Was ist eigentlich der Milcheinschuss? + Hilfe bei Problemen

Der Milcheinschuss wird von vielen Müttern heiß erwartet. Wenn die Muttermilch endlich fließt, ist es für viele Mamas eine Erleichterung.

Nahaufnahme eines Kindes, das wenige Minuten oder Stunden an der Brust der Mutter trinkt - lange vor dem Milcheinschuss.
Direkt nach der Geburt kommt noch nicht viel Milch – das ändert sich erst mit dem Milcheinschuss.
Foto: Arlee.P/shutterstock.com

Aber wie lange musst du auf den Milcheinschuss warten? Wie fühlt er sich an? Kannst du ihn fördern? Und was tust du, wenn die Brust zu stark anschwillt und plötzlich schmerzt?

All das (und einiges mehr) erfährst du in diesem Artikel.

Los geht’s!

Was ist überhaupt der Milcheinschuss?

Schon vor dem Milcheinschuss, meist sogar schon lange vor der Geburt (etwa in der 16. Schwangerschaftswoche), produziert deine Brust bereits Muttermilch: Das sogenannte Kolostrum, die Vormilch.

Diese Vormilch reicht in der Regel locker aus, um dein Baby in den ersten Lebenstagen mit ausreichend Flüssigkeit, Energie und Nährstoffen zu versorgen. Das Stillen ist also auch vor dem Milcheinschuss schon wichtig!

In einer Flasche sind links Kolostrum (Vormilch) und rechts reife Milch zu sehen. Der Milcheinschuss beschreibt die starke Vermehrung der Milch wenige Tage nach der Geburt
Kolostrum (links) und reife Muttermilch (rechts).
Diese Menge Kolostrum wäre am ersten Tag nach Geburt schon eine reife Leistung, häufig gelingt es nur wenige Tropfen auszustreichen

Mit der Geburt ändert sich in deinem Hormonhaushalt einiges: Durch den starken Abfall des „schwangerschaftserhaltenden“ Hormons Progesteron und den Anstieg des „Milchhormons“ Prolaktin kriegt dein Körper das Signal:

Es ist soweit! Luken auf! Die Frau muss stillen, das Baby braucht Milch!

Die Zusammensetzung der Milch ändert sich und es kommt zum kräftigen Milcheinschuss – deine Brüste füllen sich und es fließt endlich reichlich Milch.

Ein Diagramm das den Verlauf des Prolaktins in der Schwangerschaft und Stillzeit anzeigt
Das Prolaktin steigt in der gesamten Schwangerschaft an und sorgt u. a. für den Aufbau der Brustdrüsen – es bereitet das Stillen also (mit) vor! Die eigentliche Milchbildung geschieht aber erst nach der Geburt, wenn das Progesteron, das die Plazenta (Mutterkuchen) abgibt, es nicht länger verhindert.

Es ist übrigens nicht so, dass die Brüste nur deshalb „voll“ werden, weil sie voll mit Milch sind. Stattdessen steigt auch die Durchblutung und die Lymphgefäße füllen sich.

Manche Frauen verwechseln den Milcheinschuss mit dem Milchspendereflex – das ist der Reflex, der beim Stillen (oder Abpumpen) alle paar Minuten dafür sorgt, dass die Milch aus deiner Brust heraus „schießt“.

Symptome und Anzeichen

Eigentlich ist „Milcheinschuss“ kein besonders gutes Wort, für das, was gerade in deinen Brüsten passiert: Da schießt ja nichts, und es knallt auch nicht.

Die Amerikaner sagen meist, „the milk comes in“, also die Milch kommt herein, was ein bisschen sanfter klingt.

Dadurch, dass die Milch hereinkommt und sich auch die Blut- und Lymphgefäße in deiner Brust füllen, werden deine Brüste groß und prall. Oft schwellen sie so stark an, dass es zu einer richtiggehenden Brustdrüsenschwellung kommt, die sogar schmerzhaft sein kann.

Beim Milcheinschuss können die Brüste warm werden, auch deine Körpertemperatur kann ansteigen. Fieber solltest du allerdings nicht bekommen.

Es können sich harte Stellen oder sogar Knoten bilden, oft fühlt sich die Brust auch insgesamt hart und fest an.

