Haarausfall in der Stillzeit

Kaum sind die kleinen Nimmersatte auf der Welt, fressen sie einem bereits die Haare vom Kopf – zum Glück jedoch nur im übertragenen Sinne: Denn obwohl sehr viele Frauen mit Haarausfall in der Stillzeit oder nach der Schwangerschaft zu kämpfen haben, ist dieser in der Regel nur eine temporäre Sorge.

In den meisten Fällen normalisiert sich der Haarzyklus schnell wieder. Der plötzliche Haarausfall endet und die verlorenen Haare wachsen wieder nach.

Wir erklären dir hier, woher der Haarverlust kommt, warum du dir wahrscheinlich keine Sorgen machen musst und was bei Haarausfall in der Stillzeit helfen kann.

Der Hinterkopf einer Frau, sie fasst sich durch's Haar.
Haarausfall ist oft belastend. In der Stillzeit ist er jedoch meistens eher kein großer Grund zur Sorge.
Foto von Tim Mossholder auf Unsplash

Extremer Haarausfall durch’s Stillen?

Endlich ist es geschafft:

Die Schwangerschaft ist überstanden, die Geburt wurde gemeistert und das Herz schwillt vor Liebe für das kleine Wunder, dass du nun in deinen Armen hältst.

Eigentlich möchtest du von nun an nur noch glücklich sein. Doch natürlich kommst du trotzdem nicht umhin, dir Sorgen zu machen: Über die Zukunft, die Verantwortung als Mutter und das Leben zu dritt. Und dieser Stress! Clusterfeeding, ständig volle Windeln, Sorgen um die Milchmenge … puh. Nicht mal Nagellack darf man unbesorgt auftragen! Richtig stillen kann sehr anstrengend sein.

Sorgen machen sprichwörtlich graue Haare – doch leider können sie auch zu Haarausfall führen: Denn tatsächlich sind hormonelle oder psychische Belastungen häufig die Ursache für Haarausfall während der Stillzeit.

Das Phänomen, das Frauen nach der Schwangerschaft vermehrt Haare ausfallen, ist also kein Mythos.

Doch schuld daran sind zum Glück weder das Baby noch das Stillen.

Ursachen für vermehrten Haarausfall in der Stillzeit

Nach der Geburt und während der Stillzeit fallen vielen Frauen wesentlich mehr Haare aus: Sie sammeln sich in der Bürste, verstopfen den Abfluss in der Dusche oder dekorieren das Kopfkissen.

Da fast alle Frauen damit zu kämpfen haben, wird dieses Symptom in der Medizin auch als postpartales Effluvium“ (=gesteigerter Haarausfall nach der Geburt) bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Form des diffusen Haarausfalles, der in manchen Fällen sogar dazu führt, dass einem büschelweise die Strähnen ausgehen.

Die häufigste Ursache dafür ist der veränderte Hormonhaushalt.

Obwohl es nicht eindeutig geklärt ist, scheint vor allem das Östrogen „Schuld“ zu sein. Denn während der Schwangerschaft wird die Produktion dieses Hormones deutlich gesteigert. Dadurch wird das Haar nicht nur glänzender und geschmeidiger, sondern wächst auch über einen längeren Zeitraum als die übliche Wachstumsphase.

Nach der Geburt normalisiert sich der Östrogenhaushalt wieder und das Haarwachstum geht in die Ruhephase über. Zwei bis drei Monate später fällt das Haar nun aus – zusätzlich zu den normal ausfallenden Haaren – wodurch sich der vermehrte Haarverlust deutlich bemerkbar macht.

Weitere Gründe für vermehrten Haarausfall in der Stillzeit

Neben dem veränderten Hormonhaushalt können jedoch auch andere Faktoren den postpartalen Haarausfall begünstigen:

  • Unausgewogene Ernährung: Vielleicht wird absichtlich eine Diät gemacht, um die Schwangerschaftspfunde loszuwerden. Vielleicht wird unabsichtlich nicht genug auf die eigene Ernährung geachtet, weil die des Kindes nun im Vordergrund steht. Doch auch eine Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen kann den Haarausfall begünstigen.
  • Psychischer Stress: Plötzlich verändert sich die ganze Welt und man ist nicht mehr nur für das eigene Leben, sondern auch für das eines anderen verantwortlich. Allemal ein Grund nervös zu werden, doch leider können psychische Probleme und Stress ebenfalls zu Haarausfall führen.
  • Eisenmangel: Um den Eisenbedarf der Mutter und den des Babys zu decken, wird während der Schwangerschaft fast doppelt so viel davon benötigt. Bleibt das nötige Eisen aus, kann das zu Müdigkeit und Haarausfall führen.
Eine Frau stillt ihr Baby unter einem herbstlich rot gefärbten Baum auf einer Wiese.
Vermehrter Haarausfall in der Stillzeit folgt dem natürlichen Lauf der Dinge. Sorgen machen musst du dir deshalb in der Regel nicht. Vorbeugen kannst du dem Problem leider auch nicht wirklich.
Foto von Dave Clubb auf Unsplash

Beginn und Dauer des postpartalen Haarausfalles

Das Wachstum des Haares folgt immer einem gewissen Zyklus:

  • Erst wächst es
  • dann ruht es
  • dann fällt es aus.

Wird nun die Wachstumsphase durch den Östrogenüberschuss während der Schwangerschaft verlängert, beginnt im Umkehrschluss für viele Haare relativ zeitgleich nach der Geburt die Ruhephase.

