Was braucht man zum Stillen? Stillutensilien + Hilfsmittel

Tja, was braucht man zum Stillen?

Braucht man unbedingt Stilleinlagen? Und was noch? All das erfährst du in diesem Artikel.

Wenn man es ganz ehrlich beantworten will, brauchst es nur drei Dinge:

  1. Eine Mama, die stillen möchte,
  2. Ein durstiges Baby
  3. und Muttermilch.

Wir verstehen schon: Als werdende Mama (oder werdender Papa) macht man sich schon so seine Gedanken, welche Produkte man brauchen wird, wenn das Baby da ist: Bettchen, Schlafsack, Kinderwagen – und so weiter. Und auch zum Thema Stillen ist die Unsicherheit manchmal groß.

Deshalb gehen wir hier mal in die Tiefe: Welche Stillprodukte braucht man wirklich? Was sollte man schon vor der Geburt anschaffen?

Spoiler Alarm: Nicht viele 🙂

Los geht’s!

Braucht man zum Stillen eine Milchpumpe?

Es gibt einige Situationen, in denen du schon unmittelbar nach der Geburt eine Milchpumpe benötigen wirst: Zum Beispiel wenn du ein Frühgeborenes bekommst, oder wenn du nach der Geburt nicht direkt stillen kannst.

Fast immer aber erhältst du dann noch in der Klinik eine professionelle Milchpumpe, die du während deines Aufenthaltes nutzen kannst. Dann bleibt genug Zeit, dir eine Leihmilchpumpe zu besorgen oder selber eine zu kaufen, falls du sie weiterhin benötigst.

Darüber hinaus gibt es mehrere Situationen, wo erst wenige Tage oder Wochen nach der Geburt eine Pumpe hilfreich sein kann, zum Beispiel bei einem zu starkem Milcheinschuss, oder bei zu geringer Milchmenge im weiteren Verlauf, oder wenn du wieder arbeiten gehst (auch dann gibt es andere Wege).

Aber: Eine Milchpumpe gehört nicht zur Grundausstattung, über die du dir schon während der Schwangerschaft Gedanken machen musst. Wenn du ein gesundes Kind erwartest, selbst gesund bist und sonst kein speziellen Grund absehbar ist, dass du wirst pumpen müssen: Kauf dir keine Milchpumpe.

Falls du gerne jemand bist, der Sicherheit mag und ungern nachts um drei Uhr mit schmerzend vollen Brüsten den Ehemann in die Notapotheke schicken möchtest (volles Verständnis :-)) dann kannst du dir eine günstige Handmilchpumpe* anschaffen, oder aber du lernst, wie du die Brust am Besten ausstreichen kannst.

Hier lernst du mehr zum Abpumpen und Milch aufbewahren.

Soll ich nicht doch schon Fläschen und einen Flaschenwärmer …

Nein. Nur wenn du eine Milchpumpe brauchst, brauchst du wahrscheinlich Fläschchen und eventuell einen Flaschenwärmer. Wenn du gesund bist und ein gesundes Baby erwartest, leg dir vor der Geburt keine Milchflaschen vor.

Aber Milchpulver? Für den Notfall?

Auch nicht. Wenn ein echter Notfall eintritt, wird es immer eine Möglichkeit geben, dein Baby mit der nötigen Nahrung zu versorgen. Ansonsten aber verführt künstliche Babynahrung im Haus nur unnötig dazu, schon bei kleineren Sorgen oder Problemen, doch zur Flasche zu greifen – auch wenn das überhaupt nicht nötig wäre.

Es gibt fast immer einen Weg, ein Baby zu stillen und nur in extremen Ausnahmefällen benötigst du schneller Babynahrung, als du sie im Notfall im Supermarkt, in der Apotheke oder in einem Krankenhaus bekommen könntest.

Brauche ich ein Stillkissen?

Schwierige Frage: Zwar stillen Mütter schon seit Ewigkeiten ohne Stillkissen, aber andererseits kann so ein Kissen dich deutlich unterstützen, Rückenschmerzen und Verspannungen vorbeugen und sich auch darüber hinaus vielseitig einsetzen.

Wenn du mehr wissen willst, lies gerne unseren ausführlichen Artikel zu Stillkissen, bei dem du mehr darüber erfährst, ob du ein Stillkissen (oder sogar einen Stillmond) brauchst, worauf du achten musst und auch einige Produktempfehlungen bekommst.

Brauche ich Stilleinlagen?

Eine Packung Stilleinlagen zu kaufen – das schadet wahrscheinlich nicht.

Erstens sind sie nicht teuer und selbst wenn du sie nicht alle brauchen solltest, ist nicht viel verloren.

