Zwillinge stillen – 20 Tipps aus der Stillberatung

Du erwartest Zwillinge oder hast sogar schon welche zur Welt gebracht? Herzlichen Glückwunsch! Und toll, dass du deine Zwillinge stillen möchtest. Wir helfen dir mit 20 Tipps, möglichst stressfrei durch eine möglichst lange Stillzeit zu kommen.

Eine Frau stillt kurz nach der Geburt ihre neugeborenen Zwillinge in Rückenlage, sie sind dabei unter einer Decke geschützt aber ohne Kleidung auf ihrem Bauch.
Zwillinge stillen kann eine Herausforderung sein – ist aber genauso möglich wie das Stillen eines Kindes.
Foto von Galileo30 / shutterstock.com

Los geht’s!

Zwillinge stillen – Geht das überhaupt?

Ja, das geht natürlich. Zum Glück!

In Deutschland wie in der gesamten westlichen Welt kommen immer mehr Zwillinge und noch „höherzählige“ Mehrlinge zu Welt.

Das liegt einerseits daran, dass viele Frauen heute älter sind, wenn sie ein Kind kriegen (die Chance für Zwillinge erhöht sich ab 30), außerdem an den vielen Kinderwunschbehandlungen.

Mütter von Zwillingen wollen genauso gerne stillen, wie Mütter von Einlingen. Da Zwillinge, zumindest statistisch gesehen (es muss nicht auf deine Zwillinge zutreffen) ein etwas höheres Risiko für Probleme und Problemchen haben – oft aufgrund einer zu frühen Geburt – klappt leider das Stillen oft nicht so gut, wie gewünscht.

Der häufigste Grund zum vorzeitigen Abstillen von Zwillingen ist übrigens das Gefühl, zu wenig Milch zu haben. Dabei können Mamas von Zwillingen in der Regel genug Milch produzieren, auch wenn es dafür manchmal Unterstützung braucht.

So gibt es Berichte von Müttern, die Vierlinge, Fünflinge oder sogar siamesische Zwillinge problemlos stillen können. In einem Fallbericht von 1907 konnte eine Amme sogar 2,8 Liter am Tag geben.

Die meisten Mütter von Mehrlingen können ohne Weiteres genug Milch für noch mehr Kinder produzieren. Leider klappt das nicht immer, weil auf dem Weg von der Geburt bis zum (geplanten) Abstillen irgendetwas schief läuft. Damit möglichst wenig schief läuft, starten wir jetzt mit den Tipps 🙂

Am Anfang kannst du dich überwältigt fühlen

Sind wir ganz ehrlich: Die meisten Mütter von Einlingen fühlen sich am Anfang überwältigt, besonders beim ersten Kind.

Zwillingsmama (oder Papa) zu sein ist eine große Herausforderung und das Stillen ist nur eines von vielen wichtigen „Projekten“, die euch erwarten. Und die Vorstellung, nun nicht nur 6-8 Mal, sondern eher 12-16 Mal (oder noch öfter) pro Tag stillen zu müssen, kann für viele Mamas einen ganz schön großen Druck bedeuten.

Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, den Druck etwas zu senken. So musst du nicht zwangsläufig 16 Mal stillen, wenn jedes Baby 8 Mal am Tag an die Brust will, du kannst zum Beispiel auch gleichzeitig stillen (siehe unten).

Viele Mamas berichten, dass das Stillen der Zwillinge entgegen ihrer Erwartung eine Möglichkeit war, Stress abzubauen, eine Art „beruhigendes Element in den Tag einzubauen vom ansonsten hektischen Leben“ (Judith Lauwers). Es kann auch deutlich mehr Spaß machen, nachts einfach die Brust (oder Brüste) auszupacken, als in der Küche zu stehen und Formulanahrung anzurühren, während die Zwillinge schreien.

Also:

Kann sein, dass du dich derzeit überwältigt fühlst. Aber viele, viele Mamas haben schon geschafft, was du schaffen möchtest und selbst wenn es nicht 100% so klappt, wie du es dir vorstellst, ist das auch völlig in Ordnung (siehe auch dazu unten mehr).

