Saugverwirrung – Was jetzt? 7 Tipps + ausführliche Infos

Vielleicht hast du gehört, dass es zu einer Saugverwirrung kommen kann, wenn du deinem Kind die Flasche oder einen Schnuller anbietest. Oder dein Baby verweigert die Brust, nachdem es eine Flasche oder einen Schnuller hatte – könnte das vielleicht eine Saugverwirrung sein?

Ein Baby an der Brust einer Frau, es wendet sich ab und schreit.
Dein Baby schreit und verweigert die Brust – hier könnte es sich auch um eine Saugverwirrung handeln.
Foto: Sunflower Light Pro / shutterstock.com

Viele Kinder haben kein Problem, zwischen Brust, Flasche und Schnuller hin- und herzuwechseln – manche aber eben doch.

In diesem Artikel erfährst du, ob es diese „bedrohliche“ wirkende Symptom überhaupt gibt, wie du eine Saugverwirrung erkennst, welche Gründe sie haben kann und wie du sie am besten behebst.

Zuerst liest du die 7 wichtigsten Fakten und dann, wenn du magst, die ganz ausführlichen Informationen.

Los geht’s!

Die 7 wichtigsten Fakten zur Saugverwirrung

Saugverwirrung – Was ist das überhaupt? Bei einer Saugverwirrung kann es dazu kommen, dass dein Baby die Brust nicht mehr akzeptiert. Dies geschieht vor allem dann, wenn es zwischendurch einmal oder häufiger die Flasche bekommen hat. Eine Saugverwirrung ist nicht ganz leicht zu behandeln.

Wie kommt es dazu? Das Trinken an der Brust ist ein komplexer Vorgang, für den sich dein Baby auch etwas anstrengen muss. Aus der Flasche zu trinken ist hingegen viel einfacher: die Milch kommt schnell und ohne große Mühe. Bei einer Saugverwirrung kommt es dann vor, dass dein Kind sich verwirrt und frustriert über die Anstrengung lauthals beschwert.

Was sind Risikofaktoren? Manche Kinder wechseln problemlos zwischen Flasche und Brust hin und her, andere haben es deutlich schwerer. Betroffen sind vor allem Kinder mit anatomischen oder muskulären Problemen im Mundbereich, vor allem, wenn sie nach der Geburt stationär behandelt werden mussten. Auch Auffälligkeiten im Bereich der Brustwarze (z. B. Flachwarzen) können zu einer Saugverwirrung beitragen. Meist findet man aber keinen speziellen Risikofaktor.

Woran erkenne ich eine Saugverwirrung? Das wohl auffälligste und oft stressigste Symptom einer Saugverwirrung ist, dass dein Baby die Brust zu verweigern scheint: Es schiebt die Brustwarze heraus, schreit, stößt sich ab. Oft kommt es aufgrund eines inkorrekten Anlegens zu Schmerzen und wunden Brustwarzen, die Brust bleibt voll, dein Baby hungrig.

Wie kann ich sie vermeiden? Am ehesten dadurch, dass du die Flasche meidest. Manchmal ist zufüttern von abgepumpter Muttermilch oder Formulanahrung jedoch nötig. Dann ist es sinnvoll alternative, stillfreundiche Zufütterungsmethoden auszuprobieren.

Was kann ich tun, wenn eine Saugverwirrung vorliegt? Am wichtigsten ist jetzt, Ruhe zu bewahren und für Entspannung zu sorgen. Viel Körperkontakt und Kuscheln, häufiges Anlegen schon dann, wenn dein Baby noch nicht allzu hungrig ist. Alle künstlichen Sauger (Schnuller, Fläschchen) möglichst weglassen. Prüfe die richtige Anlegetechnik und löse am Besten schon den ersten Milchspendereflex aus, ehe du anlegst, zum Beispiel durch eine Brustmassage. Manchmal kann es helfen, vor dem Stillen Stillhütchen auf die Brust aufzulegen.

Was mache ich, wenn die Maßnahmen nicht reichen? Bevor du abstillst oder dich noch weiter diesem großen Stress aussetzts, such dir Hilfe. Das kann deine Hebamme sein, eine Frauenärztin, die sich mit dem Stillen auskennt, oder eine professionelle Stillberaterin. Manchmal musst du in den sauren Apfel beißen und vorübergehend noch weiterhin zufüttern, auf stillfreundliche Weise oder eben mit der Flasche.

