Brustmassage in der Stillzeit

Die Gründe, in der Stillzeit eine Brustmassage durchzuführen, sind vielseitig:

Brustmassagen können helfen, Symptome von Milchstau oder zu starkem Milcheinschuss zu lindern. Vielleicht möchtest du aber auch erfahren, wie du deine Brust massieren kannst, um die Milchmenge beim Stillen oder Abpumpen zu steigern.

Hier lernst du die wichtigsten Techniken der Brustmassage und lernst, in welchen Fällen du sie anwenden kannst.

Los geht’s!

Was bringt eine Brustmassage in der Stillzeit?

Unterschiedliche Studien haben die Anwendungsmöglichkeiten der Brustmassage in verschiedenen Situationen untersucht.

  • Anregen des Milchspendereflex: Gerade zu Beginn einer Stillmahlzeit oder einer Abpumpsession kann eine Massage der Brust dazu führen, dass der Milchspendereflex schneller ausgelöst wird. Aber auch beim Stillen oder Abpumpen kann der Reflex durch eine Brustmassage gefördert werden. Das liegt daran, dass die Stimulation der Brust und der Brustwarze zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin führt, was wiederum den Milchspendereflex bewirkt.
  • Schmerzreduktion: Es gibt Hinweise darauf, dass eine Brustmassage bei Schmerzen aufgrund von Brustdrüsenschwellungen (im Rahmen des Milcheinschuss), Milchstau bei verstopften Milchgängen und bei Mastitis helfen kann. Die Studienlage dafür ist allerdings etwas mager und gerade bei einer Brustentzündung (Mastitis) ist es dringend ratsam, die Massage und die restliche Behandlung durch eine professionelle Helferin (z. B. Hebamme, Stillberaterin) anleiten zu lassen.
  • Erhöhung von Milchmenge und Fettgehalt der Muttermilch: Durch regelmäßige Brustmassagen vor oder während dem Stillen ist es möglich, sowohl die Milchbildung anzuregen, als auch den Fettgehalt der Muttermilch zu steigern – natürlich nur in gewissen Maßen.
  • Verbesserung des Milchfluss beim Abpumpen: Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Brustmassagen vor oder während dem Abpumpen zu schnellerer und effektiverer Milchgewinnung führen können. Dies kannst du dir besonders beim Power-Pumping zunutze machen.
  • Fettreichere Milch „nach vorne“ bringen: Wenn du zu viel Milch hast, macht es manchmal Sinn, mithilfe einer Brustmassage die fettreichere Hintermilch nach vorne zu massieren, damit dein Baby an das sättigende Fett gelangt.

Wenn du in den ersten Lebenstagen deines Babys vor jedem Anlegen eine Brustmassage durchführst, wirst du wahrscheinlich schneller mehr Milch fördern. Das findet dein Baby gut 🙂

Wichtig: Eine Brustmassage sollte niemals weh tun! Es geht hier nicht darum, Verspannungen zu lösen wie bei einer Nackenmassage (gib’s zu: Die wirkt nur, wenn es weh tut 😉), sondern darum, die Hormone in Schwung zu bringen und den Milchspendereflex zu erleichtern.

Brustmassage nach Plata-Rueda

Die Massage nach Plata Rueda ist die bekannteste Technik und eignet sich für alle Zwecke, die oben aufgeführt sind – am wichtigsten ist es, sie vor dem Stillen oder Abpumpen (oder auch in kurzen Pump- oder Stillpausen) anzuwenden um den Milchfluss anzuregen und zu erleichtern.

Ehe es losgeht, solltest du dir die Hände gründlich mit Seife waschen (spätestens seit Corona wissen wir ja alle, wie das geht).

Es kann angenehm sein, für die Brustmassage ein sanftes Öl anzuwenden, zum Beispiel ein Mandelöl (verwende aber wenig davon und spare die Brustwarzen und Vorhöfe möglichst aus).