Eine Mutter liegt erschöpft auf dem Rücken und stillt ihre beiden älteren Zwillinge gleichzeitig.
Zwillinge stillen kann sich überwältigend anfühlen, mit etwas Routine kann es aber genauso gut und lange gehen, wie bei einem einzigen Kind.
Foto: Vitalinka / shutterstock.com

Bereite dich vor

Viele frischgebackene Mamas sind überrascht davon, dass das Stillen kein Selbstläufer ist. Es ist wichtig, sich auf die Geburt vorzubereiten und es ist wichtig, Wochenbettgymnastik zu betreiben. Und es ist völlig folgerichtig, dass dafür Kurse belegt werden.

Stillvorbereitungskurse sind ein ziemlich neues Phänomen, erfüllen aber einen wichtigen Effekt: Sie helfen dir, dass du in den ersten zwei Wochen nach der Geburt Probleme vermeiden kannst, die den Stillerfolg gefährden.

In den ersten Tagen nach der Geburt werden die Weichen für die ganze Stillzeit gelegt. Fast alle Mütter in Deutschland wollen stillen, aber für einen riesigen Teil bedeuten kleinere oder größere Hindernisse das vorzeitige, ungewollte Aus. Das muss zum Glück nicht sein, denn es gibt immer mehr Unterstützung auch durch spezialisierte Stillberaterinnen, die sich auch komplizierteren Problemen annehmen.

Aber sich schon vor der Geburt vorzubereiten, hilft enorm, gar nicht erst Probleme zu bekommen.

Jetzt kommt hier natürlich die Eigenwerbung ;-): Unser Stillvorbereitungskurs beschäftigt sich nicht explizit mit Zwillingen, hilft dir aber trotzdem zu verstehen, warum die ersten Tage so wichtig ist und gibt dir einen Überblick über alle häufigen Probleme der Stillzeit.

Sprich schon vorher mit der Geburtsklinik

In den meisten Geburtskliniken wirst du vor der Geburt zu mindestens einem Planungstermin eingeladen.

Hier werden nicht nur deine Vorgeschichte abgefragt und Untersuchungen gemacht, sondern auch deine Wünsche erhoben – wie würdest du gerne entbinden, wer soll dabei sein, und so weiter.

Hier kannst du unbedingt auch schon deinen Wunsch zu stillen äußern. Informiere dich, wie die Wochenbettstation mit Stillexpertinnen „ausgestattet“ ist, ob dort IBCLCs arbeiten und inwiefern Frauen dort nach der Geburt hinsichtlich des Stillens unterstützt werden – gerade auch, wenn sie Zwillinge erwarten.

Still früh nach der Geburt

Die erste Stunde nach der Geburt wird auch als „Goldene Stunde“ bezeichnet.

Durch den frühen Haut-an-Haut-Kontakt mit deinen Babys, dem „Bonden“, stabilisieren sich deine Kinder, kommen in der Welt an.

Ihr nehmt einander erstmals außerhalb des Bauches wahr, und das ist nicht nur etwas esoterisches: Es gibt handfeste Studien, die gezeigt haben, wie sich die Bindung zwischen Mutter und Kind(ern) bessert, wenn sie nach der Geburt möglichst rasch gekuschelt haben und Neugeborene auf vielerlei Weise sogar gesünder sind, als wenn nicht gekuschelt wird.

Und auch auf das Stillen hat das Bonden einen Einfluss. Wer bondet, stillt früher, und wer früh stillt (innerhalb der ersten zwei, besser noch innerhalb der ersten Stunde), hat später weniger Probleme mit der Milchmenge und die Stillzeit ist durchschnittlich länger und unkomplizierter.

Versuche also – wenn nichts dagegen spricht – innerhalb der ersten Stunde beide Babys einmal an der Brust saugen zu lassen. Fordere das auch aktiv ein, falls die Hebamme und Kolleginnen selbst nicht dran denken und lass dir dabei auf jeden Fall helfen.

Streich aus (auch wenn du pumpen solltest)

Falls du nicht sofort stillen kannst (zum Beispiel weil eines der Babys auf der Neugeborenenstation ist), dann lass dir dabei helfen, möglichst in den ersten Stunden nach der Geburt die Brust auszustreichen.

Nicht nur kann dein Baby dann einige Tropfen Vormilch bekommen, es fördert auch die Milchbildung und den Milcheinschuss.