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Eine Frau holt einen Muttermilchbeutel aus dem Gefrierschrank.
Der Wechsel zwischen Flasche und Brust fällt nicht jedem Baby einfach. Gerade dann, wenn du längere Zeit die Flasche gegeben hast, ist es oft schwer, ein Baby wieder an die Brust zu gewöhnen.
Foto: Nor Gal / shutterstock.com

Was bedeutet überhaupt Saugverwirrung?

Eigentlich ist es einfach erklärt:

Wenn du deinem Baby eine Flasche anbietest, besteht die Gefahr, dass es hinterher nicht mehr an die Brust will.

Das ist im Prinzip schon alles. Und doch ist es ein bisschen komplizierter.

Fast alle Mütter in Deutschland wollen nach der Geburt stillen. Gute Idee: Muttermilch, und zwar direkt aus der Brust genossen, ist die gesündeste Ernährung für dein Kind im ersten Lebenshalbjahr.

Es gibt jedoch viele Situationen, wo du erwägst oder sogar erwägen musst, deinem Baby eine Flasche anzubieten:

  • Das Baby will oder kann in den ersten Lebenstagen nicht richtig an die Brust
  • Es nimmt nach der Geburt zu viel Gewicht ab
  • Du hast das Gefühl, dein Baby kriegt nicht genug Milch aus der Brust
  • Du möchtest oder musst wieder zur Arbeit gehen
  • Und viele mehr

Nun kann es sein, dass dir Hebammen, Stillberaterinnen oder sogar Freundinnen und Freunde Angst machen:

„Dann pass aber auf, dass dein Baby keine Saugverwirrung bekommt!“

Sie haben damit nicht ganz Unrecht – tatsächlich kann, wenn es schiefläuft, durch Flaschenfüttern (oder vielleicht sogar durch Schnuller?) eine Brustverweigerung entstehen.

Wir erklären dir jetzt, warum.

Wie der Saugreflex deines Babys funktioniert

Dein Baby ist evolutionär dazu ausgestattet, Milch aus deiner Brust zu trinken. Die genauen Vorgänge sind dabei sehr komplex: Dein Baby muss es schaffen, deine Brust und deine Brustwarze tief in den Mund zu nehmen, sie zu formen und „auszudrücken“ oder zu melken, auch wenn sich das vielleicht etwas komisch anhört.

Illustration einer Brust im Querschnitt mit Drüsengewebe, ein Baby nimmt die Brustwarze und das umgebende Gewebe in den Mund.
Ein Baby muss viel Brustgewebe in den Mund nehmen, es darf nicht nur an der Brustwarze saugen.
Illustration: Alila Medical Media / shutterstock.com

Trotz dieses Sauginstinkts gibt es eine Reihe Störfaktoren, die das effektive Trinken erschweren können, zum Beispiel die Form deiner Brust oder die Mundform deines Babys, Erkrankungen, usw. Hier drohen dann auch wunde Brustwarzen, wenn das Anlegen nicht ideal funktioniert.

Zudem solltest du wissen, dass dein Baby deine Brust nicht wie mit einem Strohhalm „ausschlürft“:

Der Milchspendereflex, der immer erst nach einigen Minuten Saugen ausgelöst wird, presst die Milch aus der Tiefe deiner Brust nach vorne und in den Babymund. Würde der Milchspendereflex nicht funktionieren, würde dein Baby niemals genug Milch bekommen.

Und bei der Flasche?

Den meisten Kindern fällt es deutlich leichter, aus der Flasche zu trinken. Nicht nur geht es sofort los – es ist kein Milchspendereflex nötig – der Milchfluss ist auch kontinuierlich, es gibt kaum Widerstand.

Manche Babys gewöhnen sich sehr schnell an diese Form des Trinkens: Die Milch kommt einfach, ohne besondere Anstrengung.

Sie dann aber wieder an die Brust zu gewöhnen, wo sie viel mehr für die Milch „arbeiten“ müssen, kann viele Babys frustrieren. Sie schreien die Brust an, beschweren sich so lange, bis sie wieder die Flasche bekommen.

Und das nennt man Saugverwirrung. Dein Baby „verlernt“, wie es aus der Brust trinkt bzw. akzeptiert einfach nicht, dass es so mühselig ist. Es ist dabei nicht wirklich „verwirrt“, sondern es zeigt einfach eine Präferenz für das Trinken aus der Flasche.

Gibt es Saugverwirrung wirklich?

Viele Kinder können problemlos zwischen Flasche und Brust hin und herwechseln, andere haben damit deutlich größere Probleme.

