Grüner Tee in der Stillzeit

Grüner Tee in der Stillzeit – darfst du den trinken?

Grüner Tee ist sicher nicht jederfraus Sache, schmeckt er doch häufig etwas bitter und lässt sich schlecht mit (Pflanzen-)Milch kombinieren. Trotzdem schwören viele darauf – wird ihm doch nachgesagt, dass er nicht nur gesund ist, sondern auch durch den Koffeingehalt ein schonender Wachmacher sein kann.

Und klar: Manchen schmeckt er auch einfach.

Aber wie so häufig beim Thema Ernährung in der Stillzeit stellt sich die Frage:

Ist es okay, grünen Tee zu trinken und trotzdem zu stillen? Dieser Frage gehen wir hier nach.

Das wichtigste vorweg: Ja, du darfst grünen Tee in der Stillzeit trinken. Aber du solltest dich auf wenige Tassen pro Tag beschränken, vor allem wenn du noch andere koffeinhaltige Getränke zu dir nimmst.

Teesorten mit relativ wenig Koffein1 sind zum Beispiel Genmaicha* oder Sencha-Karigane*

Warum grüner Tee (vermeintlich) gesund ist

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an:

Grüner Tee ist wahrscheinlich gar nicht so gesund, wie viele glauben.

Ein Häufchen getrockneter Grüntee auf einem Küchenpapier.
Grüner Tee in der Stillzeit – gar nicht so gesund, wie alle sagen?

Eine große Analyse hat im Jahr 2020 mal alle bekannten und relevanten Studien zu den gesundheitlichen Vorteilen des Grünen Tees zusammengefasst und kam zu dem Schluss: Naja, eigentlich gibt es keine sicheren Anhaltspunkte dafür, dass grüner Tee vor Krebs schützt oder sich andersartig positiv auswirkt.

Im Gegenteil: Es gibt sogar ein paar Hinweise darauf, dass die Nebenwirkungen den Vorteilen überwiegen, allen voran Magen-Darm-Probleme, aber auch z. B. Schlafstörungen und Leberwerterhöhungen.

Lediglich ein positiver Effekt auf die „gefühlte Lebensqualität“ konnte gezeigt werden. Aber gerade darum geht es dir ja vielleicht:

Eine Tasse grüner Tee kann einfach sehr entspannend sein. Gerade wenn du es gewöhnt bist, und gerade auch in der Stillzeit hast du häufig einen Moment der Entspannung nötig.

Also, darfst du ihn trinken? Dazu schauen wir uns die wichtigsten Inhaltsstoffe genauer an.

Inhaltsstoffe des grünen Tees und ihre Wirkung auf Stillende und gestillte Kinder

Koffein

Der wichtigste Inhaltsstoff, um den du dir Gedanken im Zusammenhang mit dem Stillen machen solltest, ist das Koffein. Manchmal hört man auch den Begriff „Teein“ dazu, das ist aber im Prinzip das gleiche Molekül.

Wie viel Koffein ein grüner Tee beinhaltet, hängt ganz von der Sorte ab. Ein gute Übersicht findest du hier – und da siehst du auch, wo ein typischer Grüntee im Vergleich zu anderen koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee steht. Hier eine kleine Zusammenfassung:

gebrühter Kaffee50 – 100 mgpro Tasse (125 – 150 ml)
Espresso50 – 150 mgpro Espressotasse (25 – 45 ml)
entkoffeinierter Kaffee1 – 4 mgpro Tasse (125 – 150 ml)
Club Mate100 mgpro 0,5 l Flasche
Red Bull80 mgpro 0,25 l Dose
Cola30 – 40 mgpro 0,33 l Dose
Weißer Tee75 – 150 mgpro Tasse (300 ml)
Schwarzer Tee30 – 100 mgpro Tasse (300 ml)
Grüner Tee8 – 140 mgpro Tasse (300 ml)
Quelle: https://www.gruenertee.com/koffeingehalt-tee-kaffee/
Das sind nur Näherungswerte. Der Koffeingehalt schwankt je nach Menge und Zubereitungsart. Angaben ohne Gewähr.

Je nachdem, für welche Sorte du dich entscheidest, enthält eine Tasse grüner Tee unterschiedlich viel Koffein.

Und ja: Grüner Tee hält wach. Und ja: Grüner Tee kann auch dein Baby beeinflussen.

2018 hat eine Analyse sämtliche Studien untersucht, die zum Thema Koffein und Auswirkungen auf gestillte Babys existierten. Sie kam zu dem Schluss: So richtig weiß man gar nicht Bescheid. Folgende Symptome können beim Säugling auftreten:

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Unruhe
  • Schlechter Schlaf
  • Hautprobleme
  • und weitere

Aber ob diese Symptome in den Studien tatsächlich mit dem Koffein zusammenhingen, ist fraglich. Und schon gar nicht weiß man, was wirklich der Grenzwert ist, ab dem es Symptome beim Baby auslösen kann.

