Pfefferminztee in der Stillzeit verboten? Nun mal langsam…

Fast jede stillende Mama weiß heutzutage: Salbei und Pfefferminze – in der Stillzeit absolut verboten, illegal, gefährlich, geradezu angsteinflößend für die Milchbildung: „Pfefferminztee reduziert die Muttermilch!“, heißt es oft.

Aber stimmt das? Oder ist das nur eine Mund-zu-Mund weitergegebene Geschichte, von der keiner weiß, woher sie stammt?

Problemlos genießen oder lieber verzichten? Pfefferminztee in der Stillzeit wird von vielen als milchhemmend angesehen. Ob es stimmt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.
Foto: Vaclav Mach/shutterstock.com

Wir erklären dir, warum du dir keine Sorge machen musst, wenn du mal eine Tasse Pfefferminztee getrunken hast und warum du trotzdem Vorsicht walten lassen solltest.

Los geht’s!

Die absolute Kurzfassung für Eilige:

Falls du nichts weiter lesen willst, als das Allerwichtigste –

Niemand kann dir sicher sagen, ob Pfefferminztee wirklich bei vielen Frauen abstillend wirkt. Es gibt nämlich keine einzige Studie, die den Effekt belegt hat.

Trotzdem wird die Minze schon seit langer Zeit zur Verringerung der Milchmenge eingesetzt – in manchen Ländern trinken Mütter allerdings Pfefferminztee, um die Milchmenge zu steigern.

Möglicherweise geht die verbreitete Meinung, dass Pfefferminztee die Milchmenge reduziert oder gar abstillend wirkt, auf Anekdoten, vermischt mit einem Placebo-Effekt zurück. Auszuschließen ist diese Wirkung aber nicht, da eben auch dafür Studien fehlen. Es kann auch sein, dass manche Frauen tatsächlich eine Wirkung spüren, andere aber nicht.

Ganz pragmatisch #1: Wenn du aus Versehen Pfefferminztee getrunken, oder ein anderes Lebensmittel oder Getränk mit Minze zu dir genommen hast, bleib ganz ruhig. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die einmalige Einnahme zu drastischen Veränderungen führt. Beobachte die Situation, leg viel an oder pump viel ab und such dir frühzeitig Hilfe, wenn die Milch längere Zeit schlechter fließt.

Ganz pragmatisch #2: Wenn du auch in der Stillzeit nicht auf Pfefferminztee verzichten möchtest, starte mit ganz kleinen Dosen (zum Beispiel ein Blatt auf eine große Tasse heißes Wasser) und schau, ob sich etwas tut. Dann kannst du die Dosis langsam erhöhen.

Soviel zu unserer Zusammenfassung. Wenn du mehr wissen willst – lies weiter 😉

Ursache und Wirkung

Du kennst das Problem vielleicht selbst: Du denkst an einen lange vermissten Freund – und nur einen Tag später triffst du ihn in der Fußgängerzone! Ist das Bestimmung? Hat das Denken allein dazu geführt, dass du deinen Freund wiedertriffst?

Wahrscheinlich nicht. Menschen haben ein großes Problem damit, von selbst Ursachen und Wirkungen zulässig miteinander zu verknüpfen – sowohl in die eine Richtung („Weil ich an ihn gedacht habe, habe ich ihn getroffen!“) als auch in die andere („Ich kenne keinen rassistischen Polizisten, also kann es auch keinen geben!“).

Und so ähnlich könnte es mit der Minze in der Stillzeit sein:

Vielleicht haben einige Frauen nach einem Glas Pfefferminztee bemerkt, dass ihre Milch zurückgegangen ist und sie haben sich gefragt: Kann das an der Minze liegen?

Oder aber es gibt tatsächlich einige Frauen, bei denen Pfefferminz zu einer Verringerung der Milchbildung führt.

Und das hat sich dann rumgesprochen und zu einer Art großem Placebo-Effekt geführt – plötzlich haben ganz viele Frauen, das Gefühl, dass sich die Milch durch Minze reduziert. Die Milchmenge ist ohnehin abhängig von ganz vielen Faktoren – und nicht immer ist sie tatsächlich reduziert, wenn man es denkt.

Das Problem ist: Man weiß es nicht genau

Man weiß es nicht genau, weil Minze und Pfefferminztee und deren Wirkung auf die Milchmenge nie in Studien untersucht wurden. Das ist leider mit vielen Medikamenten und Lebensmitteln so: Studien an Stillenden sind schwierig und aufwändig, teuer und oft wenig lohnend für die Wissenschaftlerinnen.

Nun könnte man sagen: Wenn doch aber so viele Hebammen und Ärztinnen und andere Menschen sagen, man solle lieber verzichten – muss dann nicht was dran sein?

Es kann was dran sein. Wenn man allerdings so argumentieren würde, würde man wohl noch heute davon ausgehen, dass Neugeborene keine Schmerzen spüren und ohne Schmerzmittel an ihnen herumoperieren (das hat man noch bis in die 80er Jahre hinein getan).

Die Lösung: Abwägen und testen.

Wenn du also gerne Pfefferminztee trinkst, musst du abwägen: Nimmst du das geringe Risiko, dass der Tee die Milchbildung zu stark drosselt in Kauf?

Ganz pragmatisch könntest du vorgehen, wenn du mit einer geringen Menge startest. Zum Beispiel ein Pfefferminzblatt auf eine große Tasse oder Kanne Tee. Wenn du nichts merkst, erhöhst du einfach die Dosis nach und nach.

Möglicherweise kannst du dann ganz wie gewohnt Pfefferminztee trinken, ohne einen negativen Effekt zu bemerken, wie viele andere Stillende auch.

Häufige Fragen

Pfefferminztee zum Abstillen nutzen?

Es gibt viele Wege, schnell oder langsam abzustillen.

Falls du – aus welchem Grund auch immer – vorhast, den Prozess zu beschleunigen, kannst du es natürlich auch mit Pfefferminztee probieren.

Wichtiger ist jedoch, dass du tatsächlich weniger stillst. Dein Körper merkt (durch Kommunikation zwischen deiner Brust und dem Gehirn), dass keine Milch mehr benötigt wird und drosselt die Produktion von ganz allein.

Minze oder andere Kräuter (meist benutzt man Salbei) können dabei höchstens unterstützend wirken.

Bei zu viel Milch

Manche Frauen wollen gar nicht abstillen, haben aber zu viel Milch. Hier kann auch Pfefferminztee zur Reduzierung der Milchmenge getrunken werden, aber wie oben beschrieben ist es unklar, ob das einen durchschlagenden Erfolg hat – es wird wenn, dann wohl höchstens unterstützend wirken. Mehr Infos zu dem Thema findest du in unserem Artikel zu zu viel Milch.

Ich habe aus Versehen Pfefferminztee getrunken, was jetzt?

Keine Panik. Dass ein einzelner Pfefferminztee – oder ein Bonbon, Kaugummi, usw – einen starken Einfluss auf die Milchmenge hat, ist sehr unwahrscheinlich. Wichtig ist, dass du weiterhin stillst (oder abpumpst) und die Situation beobachtest. Hast du wider Erwarten das Gefühl, als würde die Milch weggehen, such dir rasch Unterstützung durch deine Hebamme oder eine Stillberaterin.

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