Zweitens wirst du sie wahrscheinlich sogar benötigen. Es ist weniger das spontane „Auslaufen“, wenn irgendwo ein Baby weint (das gibt es aber auch), sondern zum Beispiel auch das „Weiterlaufen“, wenn der Milchspendereflex weitergeht, aber dein Baby schon abgedockt hat und du die Brust zurück in den BH steckst.

Jedoch reicht es auch völlig, erst nach der Geburt Stilleinlagen zu besorgen. Es gibt sie überall, in verschiedenen Qualitätsstufen und Preisklassen. Und wenn du am Anfang noch keine zur Hand hast – musst du eben eine Kleidung gegebenenfalls etwas häufiger waschen.

A propos Kleidung:

Braucht man Stillkleidung?

Vielleicht hast du in der Schwangerschaft gemerkt, dass du etwas dicker geworden bist, als normal 🙂 Vielleicht hast du dir auch sogenannte Umstandsmode gekauft, die nun erstmal wieder im Kleiderschrank hängen darf.

Beim Stillen ist das Problem mit der Kleidung ein anderes: Dein Baby sollte einigermaßen problemlos an die Brust kommen, ohne dass du dich (vor allem in Gesellschaft oder in der Öffentlichkeit) ausziehen musst.

Dazu muss man sagen: Mit vielen Klamotten geht das völlig problemlos. Lange Kleider sind schwierig, hautenge Kleidung ist auch schwierig.

Trägt keine Stillkleidung: Anastasia in Sevilla mit unserem ersten Kind.

Unser Tipp: In den ersten Tagen nach der Geburt ist dir eh noch nicht nach Modenschau. Geh deinen Kleiderschrank durch und überleg, mit welchen Klamotten du wahrscheinlich doch gut stillen kannst. Wenn der Schrank wenig her gibt, spricht nichts dagegen, nicht auch etwas Stillkleidung zu kaufen. Aber was gibt es da überhaupt?

Still-BH

Still-BHs zeichnen sich dadurch aus, dass sie

  • einfach (meist mit einer Hand) zu bedienen sind
  • durch ein einfaches Umklappen des „Cups“ deinem Baby Zugriff zur Brust gewähren, ohne dass die Stützfunktion verloren geht
  • diskretes Stillen ermöglichen, vor allem wenn du dazu ein Stilloberteil trägst

Ob du einen Still-BH brauchst, lässt sich nicht so leicht beantworten. Tatsächlich nimmt die Brust nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch während des Milcheinschusses, wenige Tage nach der Geburt, deutlich an Volumen zu: Deine alten BHs werden dir eine Weile nicht passen.

Ein Still-BH kann da ein gutes Investment sein, wenn du eh neue BHs brauchst, gleichzeitig ist er sicher kein Muss. Auch hier gilt: Du kannst ruhig die ersten Tage nach der Geburt abwarten, ehe du dich für ein Modell entscheidest – denn wie viel deine Brust noch wächst, kannst du vor der Geburt nur schlecht abschätzen.

Also: Braucht man einen Still-BH? Es ist eine individuelle Entscheidung, aber sicherlich kein Muss.

Stillshirt / Stilltop / Stillkleid

Es gibt mittlerweile sehr viele gut aussehende Stilloberteile, die im Prinzip den gleichen Zweck erfüllen, wie ein Still-BH: Ob als Shirt, Kleid oder Top lässt sich die Brust zwischen dem Stoff hervorholen und so ohne das Oberteil anzuheben oder herunterzuziehen stillen. Das Ganze exstiert auch als Stillnachthemd bzw. Pyjama, damit auch nachts problemlos gestillt werden kann.

Ob man das braucht, ist Geschmackssache: Es gibt auch reichlich Kleidung, die ohne diese Zusatzfunktion gut mit dem Stillen kompatibel ist. Gerade aber beim öffentlichen Stillen bietet sich so ein Stilloberteil aber durchaus an.

Stillschal / Stilltuch

Ein Stillschal oder Stilltuch, oder sogar eine Stillschürze, dienen ebenfalls der Diskretion. Über dein Baby gelegt, kannst du damit etwas versteckter stillen. Darunter müsstest du entsprechend stillvertägliche Kleidung tragen, sodass ein Stillschal eher nicht als eigentliche Stillkleidung bezeichnet werden kann, sondern eher ein Hilfsmittel, um das Stillen in der Öffentlichkeit zu unterstützen.

Gleichzeitig gibt es Modelle, die so umgehängt werden können, dass sie zusätzlich zum Sichtschutz das Baby unterstützen können.

Und Stillhütchen?

Hier mal ein ganz klares Nein: Stillhütchen solltest du nicht kaufen, wenn du sie nicht explizit brauchst.