Eine Frau hält eine Hand voll Kaffeebohnen vor sich.
Kaffee enthält gar nicht so viel mehr Koffein als grüner Tee – du solltest auf jeden Fall aufpassen, in der Stillzeit von beidem nicht zu viel zu trinken.

Offizielle Quellen sagen, dass es in der Stillzeit in den meisten Fällen völlig okay ist, zwischen 200 und 300 mg Koffein pro Tag zu sich zu nehmen. Das entspräche also je nach Sorte 2 bis mehreren Tassen grünem Tee.

Katechine

Katechine sind Antioxidanzien, und gerade die sind es, die dem grünen Tee seinen guten Ruf verpassen: Diese sind nämlich tatsächlich in der Lage, freie Radikale abzufangen und so, zumindest theoretisch, die Entstehung von bösartigen Tumoren zu verhindern.

Ob das beim Tee klappt, ist wie gesagt fraglich.

Wichtig ist aber für dich die Frage, ob diese Stoffe irgendwie schädlich beim Stillen sein können: Dafür gibt es unseres Wissens keinen Anhalt. In grünem Tee ist vor allem Epigallocatechingallat, dem viele gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt werden.

In extrem hoher Dosis kann auch dieses Molekül Schäden anrichten – aber diese werden bei normalem Konsum von grünem Tee in der Regel nicht erreicht. Vorher würde dir wahrscheinlich das Koffein viel größere Probleme bereiten 🙂

Katechine sind übrigens auch für den bitteren Geschmack des grünen Tees verantwortlich.

Andere Inhaltsstoffe

Grüner Tee enthält weiterhin Flavonoide, Aminosäuren, Vitamine und Gerbstoffe (Tannine). Zu keinem dieser Inhaltsstoffe sind uns Probleme im Zusammenhang mit dem Stillen bekannt.

Grüner Tee – Stillen okay?

Zusammengefasst bedeutet all das:

Ja, grüner Tee in der Stillzeit ist völlig okay!

Die einzige wirkliche Einschränkung dabei stellt das Koffein dar. Zu viel Koffein kann nicht nur Auswirkungen auf dich, sondern durch den Übergang in die Muttermilch auch für dein Baby haben. Gute Studien, die diese Effekte auf das Baby belegen, gibt es aber nicht wirklich.#

Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, trinkst du zwischendurch einfach einen anderen Tee, zum Beispiel Fenchel-Anis-Kümmel oder Kamillentee, die in der Stillzeit problemlos verträglich sind.

Wie viel grünen Tee darf ich denn dann trinken?

Die European Food Safety sagt, dass 200 mg Koffein am Tag unbedenklich sind, je nach Sorte also eine bis mehrere Tassen. Die La Leche Liga geht sogar von 300 mg pro Tag aus und zitiert dabei den amerikanischen CDC (Center for disease control).

Sieh nochmal in dieser Liste nach, wie viel Koffein die einzelnen Teesorten haben oder google einfach deine bevorzugte Sorte mit dem Zusatz „Koffeingehalt“.

Natürlich solltest du auch schauen, welche anderen koffeinhaltigen Getränke du noch konsumierst: Wenn du zum Beispiel morgens zwei Tassen Kaffee trinkst und am Nachmittag einen Kakao, dann hast du deine 200 – 300 mg sicher verträgliches Koffein bereits ohne Grünen Tee erreicht.

Und was ist mit Matcha in der Stillzeit?

Matcha ist zu Pulver gemahlener grüner Tee und im Prinzip genauso unbedenklich wie ein normaler Aufguss der Grünteeblätter.

Bedenken solltest du aber auch hier den Koffeingehalt, der je nach Sorte und Menge schwanken kann. Manchmal befindet sich der Koffeingehalt auf der Verpackung, in den meisten Fällen wirst du ihn aber leider googlen oder beim Teehändler erfragen müssen.

Generell gilt die Faustregel, dass 1-1,5 Löffel Matchapulver der Koffeinstärke von etwa einem Espresso entsprechen – du müsstest also auch in der Stillzeit etwa 1-2 Matchas trinken können.

Empfehlenswert ist Matcha von höherer Qualität2, zum Beispiel der Tencha-Matcha* aus Bio-Anbau
Eine kleine Menge Matchapulver auf einem Teelöffel.
Matcha und Stillen – wahrscheinlich genauso unbedenklich wie grüner Tee (wenn da nicht das Koffein wäre).

* Bei diesen Links handelt es sich um Affiliate-Links. Wenn du hierüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis aber gleich.

1 Laut https://www.gruenertee.com/gruener-tee-wenig-koffein/
2 Laut https://www.gruenertee.com/matcha/

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