Diese Ruhephase dauert etwa 3 Monate, weshalb viele Frauen erst ca. einem Viertel Jahr nach der Geburt den besonders schlimmen Haarverlust bemerken.

Für stillende Frauen verschiebt sich dieser Zyklus zudem, da ihr Östrogen langsamer abgebaut wird. Häufig tritt der Haarausfall sogar erst nach der Stillzeit ein, weshalb viele dem Irrglauben unterliegen, dass das Stillen zu einem Haarverlust führt. Das ist jedoch nicht der Fall. Es gibt also keinen Grund, die empfohlene Stilldauer abzukürzen.

So kann es also sein, dass du mehrere Monate lang täglich mehrere hundert Haare verlierst – gegenüber den typischen 50-100, die nicht-schwangere Frauen täglich ausfallen. Dies betrifft oft die Haare an den Schläfen, sodass sich „Geheimratsecken“ bilden können.

Doch keine Sorge, auch diese Zeit geht wieder vorbei: Der extreme Haarverlust endet meist sechs bis neun Monate nach der Geburt. Bei stillenden Müttern ist dies entsprechend nach hinten verschoben und der Haarausfall normalisiert sich erst später.

Mittel gegen den Haarausfall – das kannst du dagegen tun:

Die gute Nachricht ist: Du musst nicht dagegen tun, der Haarausfall endet von alleine wieder.

Die schlechte Nachricht ist: Du kannst nichts dagegen tun, doch der Haarausfall wird von alleine wieder enden.

Grund dafür ist, dass im Normalfall keine Hormonstörung vorliegt, sondern nur eine Hormonveränderung. Wenn sich der Östrogenspiegel nach der Schwangerschaft langsam wieder normalisiert, wird sich auch der Haarzyklus wieder regulieren und der vermehrte Haarverlust einpendeln.

Natürlich hat die Industrie sich auch ein Mittel gegen das Problem* ausgedacht: Ob dieses allerdings wirksam ist, können wir nicht beurteilen.

Ein wenige Monate alter, glatzköpfiger Säugling auf dem Schoß der Mutter, die Kamera anschauend. Illustriert den Aritkel Haarausfall Stillzeit.
Versteht das Problem nicht:
Ein haarloses Stillbaby.

Nichtsdestotrotz gibt es einige kleine Hilfsmittel, die du selbst daheim anwenden kannst, um den Haarausfall in Grenzen zu halten. Allerdings: Es handelt sich dabei um allgemeine Tipps für gesundes Haar. Den typischen (und normalen) Haarausfall in der Stillzeit wirst du damit nicht stoppen können. Also, was hilft?

  • Gesunde Ernährung: Achte nach der Schwangerschaft und während dem Stillen besonders auf eine ausgewogene Ernährung. Denn mit der Muttermilch nun musst du zeitgleich den Nährstoffbedarf deines Kindes und deinen eigenen decken.
  • Gesunde Lebensweise: Vermeide Stress so gut es geht, versuche dir nicht zu sehr den Kopf zu zerbrechen und gönne dir so viel Ruhe und Entspannung wie möglich.
  • Richtige Haarpflege: Verwende Pflegemittel, verzichte auf heißes Föhnen, Glätten oder Toupieren und färbe dir nicht das sowieso schon strapazierte Haar.
  • Vermehrte Eisenzufuhr: Um den vermehrten Eisenbedarf zu decken, können in Absprache mit der Ärztin ergänzend zur Nahrung Eisenpräparate eingenommen werden.

Natürlich sollen auch ein paar Tipps nicht fehlen, den vermehrten Haarverlust zu kaschieren:

  • Geh zum Frisör: Vielleicht hilft ein anderer Haarschnitt, dass lichtere Stellen (oft sind am ehesten die Schläfen betroffen) nicht so auffallen.
  • Nutz andere Haarprodukte: Vielleicht kann ein Gel oder Wachs o.ä. das Haar voluminöser wirken lassen.

Mitunter werden auch Nahrungsergänzungsmittel, wie Vitamine, Kieselerde, Zink usw. empfohlen. Auch Homöopathie, Schüssler-Salze oder andere alternative Heilmethoden werden manchmal angefragt. Einen nachgewiesenen Nutzen haben diese Methoden unseres Wissens nicht – was allerdings nicht ausschließt, dass sie im Einzelfall nicht auch helfen können.

Wann zum Arzt?

Für den seltenen Fall, dass der Haarausfall jedoch einfach nicht nachlässt oder sogar besonders schlimm wird, sich zum beispiel kahle Stellen bilden, empfehlen wir dir jedoch eine Spezialistin aufzusuchen. Am besten eignet sich dafür deine Frauenärztin, im Zweifel wird dich diese allerdings auch an eine Hautärztin verweisen.

Manchmal können sich hinter einem zu starken Haarausfall Mangelzustände verbergen, wie ein Eisenmangel oder Schilddrüsenprobleme.

Was hilft? Der vielleicht wichtigste Tipp

Der wichtigste Tipp ist in den meisten Fällen wohl: Hab Geduld.

Dein Körper hat während der Schwangerschaft Enormes geleistet und musste sich dafür sehr anpassen.

Bis sich alles wieder normalisiert hat, kann es einige Monate dauern. Haarausfall ist fast immer nur ein Zeichen dafür, wie sich der Körper nach der veränderten Schwangerschaftssituation wieder erholt.

Gib ihm Zeit.

Quellen:
Postpartum alopecia, John H. Eastam
Alterations in Hair Follicle Dynamics in Women, Claudine Piérard-Franchimont
The Postpartum Telogen Effluvium Fallacy, Oriol Mirallas

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