Viele Mütter von Zwillingen wissen früh, dass sie auch Milch abpumpen wollen, um entweder die Milchbildung anzuregen, oder um beide Babys möglichst auch mit der Flasche füttern zu wollen.

Falls du auch pumpen wirst, versuche das sogenannte „hands-on-pumping“ durchzuführen, bei dem du zusätzlich zur Arbeit der Pumpe die Brust massierst und ausstreichst. Dies fördert bis zu 50% mehr Milch1.

Da du beim Pumpen ein Doppelpumpset für die Zeitersparnis nutzen solltest, bietet sich ein Pump-BH an, in den die Flaschen eingehangen werden können.

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(Dieser BH eignet sich übrigens auch für die Pumpen anderer Hersteller ;-)).

Körperkontakt, Körperkontakt

Körperkontakt, Körperkontakt, Körperkontakt!

Wir können es nicht oft genug sagen 🙂

Körperkontakt ist wichtig, nicht nur um mit deinen Zwillingen weiter zu bonden und sich immer mehr in sie zu verlieben. Körperkontakt fördert außerdem die Milchbildung.

Besonders gut ist es, wenn sich dabei kein Stoff zwischen euch befindet.

Still nach Bedarf

Manche Hebammen empfehlen auch heute noch, dass Zwillinge nach Zeitplan gestillt werden sollten, weil es sonst zu kompliziert würde.

Das ist nicht wahr.

Stattdessen gilt auch bei Zwillingen: Still nach Bedarf. Nach Bedarf zu stillen heißt, dass du dein Baby immer dann anlegst, wenn es an die Brust möchte.

Babys sorgen selbst für ihr Milchangebot. Stillen sie oft, ist die Brust deshalb oft leer, wird in Zukunft mehr Milch produziert. Stillen sie selten, ist die Brust voll, ist das für deinen Körper das Signal, dass in Zukunft weniger Milch benötigt wird.

Deine Babys nach Bedarf zu stillen ist das mit Abstand beste Rezept dafür, die gesamte Stillzeit lang ausreichend Milch zu haben.

Gleichzeitig oder einzeln stillen?

Du wirst vor der Frage stehen, ob du deine Zwillinge nacheinander oder parallel stillen sollst. Beide immer gleichzeitig zu stillen bringt natürlich einen großen Zeitvorteil mit sich, du stillst dann nur noch oft und lange, als hättest du nur ein Kind.

Andererseits hat auch das einzelne Stillen seine Vorteile. Gerade am Anfang kannst du das „alleine“ machen, wenn du zwei kleine Neugeborene gleichzeitig stillst, brauchst du in der Regel jemanden der dir hilft, die Kinder zu positionieren und ggf. auch ihre Köpfe zu halten.

Außerdem kannst du deine Kinder getrennt betrachten und kennenlernen, wenn du sie nicht synchron stillst. Denn auch Zwillinge sind natürlich Individuen, zu denen du eine spezielle Beziehung aufbauen möchtest.

Praktisch ist es, am Anfang nach Bedarf zu stillen. Die Kinder werden oft gleichzeitig wach und hungrig werden, oft genug aber auch getrennt voneinander.

Ob du dann fortan eher gleichzeitig oder eher getrennt stillst, ergibt sich nach einer Weile von selbst.

Zeitgleich zu stillen ist etwas schwieriger zu lernen, du solltest dir dabei helfen lassen (wir haben gleich ein paar Vorschläge für mögliche Stillpositionen). Wenn du es aber erstmal geübt hast und deine Kinder etwas größer werden, wird auch das einfacher.

Stillpositionen für Zwillinge

Wenn du einzeln stillst, musst du dir keine Gedanken über spezielle Stillpositionen für Zwillinge machen. Dann kannst du dich an die ganz „normalen“ Positionen halten, die wir dir in einem separaten Artikel ausführlich vorstellen.

Willst du deine Babys gemeinsam stillen, wird es schon etwas komplizierter. Wir stellen dir zwei Zwillingspositionen vor, die auch für den Anfang gut geeignet sind. Wie gesagt musst du dir trotzdem dabei helfen lassen, aber das eher nur in den ersten Tagen oder Wochen.

In der Football-Position

Entsprechend der „normalen“ Football-Position bei einem Einling kannst du auch bei Zwillingen diese auch „Rückengriff“ genannte Position wählen.

