Brustabszess in der Stillzeit: Die 7 wichtigsten Fragen

Ein Brustabszess in der Stillzeit ist ein Notfall: Da sich aus ihm noch schwerwiegendere Komplikationen entwickeln können, ist eine schnelle ärztliche Behandlung notwendig.

Hier erfährst du wichtigsten Infos zum Abszess der Brust in einer handlichen Zusammenfassung.

Los geht’s!

Was ist ein Brustabszess?

Ein Brustabszess in der Stillzeit entwickelt sich fast immer auf dem Boden einer nicht oder nicht ausreichend behandelten Mastitis, also einer bakteriellen Brustentzündung. Diese entsteht meist im Rahmen eines Milchstaus oder von wunden Brustwarzen und wird antibiotisch behandelt.

Beim Brustabszess haben die Bakterien es geschafft, ins Gewebe der Brust vorzudringen. Dein Körper reagiert mit Abwehrmaßnahmen darauf: Er versucht, die Krankheitserreger (meist Staphylokokken) einzukapseln und baut eine Hülle aus Bindegewebe drumherum: Diese abgeschlossene, mit Eiter gefüllte „Höhle“ nennt man Abszess.

Brustabszesse treten meistens in den ersten drei Monaten der Stillzeit auf und sind an verschiedenen Stellen zu finden: Manchmal direkt unter der Haut, manchmal tief im Brustgewebe, manchmal kommt es auch an verschiedenen Stellen zu Abszessen.

Ist er gefährlich?

Ein Abszess ist leider nie ganz ungefährlich. Es besteht die Gefahr, dass die Erreger, die sich darin befinden,

  • sich direkt auf benachbarte Regionen ausbreiten
  • über das Blutsystem in den Körper streuen und zu Abszessen an anderen Stellen führen
  • zu einer Sepsis („Blutvergiftung“) führen

Besonders das Entstehen einer Sepsis ist gefürchtet, da es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt. Nicht umsonst ist ein althergebrachter – und noch immer gültiger – Spruch in der Medizin „Ubi pus, ibi evacua„: Eiter muss immer entleert werden.

Wenn du also den Verdacht hast, dass sich ein Abszess in der Brust gebildet hat, solltest du unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Aber keine Sorge: Ein Abszess entsteht nur sehr selten „einfach so“, meist gehen andere Symptome voraus, die dich wahrscheinlich eh schon darau gebracht haben, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wie entsteht ein Brustabszess?

Ein Brustabszess entsteht wie gesagt meistens im Rahmen einer Mastitis, also einer Brustentzündung. Diese wiederum beruht oft auf einem Milchstau, auf wunden Brustwarzen, oder anderen Problemen die dazu führen, dass der Milchfluss in der Brust verringert wird oder auf andere Weise Bakterien die Chance haben, sich stark zu vermehren.

Bei etwa 10% aller Frauen mit Mastitis entsteht ein Abszess. Häufig tritt er – rein statistisch – unter anderem bei Frauen über 30, Raucherinnen, Erstgebärende und Übergewichtige auf.

Einen zusätzlichen Risikofaktor stellt das abrupte Abstillen dar, vor allem wenn während einer Mastitis abgestillt wird. Auch wenn eine Mastitis nicht früh genug (oder zu kurz) mit Antibiotika, oder nicht mit den richtigen Antibiotika behandelt wird, steigt das Risiko für einen Abszess.

Manchmal kann sich ein Abszess auch entwickeln, ohne dass eindeutige Zeichen einer Brustentzündung vorgelegen haben.

Welche Symptome treten auf?

Das wichtigste Merkmal ist ein tastbarer „Knoten“ in der Brust, das heißt ein meist rundliches Gebilde, das du tasten kannst. Wenn der Knoten oberflächlich liegt, kannst du ihn manchmal sogar sehen, weil er zu einer Wölbung der Haut führt.