Dann legst du die Hände wie folgt auf der Brust ab:

Bei der Brustmassage nach Plata-Rueda werden zunächst die Hände flach auf die Brust gelegt und horizontal gegenläufig verschoben.
1. Schritt: Leg deine Hände flach über und unter dem Brustwarzenvorhof an. Verschiebe sie nun gegeneinander, also hin und her in beide Richtungen. Dabei sollen die Hände auf der Haut liegen bleiben, sodass du nur das Gewebe verschiebst, nicht aber auf der Haut herumrutscht. Wiederhole diese Bewegung einige Sekunden lang.

Und danach so:

Brustmassage nach Plata-Rueda: Als zweiten Schritt wird die Brust vertikal verschoben.
2. Schritt: Leg deine Hände nun seitlich neben den Vorhöfen ab. Verschiebe wieder das Gewebe hoch und runter, rutsch dabei nicht über die Haut. Quetsch die Brust nicht zu stark zusammen, es soll sich auf keinen Fall unangenehm anfühlen.

Danach streiche mit den Fingerkuppen oder den Fingerknöcheln sanft sternförmig von außen nach innen, als würdest du die Milch Richtung Brustwarze verschieben wollen. Es handelt sich dabei eher um ein Streicheln als ein Streichen, eine ganz sanfte Berührung.

Am Ende der Massage nach Plata Rueda kannst du sternförmig von außen nach innen sanft über die Brust streichen.
3. Schritt: Du kannst mit einer oder mit beiden Händen Richtung Brustwarze streichen. Drück nicht zu stark, hier ist es eher ein leichtes Streichen über die Haut. Es geht nicht darum, die Milch aus den Milchgängen Richtung Brustwarze zu verschieben, sondern die Brust anzuregen, das selbst zu tun, zum Beispiel indem du den Milchspendereflex auslöst.

Zum Schluss kannst du dich vorn über beugen und die Brust leicht mit dem Oberkörper hin und her schütteln. Auch das vorsichtige Zupfen mit den Fingerspitzen an der Brustwarze kann helfen, die Milch zum fließen zu bringen.

Dieser ganzen Ablauf kann etwa 30-60 Sekunden dauern. Du kannst ihn zwei, vielleicht drei Mal wiederholen.

Brustmassage nach Marmet

Bei der Marmet-Technik setzt du deine Hand ganz außen an der Brust an, und machst kleine kreisende Bewegungen an einer Stelle. Das führst du dann wiederum im kleiner werdenden Kreis um die Brustwarze herum durch. Ungefähr so:

Brustmassage nach Marmet: Hier werden kleine Kreise von außen startend im Kreis um die Brustwarze massiert
Auch die Brustmassage nach Chele Marmet kann die Milch zum Fließen bringen. Achte auch hier auf saubere Hände und darauf, dass die Massage nicht weh tut.

Auch hier kannst du ein kurzes Schütteln der Brust sowie ein sternförmiges Streiche(l)n anschließen.

Brustmassage um Kolostrum zu gewinnen?

Gerade bei Müttern, deren Kinder noch nicht so gut an die Brust gehen (z. B. Frühgeborene oder einfach auch sehr müde Kinder) kann eine Brustmassage hilfreich sein, um Kolostrum (die Vormilch) zu gewinnen.

Anders als „reife Milch“ lässt sich das Kolostrum schlecht abpumpen. Es bietet sich an, es – meist unter Anleitung einer Krankenpflegerin oder einer Hebamme – aus der Brust auszustreichen. Eine Massage nach Plata Rueda oder Marmet, wie oben beschrieben, kann dies deutlich erleichtern.

Die gewonnene Milch kann dann zum Beispiel per Spritze gefüttert werden.

Noch Fragen?

Es kann schwierig sein, richtig zu stillen. Diese Seite soll dir dabei helfen – und stetig besser werden. Hast du noch Fragen? Anmerkungen? Verbesserungen? Schreib uns 🙂

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