Illustration einer Mutter, die ihre Zwillinge auf einem Zwillingsstillkissen im Football-Griff stillt. Dabei liegen die Kinder seitlich von ihr auf einem Kissen und kommen quasi "von hinten" an die Brust heran.
Hier hast du beide Babys gut im Blick und eine angenehme Kontrolle über ihre Lage dank des Stillkissens.

Diese Stillposition erlaubt nicht nur eine sehr gute Sicht auf das Stillen an sich, zudem ist sie auch gut geeignet nach Kaiserschnitt, weil die Babys nicht auf deiner Wunde am Bauch liegen.

Weil du eine gute Kontrolle mit den Händen über die beiden Köpfchen hast, eignet sich der Football-Griff außerdem gut bei noch kleinen, eher zarten und ggf. saugschwachen Babys, zum Beispiel Frühchen.

Im zurückgelehnten Stillen

Das zurückgelehnte Stillen ist eine sehr natürliche Stillposition, bei der du entspannt halbsitzend, halbliegend zurücklehnst und – anders als in vielen sitzenden Positionen – nicht die „Schwerkraft überwinden“ musst. Denn deine Babys liegen ganz entspannt auf dir drauf.

So kann das aussehen:

Illustration einer Mutter, die ihre Kinder in zurückgelehnter Position stillt.
Beim zurückgelehnten Stillen oder „laid-back nursing“ hast du deine Zwillinge gut im Blick und musst sie kaum tragen, weil sie mit ihrem Gewicht auf deinem Körper liegen. Hier sind schon größere Babys abgebildet, es geht (wiederum mit etwas Hilfe) auch mit deutlich kleineren.

Und darüber hinaus gibt es auch noch eine Reihe weiterer Positionen. Kommst du mit den gezeigten Varianten nicht zurecht und möchtest aber gerne beide Zwillinge gleichzeitig stillen, warte entweder noch ein Weilchen (wenn die Kinder älter sind, ergeben sich Stillpositionen oft von allein) oder lass dir von deiner Hebamme oder Stillberaterin helfen.

Mehrere simple Illustrationen, die verschiedene Möglichkeiten zeigen, in welchen Stillpositionen man Zwillinge stillen kann.
Es gibt noch mehr Arten, Zwillinge zu stillen.
Illustration: bearsky23/shutterstock.com

Nutze ein Stillkissen

Wie du auf den Bildern oben erkennen kannst, kann es bei Zwillingen besonders hilfreich sein, ein Stillkissen zu verwenden. Solch ein Hilfsmittel unterstützt deinen Körper, deine Arme, und das Baby. Dazu gibt es besondere Zwillingsstillkissen in verschiedenen Varianten.

Beliebt sind die sogenannten „amerikanischen Stillkissen“, aber auch das Zwillingsstillkissen von Twinky bekommt zumindest bei Amazon gute Rezensionen.

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Hinweis: Wir haben die Stillkissen nicht selbst getestet. Wenn du einen der Links klickst und darüber etwas kaufst, bekommen wir eine kleine Provision, die uns hilft, den Laden hier am Laufen zu halten 🙂

Mach dir keinen Stress mit Seitenwechseln

Bei gestillten Zwillingen kommt schnell die Frage auf: Wie sieht es mit Seitenwechseln aus? Soll jedes Baby seine eigene Brust bekommen, oder soll besser gewechselt werden? Und wenn ja, wie?

Mach dir damit nicht zu viel Stress. Es ist sinnvoll, die Brust zu wechseln, weil die Babys möglicherweise unterschiedlich viel und gut saugen – es kann dann sein, dass eine Brust deutlich größer wird, als die andere. Außerdem sind Seitenwechsel immer gut für die Hirnentwicklung.

Wie du aber wechselst – von Tag zu Tag, von Stillmahlzeit zu Stillmahlzeit, oder wie auch immer – bleibt ganz dir überlassen. Während einer Stillmahlzeit zu wechseln ist normalerweise nicht nötig.

Such dir Unterstützung zuhause

Ein Kind ist eine krasse Umstellung für jede Familie, zwei Kinder erst Recht.