Diese Frau erwartet ihr zweites Kind. Bis zur 18. Schwangerschaftswoche hat sie keine sichtbaren Veränderungen an der Brust festgestellt. Vor allem zwischen der 20. und 30. Woche bemerkte sie ein deutliches Wachstum, in den letzten zehn Wochen vor Geburt hat sich aber nicht mehr viel verändert. Wenige Tage vor Geburt konnte sie einzelne Tropfen Kolostrum ausstreichen. Nach der Geburt war reichlich Vormilch vorhanden, ehe etwa 48 Stunden nach Ende ihrer Schwangerschaft der Milcheinschuss für eine deutliche Volumenzunahme sorgte.

Nicht bei allen Frauen sind die Anzeichen für den Milcheinschuss so eindeutig. Erkennen solltest du ihn aber immer daran, dass mehr Milch fließt als in den Tagen zuvor. Milch, die meist auch wässriger und weniger „rahmig“ ist als das Kolostrum der ersten Tage.

Nicht nur bei dir bringt der Milcheinschuss eine Veränderung mit sich: Der Stuhlgang deines Babys verändert sich. Das Mekonium geht langsam in den Übergangsstuhl und schließlich in den Muttermilchstuhl über.

Wann kommt er (endlich)?

In den meisten Fällen tritt der Milcheinschuss nach der Geburt binnen etwa 48-72 Stunden auf. Beim zweiten Kind geht es oft rascher, nicht selten aber dauert es deutlich länger, bis die Brust praller wird und die Milch richtig fließt.

Manche Mütter berichten, den Milcheinschuss vor Geburt schon deutlich zu spüren, wobei es sich hierbei in den meisten Fällen um die Vormilch handelt, die auch spontan austreten kann.

Wenn der Milcheinschuss später als nach 72 Stunden noch nicht aufgetreten ist, spricht man von verzögertem Milcheinschuss.

Leider ist ein verzögerter Milcheinschuss mit einem etwas höheren Risiko für stärkeren Gewichtsverlust beim Baby, mit häufigerem Zufüttern von Flaschennahrung und längerer Gesamtstilldauer verknüpft.

ABER:

Mach dir nicht zu viele Sorgen, wenn dein Milcheinschuss nach 72 Stunden noch nicht da ist.

Dein Milcheinschuss kommt nicht?

In einer großen Untersuchung an über 500 Frauen konnte festgestellt werden, dass der durchschnittliche Zeitpunkt des Milcheinschuss erst nach 68 Stunden war. 44 % der Frauen hatten in dieser Studie einen verzögerten Milcheinschuss.

Es gibt einige Risikofaktoren, die zu einem verzögerten Milcheinschuss führen können:

  • Es handelt sich um deine erste Geburt bzw. dein erstes Kind
  • Du bist bereits über 30 Jahre alt
  • Der vielleicht wichtigste Punkt: Der verzögerte Milcheinschuss nach Kaiserschnitt
  • Du hast Diabetes mellitus (Typ I oder II)
  • Schmerzstillende Maßnahmen während der Wehen
  • Du hast deutliches Übergewicht
  • Viel Stress
  • Bei dir hat eine Brustoperation stattgefunden
  • und einige mehr

Um deinen Milcheinschuss zu fördern und zu beschleunigen, gibt es nicht viele Mittel, aber ein paar sehr wichtige:

  • Leg dein Baby regelmäßig an
  • Lass dich von einer Krankenpflegerin im Krankenhaus oder einer Hebamme, oder einer Still- und Laktationsberaterin beraten, ob du richtig anlegst oder ob es andere Gründe gibt, dass dein Baby die Brust nicht richtig entleert
  • Beachte den Gewichtsverlauf: sollte dein Baby mehr als 7% seines Gewichtes verlieren, sprich ebenfalls mit einer Ärztin, Hebamme oder Stillberaterin

Das regelmäßige und richtige Anlegen kann den Milcheinschuss nicht direkt provozieren. Aber es kann dabei unterstützen, dass genug Muttermilch da ist, sobald sie einschießt.

Aus unserer Sicht sehr wichtig ist es, dass du versuchst, stillfreundlich zuzufüttern, falls eine Zufütterung bei dir nötig ist.

Wie lange hält er an?

