Bockshornklee beim Stillen: Boost für die Milchbildung?

Bockshornklee ist das vielleicht am häufigsten verwendete Lebensmittel zur Steigerung der Milchmenge in der Stillzeit – zumindest in der westlichen Welt.

Aber bringt die Einnahme von Bockshornkleekapseln, -tee oder -samen etwas? Fördert es wirklich die Milchbildung? Und ganz wichtig: Ist es sicher?

All das erfährst du in diesem Artikel.

Los geht’s!

Bockshornklee und die Milchbildung

Zunächst das Allerwichtigste: Das beste Kraut, das beste Medikament oder der beste Stilltee können nicht allein die Milchbildung anregen, wenn nicht die Grundvoraussetzung erfüllt ist: Dass die Brust oft entleert wird.

Viele Frauen wünschen sich (verständlicherweise) ein Allheilmittel gegen zu wenig Milch, das sich in der Apotheke kaufen lässt. Das gibt es leider nicht. Und leider ist der Weg zu einer Steigerung der Milchmenge nicht immer einfach und bedeutet eine gewisse Mühe: Oft anlegen, Brustmassagen, die Brust ausstreichen, und und und.

Aber! 🙂

Aber wenn uns ein Kraut gewachsen ist, dass helfen kann die Milchbildung zu steigern, dann ist es wahrscheinlich der Bockshornklee.

Die Wirkung des Bockshornklees

Bockshornklee (auf Englisch: Fenugreek) enthält eine Menge Inhaltsstoffe, die sich potentiell auf die Milchmenge auswirken können – wie genau der Einfluss auf die Milchbildung jedoch funktioniert, weiß man nicht genau. Viel wichtiger ist jedoch für uns die Frage, ob es denn funktioniert.

Wie bei allen natürlichen Mitteln ist die Antwort nicht ganz eindeutig. So gab es einige Studien, die die Wirkung des Bockshornklees mit einem Placebo verglichen haben – und keine erhöhte Milchmenge feststellen konnten1.

Dann aber gab es eine große Untersuchung, die sich wiederum ganz viele Studien angesehen hat: Hier konnte ein (wenn auch milder) Effekt auf die Milchmenge gesehen werden2. Aber auch bei dieser sogenannten Metaanalyse wurden nur 122 Stillende untersucht.

Insgesamt also ist es unklar, ob der Bockshornklee sich wirklich positiv auf die Milchmenge auswirkt. Er wird jedoch seit langer Zeit in ganz verschiedenen Kulturen für diesen Zweck genutzt und wenn man ganz ehrlich ist: Es gibt bei keinem anderen (uns bekannten) Kraut ähnlich überzeugende Studien, dass es tatsächlich funktionieren könnte.

Einen Versuch ist es also wert!

Mögliche Nebenwirkungen

Bockshornklee kann eine ganze Reihe Nebenwirkungen haben. Aber übertriebene Sorge brauchst du nicht haben. Tobias alter Hausarzt hat immer gesagt: Wenn Schokolade eine Packungsbeilage hätte mit allen möglichen Nebenwirkungen – keiner würde sie mehr essen!

Laut unseren Quellen kann Bockshornklee zu folgenden Problemen führen:

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen
  • auch bei gestillten Säuglingen wird selten von Bauchschmerzen berichtet, manche sind auch unruhig (es ist aber wie immer unklar, ob das wirklich am Bockshornklee liegt oder die Kinder sowieso unruhiger sind)
  • Gegebenenfalls kann die Leber in Mitleidenschaft gezogen werden (also sollten alle, die Leberbeschwerden haben, darauf verzichten)
  • Allergien: V.a. Kreuzreaktionen mit Erdnüssen, Kichererbsen und anderen ist möglich
  • Frauen, die Marcumar einnehmen oder Diabetes mellitus haben, sollten nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt Bockshornklee einnehmen
  • In Rattenversuchen zeigte sich eine Absenkung des Schilddrüsenhormons: Wenn du also Probleme mit der Schilddrüse hast, solltest du ebenfalls nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin Bockshornklee einnehmen
  • in der Schwangerschaft kann es eventuell zu Wehen kommen

Natürlich gilt: Häufig macht die Dosis das Gift! Während allergische Reaktionen schon bei geringen Mengen auftreten können, treten andere Nebenwirkungen ggf. erst bei erheblich zu hoher Dosierung auf.

Du wirst riechen! Bockshornklee wird als Gewürz eingesetzt und erinnert an den Geruch von Ahornsirup. Und dieser Geruch geht in dich über: Wundere dich also nicht, wenn dein Schweiß, Urin und andere Körperflüssigkeiten plötzlich nach Ahornsirup duften 🙂

Generell wird Bockshornklee von der Amerikanischen FDA („Food and Drug Administration“) als sicher auch in der Stillzeit angesehen. Ob, welche und wieviel von den Inhaltsstoffen der Samen in die Muttermilch übergehen, ist nicht untersucht. Allerdings wird auch deine Milch eventuell anders riechen, was die meisten Babys jedoch nicht stört.

