Stillen in der Öffentlichkeit

Stillen in der Öffentlichkeit – bist du dabei?

Eine Frau stillt in der Öffentlichkeit auf einem großen Platz in einer spanischen Stadt.
Morgens, halb 9 in Spanien. Die Restaurants öffnen erst noch, aber das Baby hat schon Hunger.
Foto: privat

Hier findest du ein kleines Plädoyer dafür. Und einen Aufruf: Leiste mit uns einen kleinen Beitrag dazu, öffentliches Stillen ein bisschen normaler zu machen.

Stillen im Wandel der Zeiten

Stillen war noch nie einfach.

Wer ein Baby auf die Welt bringt und es unmittelbar danach auf den Bauch der Mutter liegt, kann manchmal etwas Erstaunliches beobachten: Das Baby schafft es, meist in der ersten Stunde nach Geburt, an die Brust zu krabbeln und daran zu saugen – der sogenannte „Breast Crawl“.

Das ist eine hervorragende evolutionäre Einrichtung: Durch die frühe Aufnahme des Kolostrums stellt das Baby selbst sicher, dass es genug Energie für die ersten Stunden hat, sich einen „Immuncocktail“ einverleibt und durch allerlei hormonelle Mechanismen die Bindung zwischen sich und der Mama etabliert.

Eine Mutter stillt ihr Baby an einem öffentlichen Brunnen.
Stillen in der Öffentlichkeit
Foto: privat

Gleichzeitig wird der Startschuss für eine gelungene Stillbeziehung gelegt. Phänomenal!

Aber dann hört es auch bald schon auf mit den evolutionären Mechanismen.

Mangel an Stillvorbildern

Wie man ein Baby richtig an die Brust anlegt, wie häufig es trinken möchte und was frau tut, wenn das Stillen weh tut oder das Baby nicht richtig funktioniert – das ist uns Menschen nicht „in die Wiege gelegt“.

Schon immer gab es Still- und Laktationsberaterinnen: Diese waren jedoch mitnichten ausgebildete Stillexpertinnen, sondern die eigenen Mütter, Schwestern, Tanten und andere Vorbilder aus dem Stamm. Frauen, die bereits selbst gestillt haben.

Es war auch für alle Mädchen (und wohl auch Jungen) normal, schon in der Kindheit häufig zu beobachten, wie das Stillen funktioniert.

Dies ist heute anders.

Mutter und Baby stillend vor schwarzem Hintergrund.
Stillen auf dem Balkon bei einer kleinen Party unter Freunden.
Foto: privat

Frauen in Deutschland kriegen immer weniger Kinder, und ein sehr großer Teil der Menschen zieht sich, sobald Nachwuchs da ist, in die Kleinfamilie zurück. Da sind keine Tanten und Cousinen mehr, die man täglich beim Stillen beobachten kann.

Da sind auch nicht mehr immer Omas, die der eigenen Tochter zeigen kann, wie das nochmal geht. Entweder sie erinnert sich nicht mehr – oder sie hat vielleicht selber gar nicht gestillt.

Und so sind viele Frauen heute oft auf professionelle Beratung angewiesen: Durch das Personal auf der Wochenbettstation, die Hebamme oder eine qualifzierte Stillberaterin.

Stillen in der Öffentlichkeit – auch nicht, was es mal war

Das Stillen ist in den letzten Jahrhunderten aus der Öffentlichkeit weitgehend verbannt worden und findet erst durch die Initiative motivierter Frauen wieder Akzeptanz.

Aber auch 20 Jahre nach Beginn des 21. Jahrhunderts – welche junge Mama hat sich nicht schon mal beobachtet gefühlt, wenn sie in einem Café, oder im Bus, oder im Park die „Brust ausgepackt“ hat? Und wie viele Mütter vermeiden genau das, um eben diesen Blicken (oder sogar Sprüchen) nicht ausgeliefert zu sein? Wie viele benutzen ein Stilltuch, um sich vor neugierigen Augen zu schützen?

Eine Mutter stillt auf einer Parkbank ihr junges Kleinkind.
„Ähm – könnten Sie mir vielleicht nicht auf die Brust starren? Es ist eh schon besetzt.“
Foto: privat

Nicht erst die Corona-Pandemie und die infektionsprophylaktischen Maßnahmen haben gezeigt, dass die Befdürfnisse und Rechte vieler Kinder in großen Teile der Welt nicht den gleichen Stellenwert genießen, wie die von Erwachsenen.

Ein Baby zu stillen ist nicht nur die (rein körperlich) gesündeste Form, sein Baby zu ernähren, es ist auch eine Möglichkeit, seinem Kind Ruhe, Trost und Geborgenheit in einer hektischen und oft unheimlichen Welt zu vermitteln.

Eine aufregende Welt

Stell dir vor, du wachst eines Tages auf und findest dich auf einem anderen Planeten wieder: Fern von allem, was dir bekannt war, stehst du inmitten fremder Wesen, die dich merkwürdig beäugen. Unbekannte Geräusche umgeben dich, blitzende Lichter, bunte Farben – alles, was du erlebst, ist neu, du verstehst weder, wo du bist, noch, woher du kommst.