Betroffen sind zum Beispiel Kinder, die nach der Geburt auf der Säuglingsstation behandelt wurden, die früh an Stillhütchen gewöhnt wurden oder die ein Zungenbändchen oder andere anatomische oder muskuläre Probleme im Mundbereich haben. Aber auch Kinder ohne offensichtliche Risikofaktoren können eine Saugverwirrung entwickeln.

Auf der mütterlichen Seite scheinen es vor allem Mamas mit Hohl- oder Flachwarzen zu sein, deren Babys Probleme beim Wechsel zwischen Brust und Flasche haben.

Es ist nicht immer ganz klar, ob dabei wirklich das Wechseln den Auslöser darstellt, oder die vermeintlich von einer Saugverwirrung betroffenen Kinder ohnehin ganz andere Probleme hatten.

Eine große Untersuchung (Zimmerman et al) hat nachgeschaut, wie viel eigentlich zu dem Thema geforscht wurde und zu welchen Ergebnissen diese Studien kamen: Und tatsächlich gibt es mehrere Studien, die die Existenz der klassischen Saugverwirrung bei „Flaschenkindern“ zu bestätigen scheinen.

Gibt es auch eine Saugverwirrung durch Schnuller?

Die gleiche Metaanalyse, die wir oben schon zitiert haben, kommt zu dem Ergebnis, dass eine Saugverwirrung durch Schnuller unwahrscheinlich ist. Allerdings können Schnuller, besonders, wenn sie zu früh eingesetzt werden, zu ganz anderen Problemen führen.

Wichtig ist, dass du früh lernst, die Hungerzeichen eines Säuglings zu erkennen und eben nicht bei kleiner Unruhe direkt den Schnuller zu geben.

Saugverwirrung durch Finger?

Immer wieder liest man auch, dass das Saugen am Finger (sowohl am Finger der Mutter, als auch am eigenen Babyfinger) zu Saugverwirrung führen kann. Und das sogar schon vor der Geburt, wenn das Baby am eigenen Daumen nuckelt!

Hierfür gibt es keinen Hinweis, aber unseres Wissens auch keine Studie, die der Frage nachgeht. Persönlich halten wir eine Saugverwirrung durch Finger (genau wie durch den Schnuller) für eher unwahrscheinlich, auch beim Fingerfeeding.

Die Rolle der Stillhütchen

Kinder, die es gewöhnt sind, nur mit Stillhütchen zu trinken, können tatsächlich Probleme damit bekommen, wenn die Brust dann ohne Stillhütchen angeboten wird. Das ist aber keine klassische Saugverwirrung. Das Problem ist eher, dass die Babys die Brust dann nicht richtig fassen können.

Trotzdem sollten Stillhütchen nur mit Bedacht eingesetzt werden, da sie statistisch gesehen zu einem früheren Abstillen führen. Es ist schwer sie abzugewöhnen, also solltest du nur damit anfangen, wenn es wirklich sein muss.

Foto eines Stillhütchens
Hilfsmittel für Sonderfälle, nicht für die Routine: Das Stillhütchen.
Foto: Bespaliy / shutterstock.com

Zusammenfassung

Im Prinzip ist es für dich egal, was die Forschung sagt. Wichtig ist nur zu wissen:

Wenn dein Baby nicht gut an die Brust will, bist du definitiv nicht allein mit dem Problem (mitunter heißt es sogar, bis zu 20% aller Neugeborenen seien von Saugverwirrung betroffen).

Ob dafür die zusätzlich gegebene Flasche der Auslöser war, oder nicht, ist nicht so relevant:

Relevant ist nur, dass du eine Lösung findest.

Anzeichen für eine Saugverwirrung

Wie äußert sich eine Saugverwirrung und woran kannst du erkennen, dass dein Baby „verwirrt“ sein könnte?  Es gibt eine Reihe typischer Symptome, und zwar:

  • Dein Baby hat Probleme, die Brust zu fassen: Es schiebt die Brustwarze heraus oder öffnet den Mund nicht weit genug, um genug Brustgewebe in den Mund zu kriegen. Dass es nicht gut angelegt ist, merkst du auch daran, dass es zum Beispiel Grübchen in den Wangen bildet oder klickende, schmatzende oder „schnalzende“ Geräusche beim Trinken macht.
  • Schmerzen beim Stillen: Wenn dein Baby, wie oben beschrieben nicht richtig angelegt ist, kannst du wunde Brustwarzen bekommen, die furchtbar weh tun können.
  • Deine Brust bleibt voll: Dein Baby entleert die Brust nicht ausreichend und es bleibt zu viel Milch darin, sodass sie sich nicht schön „leer“ anfühlt nach einer Stillmahlzeit. Das wiederum kann zu einem Milchstau führen, außerdem ist das Risiko einer Brustentzündung erhöht.
  • Dein Baby verweigert die Brust: Oft funktioniert das Stillen nicht nur schlecht, sondern gar nicht: Dein Baby schreit die Brust an, stößt sich ab, überstreckt sich. Es fällt dir schwer, es überhaupt mal länger als ein paar Sekunden zu stillen ehe es, scheinbar frustriert, wieder aufgibt.