Hin und wieder fragen sich Frauen, mit welcher Dauer des Milcheinschusses sie zu rechnen haben – denn er kann manchmal recht unangenehm sein!

Die gute Nachricht: Meist ist der eigentliche Milcheinschuss nach ein paar Tagen wieder vorbei, in der Regel nach etwa 8 Tagen. Die Brust wird dann meist wieder etwas weicher und die starke Brustdrüsenschwellung geht zurück.

Und von jetzt an ändert sich dann nicht mehr viel – nach der Zeit der Vormilch, der kurzen Phase der Übergangsmilch und dann dem Milcheinschuss stillst du jetzt mit reifer, gesunder Muttermilch – und zwar so lange, wie du und das Kind wollen.

Schmerzen beim Milcheinschuss

Der Milcheinschuss kann weh tun.

Durch die starke Schwellung ist die Brust hart und schmerzt, oft ist sie überwärmt. Zwar ist das nicht per se gefährlich, aber eine zu starke Schwellung kann deinem Baby Probleme machen, an die Brust zu gehen und außerdem dazu führen, dass sich die Brust selbst abstillt.

Bei deutlich schmerzenden Brüsten, sehr starker Schwellung und wenn dein Kind nicht richtig an die Brust kann, solltest du tätig werden.

Zwei Wassermelonen als Sinnbild für die deutliche Zunahme der Brüste beim Milcheinschuss
Es ist nicht nur Milch, die beim Milcheinschuss für pralle Brüste sorgt – auch die Durchblutung steigt, die Lymphgefäße füllen sich.
Foto von Roberto Huczek auf Unsplash

Folgende Tricks können helfen, Schmerzen beim Milcheinschuss zu lindern:

  • Kohlblätter: Der Klassiker ist das Auflegen von Weißkohl auf die Brust. Du kannst die einzelnen Kohlblätter kühlen, oder einfach so anwenden. Durch das Kühlen können der Schmerz sich bessern, auch die Schwellung kann unter Umständen zurückgehen. Manche sagen auch, der Kohl habe eine antientzündliche Wirkung. Spar beim Auflegen die Brustwarzen und den Vorhof auf, da Geschmack und Geruch deinem Baby missfallen könnten.
  • Quark oder Quarkwickel: Du kannst dir Quark direkt oder noch besser als Quarkwickel auf die Brust legen. Neben der kühlenden Wirkung auch hier wird dem Quark eine antientzündliche und abschwellende Wirkung nachgesagt.

Wie macht man einen Quarkwickel? Hierfür nimmst du einfach ein sauberes Stofftuch, beschmierst es mit einer dünnen Schicht Quark (z. B. 0,5 cm) und schlägst das Tuch zusammen, damit der Quark keinen direkten Körperkontakt hat. Du kannst dich dann auf den Rücken legen und den Quarkwickel direkt auf die Brust legen.

  • Akupunktur: Akupunktur kann eventuell helfen, einen übermäßigen Milcheinschuss zu verringern. Solltest du sowieso eine Akupunkteurin regelmäßig sehen, schadet es nicht, sie darauf anzusprechen.
  • Spezielle Brustmassagen: Es gibt Massagetechniken, die unter Umständen bei zu starkem Milcheinschuss helfen können. Diese nennen sich „Gua Sha“ und „Oketani“-Massagen. Leider wirst du wahrscheinlich niemanden finden, der diese durchführen kann. Abzuraten ist auf jeden Fall davon, dass du selbst an der Brust herumdrückst, da du die Symptome noch verschlimmern kannst.

Leider gibt es für keine dieser Maßnahmen eine echte „Evidenz“, das heißt, dass nie eindeutig in Studien geklärt wurde, ob sie wirklich helfen. Schaden tun sie aber wahrscheinlich nicht.

Das wichtigste ist, dass dein Baby möglichst häufig an der Brust ist und dich dabei unterstützt, die Brust zu leeren. Alternativ kann auch Abpumpen helfen, die Beschwerden zu lindern. Möglichst häufig heißt hier übrigens nicht: Alle 4 Stunden stillen, und dann das Baby schlafend zur Seite legen. Möglichst häufig heißt:

8 bis 12 Mal täglich stillen.

Minimum.