Und tatsächlich werden Stillhütchen eigentlich nur selten gebraucht: Zwar haben Sie in der Behandlung diverser Stillprobleme ihren Platz, aber sollten nie als erstes Mittel genutzt werden. Leider werden sie viel zu häufig angewandt, oft auf Rat einer wohlmeinenden Pflegerin, Hebamme, Ärztin oder Freundin.

Stillhütchen haben jedoch einige potentielle Nachteile, während sich die meisten Stillprobleme auch ohne sie gut lösen lassen.

Ausführliche Infos findest du in unserem Artikel über Stillhütchen. Um aber die Frage nochmal ganz eindeutig zu beantworten: Braucht man Stillhütchen? Insgesamt nur sehr zurückhalten und vor der Geburt: Einfach nein.

Sollte ich schon mal Stilltee kaufen?

Von all den hier aufgeführten Produkten ist der Stilltee wohl der harmloseste, wenn du ihn unnötigerweise kaufst: Er ist nämlich meistens nicht teuer und schmeckt dazu noch gut.

Stilltee verspricht eine Steigerung der Milchmenge. Wir haben tatsächlich schon Frauen getroffen, die glaubten, dass ohne Stilltee das Stillen nicht funktionieren kann. Das ist Unsinn, denn natürlich reicht auch Wasser und eine ausgewogene Ernährung aus, um genug Milch zu produzieren – solange sonst alles in Ordnung ist.

Tatsächlich kann Stilltee unter Umständen die Milchbildung unterstützen, es ist nur für quasi keinen der typischen Inhaltsstoffe erwiesen, dass es funktioniert. Stilltee sollte deshalb nie ohne weitere Maßnahmen getrunken werden, wenn zu wenig Milch vorhanden ist.

Aber einfach zum Genuss kann Stilltee gern genossen werden. Du brauchst ihn sicher nicht dringend – aber vielleicht kann es auch ein schönes Ritual sein, einmal am Tag eine warme Tasse davon zu trinken.

Brauche ich einen Stillsessel?

Du kannst gemütlich auf dem Bett, auf dem Sofa, in einem bereits vorhandenen Sessel oder wo auch immer stillen. Das ist ja das schöne am Stillen: Es klappt überall, zur Not sogar im Autorücksitz in den MaxiCosi hinein (das wissen wir natürlich NICHT aus Erfahrung, es wäre ja viel zu unsicher, sich hinten in der Mitte sitzend abzuschnallen ;-)).

Trotzdem gönnen sich viele Mamas schon vor der Geburt einen Stillsessel. Den braucht man natürlich nicht dringend, aber viele berichten davon, dass nicht nur das Stillen, sondern das ganz generelle Darinsitzen sehr angenehm sind.

Die Stillsessel sind meist als Schaukelstuhl konzipiert mit einem zusätzlichen Fußhocker und allseits guter Polsterung.

Was soll ich denn dann kaufen!?

Falls du mitgezählt hast: Es gibt, trotz all der aufgeführten Produkte, auch weiterhin genau drei Dinge, die man zum Stillen dringend braucht:

  1. Eine Mutter, die stillen möchte,
  2. ein durstiges Baby
  3. und Muttermilch.

Keines der anderen Produkte musst du zwingend schon vor der Geburt kaufen.

  • 👉 Es schadet nicht und geht auch nicht zu sehr ins Geld, schon einige Stilleinlagen und vielleicht einen Stilltee zuhause zu haben. Auch ein stillkompatibles Oberteil und einen Still-BH kannst du dir natürlich schon besorgen (plan aber mit ein, dass deine Brüste noch wachsen werden). Auch ein Stillkissen geht nicht zu tief ins Geld und hat auch andere Anwendungszwecke, zudem kann es das Stillen tatsächlich erleichtern. Das gleiche gilt für ein Stilllicht, das sich sogar auch lange nach der Stillzeit noch anwenden lässt.
  • 👉 Informier dich schon mal, wie und wo du im Fall der Fälle auch direkt nach der Geburt (auch nachts) an eine Milchpumpe kommst. Oder du besorgst dir schon jetzt eine Handmilchpumpe, wenn du dich sicher fühlen möchtest.
  • 👉 In fast keinem Fall aber brauchst du Stillhütchen oder Pre-Nahrung bzw. künstliche Säuglingsmilch schon vor der Geburt zu beschaffen. Auch auf andere speziellere Produkte, wie Silberhütchen, Zinnhütchen oder Brusternährungsset solltest du nur zurückgreifen, wenn du sie wirklich benötigst.

Du merkst also: Wenn du noch nichts gekaufst hast, und heute Nacht überraschend dein Baby kommen sollte (hoffentlich erst, wenn es reif ist):

Dir wird nichts fehlen, solange du deine Brust, viel Nähe und Liebe und die Lust zu stillen mit zur Geburt bringst 💕.

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