten: Das Baby muss ein Vakuum erzeugen, um den Milchfluss zu starten und kann so sein natürliches Saugverhalten beibehalten

Abschließende Worte

Im Idealfall musst du keine dieser Methoden kennen, weil das ausschließliche Stillen an der Brust (vielleicht mit etwas Hilfe) problemlos funktioniert.

Wenn du allerdings, aus welchen Gründen auch immer, zufüttern musst, ist es gut, wenn du von diesen Möglichkeiten bereits einmal gehört hast. Du musst sie nicht selbst perfekt anwenden können, aber du weißt schonmal, dass es sie gibt und dass sie nachweislich helfen, eine Saugverwirrung zu vermeiden.

Wenn du also, entweder noch in der Klinik oder schon zuhause, vor der Situation stehst, zufüttern zu müssen, dann solltest du deine betreuende Wochenbettpflegerin oder Hebamme unbedingt fragen, ob sie dir bei diesen stillfreundlichen Zufütterungsmethoden helfen kann.

Einfach nur die Flasche, womöglich gar mit Industrienahrung anzubieten, sollte heutzutage im Normalfall eigentlich nicht mehr vorkommen.

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