Gerade wenn die Brust bereits sehr geschwollen ist, ist es mitunter schwierig für dein Baby, genug Brust in den Mund zu bekommen. Hier kann es helfen, vor dem Stillen Muttermilch auszustreichen oder abzupumpen.

Wenn du eine Stillberaterin hast, kann dir diese vielleicht die Reverse Pressure Softening Technique zeigen, die jedoch mit Bedacht und am besten nur durch Profis anzuwenden ist.

Kann ich den Milcheinschuss verhindern?

Wenn du von Anfang an weißt, dass du dein Kind nicht stillen möchtest oder kannst, liegt es nahe, den Milcheinschuss zu verhindern. Es ist allerding nichts ganz einfach, ihn zu stoppen oder komplett zu vermeiden.

Durch das Zusammenspiel der Hormone kommt es einige Tage nach der Geburt unweigerlich zum Milcheinschuss, selbst wenn du dein Kind nicht stillst. Oft ist das sogar der Fall, wenn die Geburt deutlich zu früh aufgetreten ist.

Wenn du dich gegen das Stillen entscheidet oder entscheiden musst, wird dir deine Ärztin häufig Medikamente verschreiben, manchmal kommt es aber trotz Abstilltabletten zum Milcheinschuss.

Dir bleibt dann leider nicht viel übrig, als die üblichen Maßnahmen des Abstillens einzuhalten, allen voran, einfach nicht zu stillen oder abzupumpen. Spätestens am Ende des Milcheinschusses, also nach etwa 8 Tagen, verringert sich durch die mangelnde Nachfrage die Milchmenge sowieso und endet schließlich.

Wenn du von Anfang an weißt, dass du nicht stillen kannst oder möchtest, solltest du deinen Wunsch schon früh mit deiner Hebamme oder Frauenärztin besprechen. Auch wenn du dich in den ersten Tagen nach der Geburt dazu entschließt, solltest du professionelle Hilfe oder Beratung in Anspruch nehmen.

Andere häufige Fragen

Ist der Milcheinschuss ein Anzeichen für die nahende Geburt?

Jein. Oft schwillt die Brust in den Tagen vor der Geburt schon an, und hin und wieder tritt Vormilch (Kolostrum) aus. Dies wird von manchen Geburtshelferinnen als ein mögliches Anzeichen der nahenden Geburt angesehen. Es handelt sich hierbei aber nicht um den „echten“ Milcheinschuss, der nach der Geburt durch den Abfall des Progesterons eintritt.

Was ist ein „Zweiter Milcheinschuss“?

Manchmal fragen sich Frauen, ob sie wenige Wochen nach der Geburt einen zweiten Milcheinschuss haben, weil die Brüste wieder prall und fest, manchmal schmerzhaft werden. Ein Milcheinschuss im klassischen Sinne ist das dann nicht, da dieser auf dem Wechsel des Hormonhaushaltes nach der Geburt beruht. Eher handelt es sich um ein anderes Phänomen, zum Beispiel einen Milchstau, der von einer Ärztin, Hebamme, oder Stillberaterin begutachtet werden sollte.

Milcheinschuss ohne Schwangerschaft?

Es gibt zwei Möglichkeiten, dass es auch ohne Schwangerschaft und Geburt zu einer Art „Milcheinschuss“ kommt – der erste ist die „induzierte Laktation“, wo durch häufiges Anlegen des Kindes oder Abpumpen auch ohne Schwangerschaft eine Milchproduktion aufgebaut wird (das klappt übrigens unter Umständen auch bei Männern). Sollte das bei dir nicht der Fall sein, und deine Brust plötzlich Milch produzieren, kann es sich z. B. um eine hormonelle Störung handeln, die unbedingt von einer Ärztin abgeklärt werden sollte.

Quellen

  • Wambach, Watson Genna, Anatomy and Physiology of Lactation, in: Wambach, Spencer: Breastfeeding and Human Lactation, sixth edition 2021, Jones & Bartlett, Burlington
  • Wilson-Clay, Hoover, The Breastfeeding Atlas, Sixth Edition, LactNews Press, Manchaca 2017
  • Deutscher Hebammenverband, Praxisbuch: Besondere Stillsituationen, 1. Auflage 2011, Hippokrates-Verlag Stuttgart
  • Weitere Quellen sind direkt im Text verlinkt

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