Es ist eine Binsenweisheit, aber such dir gerade am Anfang Unterstützung. Oma und Opa sollen für euch kochen, die Freundin mal die Wohnung saugen, etc.

Das kommt nicht von ungefähr, gerade im Stillkontext: Stress hemmt den Milchspendereflex und kann das entspannte Stillen dadurch deutlich schlechter machen.

Also:

Überlegt euch, inwiefern er ihr euch Hilfe ins Haus holen könnt, sei es eine Haushaltshilfe für einige Euros, seien es die Nachbarn mit dem Übriggebliebenen vom letzten Grillabend.

Führe Buch

Am Anfang Buch zu führen ist nicht ganz verkehrt, zumindest solange, bis sich das Stillen eingependelt hat und deine Kurzen stetig ohne größere Anstrengung an Gewicht zunehmen.

Du musst dabei nicht minutiös jeden Pups aufschreiben, aber wann du welchen Zwilling stillst, wie lange er ungefähr an der Brust war, wann und wie lange du eventuell pumpst. Auch nasse und Windeln mit Stuhlgang solltest du aufschreiben.

Im besten Fall wirst du darauf nie wieder zurückgreifen müssen, aber es kann eben sein, dass eine der zwei Spezis nicht so gut zunimmt, wie er oder sie sollte – dann kann es helfen, für jeden der Zwillinge getrennt nachvollziehen zu können, wie das Trinkverhalten in den letzten Tagen und Wochen war.

Draufsicht von oben auf eine Mutter, die ihre noch recht kleinen Zwillinge stillt in zurückgelehnter Haltung.
Wer war jetzt nochmal wann dran? Buch zu führen kann dir helfen, eine Übersicht über Trinkmengen und Ausscheidungen für beide Babys einzeln zu behalten.
Foto: Staroccan / shutterstock.com

Iss und trink nach deinem Gefühl

Als stillende Zwillingsmama hast du natürlich einen etwas höheren Kalorienverbrauch – du produzierst ja jetzt Milch für zwei.

Mach dir aber nicht zu viele Gedanken darüber. Iss und trink nach Gefühl. Soll heißen iss, wenn du Hunger hast und trink, wenn du Durst hast.

Nur wenn du zu stark abnimmst kann das einen Einfluss auch auf die Milchmenge haben, und wenn du selbst ausgedörrt bist, weil du das Trinken vergisst, fließt natürlich ebenfalls weniger Milch.

Ganz generell bist du mit 2 Litern +/- ganz gut bedient, wenn du Durst bekommst, trinkst du einfach etwas mehr.

Falls du Frühchen bekommst …

Falls deine Zwillinge zu früh zur Welt kommen, wirst du in der Regel viel Unterstützung durch die Neugeborenenstation bekommen, sowohl in der täglichen Pflege, als auch beim Abpumpen und Stillen.

Wichtig aus unserer Sicht: Versuch auch hier so früh wie möglich mit den beiden zu kuscheln und sie auch das erste Mal an die Brust zu lassen. Je kleiner sie sind, desto schwerer wird das Umzusetzen sein.

Falls du nicht direkt kuscheln kannst, solltest du trotzdem innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt das erste Mal die Brust ausstreichen, lass dir auch hierbei helfen.

Nicht nur hilft das, eine gute Milchmenge von Anfang an zu fördern, nein, auch extreme Frühgeborene werden heutzutage mit geringen Kolostrum bzw. Muttermilch ernährt.

Such dir andere Zwillingsmamas

Dir ein Unterstützungsnetzwerk zu suchen, ist immer sinnvoll. Und warum nicht bei anderen Mamas, die die Anfangszeit mit Zwillingen bereits hinter sich haben?

In Internetforen, über deine Hebamme, zur Not über’s schwarze Brett im Gemeindehaus – viele Frauen sprechen gerne über ihre Erlebnisse, besonders dann, wenn es anderen helfen kann.

Finde deine Routine

Nachdem du all die Tipps gelesen hast, ist dir vielleicht eines aufgefallen: Es könnte stressig werden, aber vielleicht gar nicht so sehr, wie du befürchtest.

Wichtig ist, dass du in den ersten Tagen am Ball bleibst. Das ist leichter gesagt, als getan, denn nach 9 Monaten Tischtennis im Bauch und den Strapazen der Geburt bist du wahrscheinlich vollkommen erschöpft.