Dieser Knoten ist fast immer sehr schmerzhaft und die Haut darüber ist gerötet und überwärmt. Nur wenn der Abszess sehr tief liegt, ist er manchmal kaum zu tasten und führt dann auch nicht zu Hautauffälligkeiten. Ein Abszess komplett ohne Entzündungszeichen (das heißt Schmerzen, Überwärmung, Rötung) ist selten.

Es können auch, wie bei der Mastitis, allgemeine Krankheitssymptome auftreten, also Fieber, Abgeschlagenheit, usw.

Muss ich zur Ärztin?

Ja!

Wie oben bereits angedeutet ist der Brustabszess ein chirurgischer Notfall1, der schnell behandelt werden muss – nicht nur, um Komplikationen zu vermeiden, sondern auch, damit es dir rasch wieder besser geht.

Wenn du, deine Hebamme oder deine Stillberaterin also den Verdacht eines Abszesses äußern, solltest du umgehend zu deiner Frauenärztin gehen – und am Wochenende in die nächste Frauenklinik.

Was passiert bei der Ärztin?

Deine Ärztin wird zunächst deine Brust natürlich ansehen und abtasten, dann aber schnell zum Ultraschallgerät greifen. Ein Abszess sieht ein bisschen aus wie ein dunkler See mitten in der Brust. Mit dem Ultraschall kann man genau sehen, wo er sich befindet, und vor allem wie tief.

Das weitere Vorgehen hängt nun davon ab, wie groß der Abszess ist, wo er sich befindet, ob es nur einer oder mehrere Abszesse sind und auch von der Erfahrung deiner Frauenärztin.

Der Eiter muss auf jeden Fall raus. Das kann man entweder mit einer dünne Nadel machen, mit der man durch die Haut in den Abszess sticht, um den Eiter und damit einen großen Teil der Bakterien abzusaugen. Dafür sind manchmal mehrere Sitzungen nötig, dafür können viele Frauenärztinnen das in der Praxis machen.

Bei komplizierteren Abszessen ist es aber leider auch möglich, dass du ins Krankenhaus musst und die Stellen mit einer echten Operation – inklusive Narkose – angegangen werden müssen. Deine Frauenärztin wird dich auf jeden Fall beraten, welches der beste Weg in deinem Fall ist.

Muss ich abstillen?

Es kommt darauf an.

Ganz generell bedeutet ein Brustabszess nicht, dass du abstillen musst. Das Stillen kann jedoch auf der betroffenen Seite sehr unangenehm und schmerzhaft sein, sodass es vielleicht nötig ist, dass du vorübergehend nur an der gesunden Seite weiterstillst.

Auch nach einer OP kannst du in der Regel rasch, spätestens nach wenigen Tagen auch auf der betroffenen Seite weiterstillen. Bis dahin ist es wichtig, dass du regelmäßig ausstreichst oder abpumpst, um die Milchbildung nicht zu gefährden.

Eiter geht nur ganz selten in die Muttermilch über, um dein Baby brauchst du dir also keine Gedanken machen.

Andererseits ist ein Abszess und die begleitenden Symptome, aber natürlich erst Recht eine OP eine sehr belastende Situation. Es ist absolut verständlich, wenn du in so einer schweren Zeit an der Sinnhaftigkeit des Stillens generell zweifelst. Nur aufdrängen lassen solltest du es dir nicht. Die OP-Abteilungen in den Frauenkliniken sind nicht unbedingt mit dem gleichen Personal besetzt wie die Geburtsstationen und dort ist sicher nicht jede*r Mitarbeiter*in großer Unterstützer des Stillens. Wenn du weiter stillen möchtest, gibt es fast immer einen Weg.

Quellen

Karen Wambach: Breastfeeding and human lactation. Sixth edition, 2021
Deutscher Hebammenverband: Praxisbuch: besondere Stillsituationen. Stuttgart 2012.
Wilson-Clay/Hoover: The Breastfeeding Atlas. Sixt edition, 2017.
1https://www.ajronline.org/doi/full/10.2214/AJR.13.11758

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