Aber plötzlich, inmitten all dem Trubel und dem Stress, tritt dein Partner zu dir. Er nimmt dich in den Arm und du riechst seine Haut und spürst seine Hände auf dir.

Und du kommst zur Ruhe.

So ähnlich stellen wir uns das Leben eines Säuglings vor. Je offener seine Sinne werden, je besser sie sehen, riechen und hören können, desto bunter und aufregender wird die Welt.

Wie du dich auf dem fremden Planeten nach deinem Partner sehnst und wie du dich an ihm festhältst, wenn er plötzlich da ist, so sehnt sich dein Baby nach dir – und auch nach deiner Brust. Die Wärme und Nähe und der Geruch der Mutter vermittelt Geborgenheit, zeigt, dass alles gut ist.

Und welche Mutter – angenommen, wir befinden uns irgendwo am Beginn der menschlichen Evolution – hat in hektischen, gefährlichen Momenten (zum Beispiel auf der Flucht vor einem säbelzähnigen Tier) schon Zeit, zu stillen?

Gestillt werden bedeutet, dass alles gut ist. Dass keine Gefahr besteht.

Ein Baby wird gestillt nachts auf einer Bank in einer südeuropäischen Stadt, einige Passanten im Hintergrund.
So viele Fremde und Fremdes – aber die Mama (und ihre Brust) vermitteln Geborgenheit.
Foto: privat

Stillen ist mehr als Nahrung

Beim Stillen geht es eben nicht nur um die Ernährung, sondern auch um diese Art von Geborgenheit. Und diese spielt eben auch beim Stillen in der Öffentlichkeit eine Rolle.

Es geht uns gar nicht darum, die weibliche Brust zu befreien. Dafür gibt es viele andere gute Gründe. Es geht nur darum, die Brust und das Stillen so normal zu machen, dass es eben jeder stillenden Frau ohne Angst und falsche Scham möglich ist, öffentlich zu stillen.

Wir haben auf dieser Seite Fotos gesammelt vom öffentlichen Stillen, aus Spanien, Portugal und vielen Orten in der Natur und der belebteren Öffentlichkeit.

Dies ist nur eine der ersten vielen Ideen die wir haben, das öffentliche Stillen zu fördern – du darfst gespannt sein, was wir uns für die nächsten Jahre noch vorgenommen haben.

Hast du Lust, uns zu helfen?

  • Wir möchten hier gerne über kurz oder lang eine Bildergalerie von Müttern zeigen, die mutig in der Öffentlichkeit stillen – unsere eigene Seite mit Stillvorbildern. Möchtest du dabei sein? Dann schreib uns gerne!
  • Welche Erfahrungen hast du mit dem Stillen in der Öffentlichkeit gemacht? Schreib uns – gern auch anonym – von positiven oder negativen Erlebnissen, die wir dann hier auf unserer Seite teilen dürfen.
  • Welche Tipps hast du für „neue Mamas“, um in der Öffentlichkeit diskret zu stillen? Wohin ziehst du dich zurück? Welche Kleidung trägst du?
  • Komm ins Team Muttermilch: Meld dich für unseren Newsletter an! So erfährst du als erste von neuen Ideen und Aktionen zum Thema Stillen, auch über das Stillen in der Öffentlichkeit.
Eine Mutter stillt ihr Baby auf einer Parkbank vor südländischen Bäumen an einer Promenade. Stillen in der Öffentlichkeit wird noch immer häufig kritisch betrachtet oder sogar kommentiert.
Hilf mit, das Stillen in der Öffentlichkeit jeden Tag ein bisschen normaler zu machen!

2 Gedanken zu „Stillen in der Öffentlichkeit“

  1. Hallo team Muttermilch,
    Ich wollte euch mal Feedback zum Thema was braucht man und was nicht zum Stillen geben.
    Als Frau mit großen Brüsten brauche ich einen Still-BH und auch Stillkleidung, da das Baby nämlich nicht problemlos bei anderen Klamotten an die Brust kommt. Zudem ist es mit großen Brüsten in der Öffentlichkeit gleich viel mehr, was man entblößt als mit kleinen Brüsten. Und ohne gut sitzenden Still-BH habe ich bei meinem ersten Baby sofort Milchstau und Brustentzündung bekommen. Diese Investition war also im Grunde die allerwichtigste überhaupt um stillen zu können.

    Viele Grüße,
    Sabrina

    Antworten
    • Liebe Sabrina! Danke für deinen Kommentar! Ja, mit großen Brüsten kann man spezielle Probleme haben beim Stillen. Neben dem, was du beschreibst gehört da auch das Anlegen zu, da eignet sich nicht jede der klassisschen Stillpositionen oder es braucht etwas mehr Hilfe. Danke für deinen Tipp mit dem Still-BH und der Stillkleidung – wir werden das auch in unseren Artikel zum Thema „Was braucht man zum Stillen“ aufnehmen.
      Viele Grüße,
      Anastasia vom Team Muttermilch 🙂 🤱🏼

      Antworten

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