Ein Stapel Pfannkuchen mit Ahornsirup und Blaubeeren, jedoch nicht ersichtlich mit Bockshornkleekapseln.
Kann sein, dass ihr in Zukunft häufiger Lust auf Pfannkuchen habt: Wer viele Bockshornkleesamen futtert, riecht nach einiger Zeit nach Ahornsirup.
Foto von Kayla Speid auf Unsplash

Die richtige Dosierung

Wieviel Bockshornklee solltest du nehmen?

Je nachdem, wie du die Samen einnehmen willst, kommt eine andere Dosierung in Frage. Es gibt keine Untersuchungen, welche Dosis genau am besten wirkt, aber gute Erfahrungen von vielen Generationen Müttern, wieviel ungefähr einzunehmen ist 🙂

Die richtige Dosierung – so heißt es manchmal – ist gefunden, wenn du anfängst, nach Ahornsirup zu riechen. Dann fängt nach der Meinung vieler Frauen auch die Wirkung an.

Bockshornklee Kapseln

Die meisten Stillexpertinnen empfehlen eine Dosis von etwa 1-6 Gramm am Tag (entsprechend 1.000 bis 6.000 mg.), jeweils einzunehmen in 3 Tagesdosen.

Nehmen wir also an, du kaufst diese Kapseln:

Nature Love Bio Bockshornklee*

Darin sind 650mg pro Kapsel. Du könntest also beispielsweise starten mit je einer Kapsel am Morgen, Mittag und Abend (knapp 2g pro Tag). Maximal könntest du 3 x 3 Kapseln nehmen (etwa 6g pro Tag). Der Anbieter selbst schlägt vor, 4 am Tag zu nehmen – geht natürlich auch.

Es bietet sich an, langsam zu starten und zu schauen, wie du und dein Baby das Mittel vertragen.

Tee-Zubereitung

Auch hier gibt es keine wirklich wissenschaftlich belegte „Idealzubereitung“. Lisa Marasco und Diana West schlagen in „Making More Milk“ jedoch vor:

„5 g ganze Samen oder 1 g gemahlene Samen in 240 ml Wasser 15 Minuten ziehen lassen; 2-3 Mal am Tag trinken“

Lisa Marasco, Diana West, „Making More Milk“, 2. Auflage, S. 241

Hier findest du ganze Samen: 500 g Bio-Bockshornkleesamen vom Achterhof*
und hier gemahlene Samen: 500g Bio-Bockshornkleesamen vom Achterhof, gemahlen*

Erfahrungen mit Bockshornklee beim Stillen

Die Erfahrungen, die stillende Mamas mit Bockshornkleesamen machen, sind ganz unterschiedlich. Wir haben nicht genau nachgezählt, wie viele Frauen zufrieden sind – aber gefühlt sind es recht viele.

Natürlich kann man einen gewissen Placebo-Effekt nicht ausschließen. Außerdem tun die meisten Mamas ja auch noch mehr, als nur Bockshornklee essen: Und das ist, wie oben schonmal erwähnt, ja auch unbedingt nötig, wenn man die eigene Milchproduktion ankurbeln will.

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Wir würden uns freuen, hier deinen O-Ton zu deinem Bockshornklee-Erlebnis veröffentlichen zu dürfen 🙂

Häufige Fragen

Zum Schluss noch ein paar häufige Fragen.

Wie schnell wirkt Bockshornklee?

Meistens heißt es, dass die Milchmenge dann als gesteigert wahrgenommen wird, wenn die Mutter anfängt, nach Ahornsirup zu riechen. Dies ist in der Regel nach 3-4 Tagen der Fall.

Wie lange soll ich ihn einnehmen?

Es keine allgemeingültige Zeit, wie lange du die Samen einnehmen solltest – solange du keine negativen Auswirkungen bemerkst. Bewährt hat sich, zumindest zwei Wochen abzuwarten, ob sich etwas tut. Und wenn ja, die Samen dann mal versuchsweise abzusetzen. Wenn die Milchmenge gleich wieder sinkt, solltest du sie weiternehmen.

Bekomme ich von Bockshornklee Blähungen?

Ja, das kann sein 🙂 Magen-Darm-Nebenwirkungen gehören zu den häufigeren – jedoch in der Regel harmlosen – Nebenwirkungen von Bockshornklee.

Quellen

1 https://www.semanticscholar.org/paper/The-Effect-of-Fenugreek-on-Milk-Production-and-in-Reeder-Legrand/fc935ded80a6a13a28261e58ce321c3d691e7dc3

2 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29193352/

Lisa Marasco, Diana West: „Making More Milk“, 2nd edition 2020, McGrawHill

Nancy Mohrbacher: „Breastfeeding Answers, A Guide for Helping Families“, 1. Auflage, 2020

Ruth A. Lawrence, Robert M. Lawrence: „Breastfeeding, A guide for the medical profession“, 9th edition 2022, Elsevier

Bockshornklee in der Drug and Lactation Database

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