Jetzt aber durchzuhalten, früh zu stillen, viel zu kuscheln, nach Bedarf zu stillen – all das kann helfen, dass der Rest der Stillzeit entspannter wird.

Und danach findest du deine Routine von selbst: In welchen Positionen das Stillen klappt, wie häufig, ob beide gleichzeitig trinken oder nicht – all das findet sich.

Eine Mutter nutzt ein Zwillingsstillkissen, um ein Kind in der Football-, das andere in der Wiegenhaltung zu stillen.
Am Anfang vielleicht schwer, aber mit zunehmender Routine wird das Stillen von Zwillingen einfacher.
Foto: Vitalinka / shutterstock.com

Es wird einfacher

Und es wird einfacher:

Am Anfang schwimmt jede Familie, egal wie viele Kinder sie bekommt. Und wenn man das zweite oder dritte bekommt, schwimmt man wieder.

Aber alles wird mit der Zeit leichter, wenn die Routine kommt, aber auch wenn die Babys älter werden. Dann gibt es natürlich auch Höhen und Tiefen, Entwicklungsschübe, Zahnungsschmerzen, und so weiter.

Aber ihr wachst auch selbst an der Aufgabe. Die ersten Wochen sind fast für alle Familien der absolute Hammer, im positiven und im negativen. Man zweifelt sehr häufig an sich, an seinem Baby und vielleicht auch manchmal, ob das alles so eine gute Idee war.

Aber: Es wird einfacher. Und die ersten Wochen, wo deine Babys noch so richtig Baby-Babys sind, gehen sehr, sehr schnell vorbei, auch wenn manche Phasen dir extrem lang und manche Nächte endlos vorkommen mögen

Stillen ist kein „Alles-oder-Nichts“

Und wenn das Stillen nicht 100% so klappt, wie du es dir wünscht, dann sag dir eins:

Stillen bedeutet nicht „Alles oder nichts“.

Natürlich bietet voll zu stillen viele Vorteile für dich und dein Baby, aber 90% zu stillen ist immer noch besser, als 50%. Und ein bisschen zu stillen ist immer noch besser, als gar nicht.

Jeder Tropfen Muttermilch ist wertvoll, also gräm dich nicht, wenn du doch weniger stillst, als du möchtest. Es gibt auch noch viele andere Wege, deinen Kindern deine Liebe zu zeigen.

Jedoch, und jetzt kommen wir zum letzten Tipp:

Such dir noch mehr Hilfe

Gerade wenn du einen großen Stillwunsch hast, dann such dir immer dann zeitnah Hilfe, wenn du vor einem Hindernis stehst.

Kleine oder größere Stillprobleme verstärken sich schnell, wenn sie nicht zeitnah angegangen werden und führen häufig zum ungewollten vorzeitigen Abstillen.

Deshalb bitte deine Hebamme immer rasch her, wenn du unsicher bist, Schmerzen hast, das Gefühl hast, nicht genug Milch zu haben, dein Baby nicht gut an die Brust geht, usw.

Und wenn du damit nicht weiterkommst, kann dir vielleicht eine spezialisierte Stillberaterin helfen. Die gibt es entweder vor Ort, oder aber auch online.

Eine Online-Stillberatung kann zwar nicht gut „Hand anlegen“ und somit nicht jedes Problem aus der Ferne lösen. Sie kann dir aber eine Einschätzung deiner Situation liefern, erste Tipps und Hilfestellungen reichen und dir auch klar sagen, ob du eine engere Betreuung durch eine Stilleraterin vor Ort brauchst.

Und wer hätte es gedacht – wir bieten Online-Stillberatung an 🙂

Quellen

Mohrbacher, Breastfeeding Answers – A guide for helping families, 2. Auflage 2020

Lawrence & Lawrence, Breastfeeding – A guide for the medical profession, Elsevier, 9. Auflage 2022

Wambach, Spencer, Breastfeeding and Human Lactation, Jones & Bartlett Learning, 6. Auflage 2021

Lauwers, Swisher, Counseling the Nursing Mother – A Lactation Consultant’s Guide, Jones & Bartlett Learning, 7. Auflage 2021

Weitere Quellen sind im Text verlinkt

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