Eine Saugverwirrung tritt oft in den ersten Wochen nach der Geburt auf. Und als hättest du nicht schon genug mit dir und deinem Körper zu tun, kommen nun auch noch diese überaus stressigen Symptome dazu.

Es wäre also überaus hilfreich, es gar nicht erst zu einer Saugverwirrung kommen zu lassen, und wenn sie denn auftritt, sie möglichst schnell wieder loszuwerden. Dem widmen wir uns jetzt.

Saugverwirrung vermeiden

Die wichtigste Maßnahme, um eine Saugverwirrung zu vermeiden, ist die Flasche zu vermeiden. In der Regel wird empfohlen, frühestens nach vier, besser erst nach sechs Wochen die Flasche einzuführen.

In diesen ersten Wochen geschehen die meisten Bewegungen beim Baby noch reflexartig, erst nach und nach werden diese Reflexe durch „bewusste“ Bewegungen ersetzt. Hat dein Baby in den ersten sechs Wochen durch eine gute Anlegetechnik gelernt, richtig zu trinken, wird es sich später auch nicht durch die ein oder andere Flasche „verwirren“ lassen.

Am allerbesten ist es, die Flasche im ersten halben Jahr gar nicht einzuführen, so wie es auch die WHO empfiehlt. Aber uns ist klar, dass das nicht immer der Lebensrealität entspricht. Trotzdem sind auch wir der Meinung: Wenn es sein muss, dann so spät wie möglich.

Stillfreundliches Zufüttern

Manchmal muss in den ersten Tagen oder Wochen tatsächlich Milch zugefüttert werden. Das ist dann idealerweise abgepumpte Muttermilch, manchmal lässt sich auch eine Pre-Nahrung nicht umgehen.

Unter anderem um eine Saugverwirrung zu verhindern, gibt es aber verschiedene Maßnahmen, stillfreundlich zuzufüttern: Das ist zum Beispiel das Finger-Feeding, das Bechern oder sogar das Füttern mit dem Löffeln. Auch spezielle stillfreundliche Flaschen gibt es auf dem Markt.

Illustration einer Frau, deren Baby an der Brust trinkt, sie füttert Milch mit einer Spritze dazu.
Es gibt viele Möglichkeiten, stillfreundlich zuzufüttern. Zum Beispiel mit einer Spritze direkt an der Brust. Dies kann eine durch die Flaschenfütterung drohende Saugverwirrung vermeiden.

Solltest du in den ersten Tagen und Wochen also zufüttern sollen, obwohl du eigentlich voll und lange stillen willst:

  • Frag, ob es wirklich nötig ist
  • Frag, ob dir jemand zeigen kann, wie du stillfreundlich zufüttern kannst.

Saugverwirrung beheben

Nun hast du also den Verdacht, dass bei deinem Baby eine Saugverwirrung besteht – was kannst du jetzt tun?

Du musst zwei Dinge tun: Erstens, dafür sorgen, dass ihm das Trinken an der Brust so leicht wie möglich fällt und zweitens, so viel Entspannung und so wenig Frust wie möglich bieten – sowohl für dich, als auch für dein Baby.

Dazu bietet sich folgendes an:

  • Entspann dich: Es bringt wenig, sich zu viel Stress zu machen. Die Situation ist erstmal, wie sie ist und wird sich wahrscheinlich nicht beim ersten Versuch lösen. Aber: Dein Kind wird auch nicht verhungern. Vorübergehend die Flasche zu geben (vor allem mit abgepumpter Milch) ist zwar nicht das, was du dir gewünscht hast, aber auch keine Katastrophe. Eine Saugverwirrung zu beenden kann mühselig sein, aber fast immer lohnt sich die Mühe.
  • Entspannt euch: Zieh dich mit deinem Baby ein bisschen in eure Wohnung zurück. Mach entspannt, übergib die Hausarbeit an deinen Partner, lade unwichtige Leute aus, sage unwichtige Termine ab – nimm dir Zeit für euch. Liegt viel im Bett herum, kuschelt, habt viel Haut-zu-Haut-Kontakt. Wenn dein Baby schon ganz doll weint, sodass es gar nicht an die Brust will, versuch es erst, auf andere Weise zu beruhigen. Kuschel es, schunkle es, trag es herum, sing ihm was vor – es muss nicht immer Hunger sein, der zum Weinen führt.
  • Leg den Schnuller beiseite: Dass Babys Schnuller mögen liegt daran, dass sie ein natürliches Saugbedürfnis haben. Das Schnullern beruhigt sie. Versuch in dieser Zeit möglichst häufig auf den Schnuller zu verzichten und biete stattdessen den natürlichsten Sauger der Welt an: Deine Brust.
  • Leg häufig an: Wenn ihr viel Zeit miteinander verbringt, ergeben sich viel mehr Möglichkeiten auch dann zu stillen, wenn der Hunger und der Frust noch klein sind. Leg beim ersten Anzeichen von Unruhe oder „Stillinteresse“ an. Warte nicht darauf, bis es vor Hunger brüllt. Überfüttern kannst du dein Baby nicht. Gerade dösende Kinder im Halbschlaf nehmen lieber die Brust, auch wenn sie es sonst eigentlich gerade nicht so gerne wollen.
  • Lös den Milchspendereflex aus: Saugverwirrte Babys sind schnell frustriert, wenn die Milch nicht sofort fließt. Der Milchspendereflex lässt aber immer einige Minuten auf sich warten. Zum Glück kannst du ihn selbst auslösen: Massiere deine Brust (oder pumpe kurz ab) und leg dein Baby erst dann an die Brust an, wenn die Milch automatisch herauskommt. Wenn es sich initial nicht anstrengen muss und die Brustwarze auch schon nach Milch schmeckt, ist die Frustrationsgefahr viel geringer.
  • Erleichtere das Trinken durch die richtige Anlegetechnik: Lass dir die richtige Art und Weise zeigen, wie du dein Kind am besten anlegst und worauf du achten musst. Forme die Brust im C-Griff, damit dein Baby besser andocken kannst und auch die Milch schneller fließt.
  • Benutz ein Stillhütchen: Wenn diese allgemeinen Maßnahmen nicht helfen, kann ein Stillhütchen eventuell dazu beitragen, dass dein Baby die Brust wieder besser akzeptiert. Stillhütchen sind nicht unumstritten und sollten mit Bedacht angewendet werden.
  • Brusternährungsset: Auch das Brusternährungsset, das du dir selber basteln oder von Medela „fertig“ kaufen kannst, kann helfen, dein Kind wieder an die Brust zu bekommen. Durch einen kleinen Schlauch an der Brustwarze und abgepumpter Milch erhöhst du damit den Milchfluss, sodass sich dein Baby weniger anstrengen muss, an die Milch zu kommen.

Das alles hilft nichts – was jetzt?

Manchmal reichen die genannten Maßnahmen einfach nicht aus, dein Baby wieder an die Brust zu bekommen. Das kann megafrustrierend sein und dich auch sehr traurig machen.

Mach dir noch einmal bewusst, dass du (solange dein Baby auf andere Weise genug Nahrung bekommt) keine akute Gefahr für dein Baby besteht. Vielleicht kannst du eine Weile stillfreundlich zufüttern, oder vielleicht braucht dein Kind auch nochmal häufiger die Flasche mit abgepumpter Milch oder sogar Pre-Nahrung. Mach dir auch klar, dass dein Baby nicht dich ablehnt, sondern die Brust. Und es wird dich auch nicht weniger liebhaben, nur weil du weniger stillst, als du eigentlich möchtest.

Wenn du nicht weiterweißt, aber gerne weiterstillen möchtest, dann ist es Zeit, dir Hilfe zu holen. Frag deine Hebamme oder Frauenärztin, oder aber direkt eine professionelle Stillberaterin, die eure individuelle Situation betrachtet und dir wertvolle Tipps geben kann, wie das Stillen doch bald wieder problemlos klappt.

Quellen

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26181720/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30928831/
Wambach, Spencer, „Breastfeeding and Human Lactation“, Jones & Bartlett Learning, 6th edition 2021
Lawrence & Lawrence, „Breastfeeding – A guide for the medical profession“, Elsevier, 9th edition, 2022
Mohrbacher, „Breastfeeding Answers“, 2nd edition, 2020
Deutscher Hebammenverband, „Praxisbuch: Besondere Stillsituationen“, Hippokrates, 1. Auflage, 2012

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