Hilfe, mein Baby beißt beim Stillen!

Illustration: Ein Baby beißt beim Stillen in die Brustwarze, während es fröhlich seine Mutter anschaut.
Kann saumäßig weh tun, lässt sich aber meist mit umgehen: Ein in die Brustwarze beißendes Baby.

Kennst du das? Beim Familientreffen zwickt es kurz beim Stillen, du zuckst zusammen. Und schon sind die älteren Familienmitglieder besorgt um deine Gesundheit.

„Deine arme Brust! Jetzt ist aber Zeit zum Abstillen, wo doch schon die Zähne kommen!“

Aber ist Abstillen wirklich nötig, wenn Babys beim Stillen beißen? Ganz klar: Nein!

Und warum das so ist, erklären wir hier im Beitrag genauer.

Los geht’s!

Warum Babys beißen

Die meisten Babys stillen, ohne dass sie in die Brustwarze beißen. Einige wenige aber tun es eben doch. Manchmal liegen diesem Verhalten körperliche Ursachen zugrunde, ab und an auch Neugierde – und gelegentlich führt mangelnde Kommunikation zu einem Beißunfall.

Auf jeden Fall ist der Schrecken dann oft ziemlich groß. Die Schmerzen selbst fallen recht unterschiedlich aus: Vom kurzen, aber festen Zwicken bis zur Verletzung der Brustwarze ist alles denkbar. Auch zahnlose Babys können beißen, oder besser „klemmen“. Das tun sie zum Beispiel wenn der Milchspendereflex zu stark ist oder du zu viel Milch hast und sie nicht mit dem Schlucken hinterherkommen.

Dein Baby hat bisher nicht gebissen, aber jeder erzählt dir, dass es dazu kommen wird? Keine Bange: Nicht alle Babys beißen. Und die wenigen, die es tun, tun es meist nur selten. Eine Verletzung der empfindsamen Brustwarze ist vergleichsweise selten.

Sollte es zum Beißen kommen, versuche, diese beiden Schritte einzuhalten:

  1. Sprich mit deinem Baby.
    Am besten in klaren, sehr kurzen Wörtern. Ob es Nein, Stopp oder Halt ist, entscheidest du. Vielleicht habt ihr auch ein anderes Wort, das deinem Baby schon vertraut ist und ein Verbot sehr deutlich kennzeichnet. Mach deutlich, dass das Beißen wehtut und die Stillmahlzeit beendet.
  2. Löse dein Baby von der Brust.
    Bitte nutze dazu deinen kleinen Finger, um das Vakuum zu lösen. Beim ersten Schrecken kann es sein, dass du dein Baby reflexartig von der Brust nimmst, ohne das Vakuum zu lösen. Das kann aber zu weiteren Verletzungen führen!

Leg dein Baby kurz ab und nimm es dann wieder hoch. Diese kurze Unterbrechung verdeutlicht, dass das Stillen wegen dem Beißen unterbrochen werden musste. Dein Baby versteht diese nonverbale Kommunikation wahrscheinlich sehr schnell.

Wichtig: Versuche, heftiges Erschrecken und laute Ausrufe zu vermeiden. Leicht gesagt, ich weiß. Aber manche Babys reagieren darauf mit einem Stillstreik – und der ist manchmal gar nicht so einfach aufzulösen. Wenn du kannst, versuche also, möglichst ruhig zu bleiben, auch wenn die gebissene Stelle ziemlich schmerzt.

Dein Baby beißt, weil … es nicht richtig angelegt ist

Dein Baby liegt mit seinem Köpfchen etwas zu tief, es kann den Kopf nicht ausreichend nach hinten neigen oder es rutscht auf dem zur Hilfe genommenen Stillkissen ab? Dann kommt es manchmal zum Beißen.

Stell es dir so vor, als würde dein Baby mit dem Mund nachgreifen, um die Brustwarze beim Stillen nicht zu verlieren. Ein nicht ganz optimales Anlegen ist unangenehm, für dein Baby und für dich, lässt sich aber oft mit wenigen Handgriffen verbessern.

Das hilft:

  • Positioniere den Kopf deines Babys richtig, mit der Nase auf Höhe der Brustwarze.
  • Stütze Babys Kopf und Körper besser, sodass es nicht wegkippen oder wegrollen kann.
  • Prüfe zwischendurch die Anlegeposition und korrigiere sie, falls nötig.

Du kannst eine Stillberaterin bitten, sich das Anlegen genauer anzusehen. Meist sind es nur Kleinigkeiten in der Anlegetechnik, die sich aber schnell bemerkbar machen und durch kleinere Korrekturen behoben werden können. Dein Baby kann entspannter trinken und du kannst dich zurücklehnen und den Moment besser genießen.

Dein Baby beißt, weil … es zahnt

Erfahrungsgemäß ist das der häufigste Grund für ein beißendes Baby: Sein Zahnfleisch juckt! Stehen die ersten Zähnchen vor dem Durchbruch, nutzen Babys jede Möglichkeit zum Kauen. Die Faust, eine Stillkette, deine Schulter – im ungünstigsten Falle betrifft das auch deine Brustwarze.

Das hilft:

  • Ruhig bleiben.
  • Beim nächsten Stillen genau auf die Signale achten – und beim ersten Zeichen von Müdigkeit oder anderweitigem Interesse von der Brust lösen.
  • Beiß-Alternativen wie Beißringe, Finger etc. anbieten.

Häufige Signale für einschießende Zähne beziehungsweise Zahnen sind

  • (starkes) Sabbern,
  • geschwollenes Zahnfleisch,
  • unruhiges, müdes oder besonders quengeliges Baby,
  • erhöhte Stillfrequenz und
  • schlechterer Schlaf.

Gelegentlich kommen auch Durchfall und erhöhte Temperatur dazu.

Dein Baby beißt, weil … es körperliche Ursachen dafür gibt

Körperliche Ursachen sind deutlich seltener der Grund für Beißen beim Stillen. Wir wollen sie der Vollständigkeit halber aber trotzdem hier aufführen.

Wenn ein Neugeborenes beißt, kann das verschiedene Ursachen haben. Bitte lass kinderärztlich abklären, ob eventuelle Geburtsverletzungen (Schlüsselbeinbruch, Verletzungen an Hals, Schädel oder Gesicht) oder eine Kieferasymmetrie vorliegen. Die Verletzungen sind selten, kommen aber durchaus vor. Deine Kinderärztin berät dich über das weitere Vorgehen und zum weiteren Handling, bis die Verletzung vollständig ausgeheilt ist.

Neugeborene, aber auch ältere Babys mit körperlicher Beeinträchtigung haben manchmal Probleme dabei, die Kiefermuskulatur ausreichend zu entspannen. Bei spezifischen Krankheitsbildern ist es sinnvoller, das direkt mit entsprechend ausgebildetem Fachpersonal zu besprechen.

Auch bei einem starken Milchfluss kann es vorkommen, dass Babys reflexhaft beißen. Anders als bei oralen Restriktionen (Zungen-/Lippenband) oder konkreteren Krankheitsbildern kannst du an einem starken Milchfluss aber gut arbeiten und das Beißen so schnell in den Griff bekommen.

Das hilft:

  • Eingehende Ursachenforschung, um weitere Schritte zu planen.
  • Bei starkem Milchfluss: Stillpositionen verändern, beispielsweise zum „Laid-back“ oder zum Rückengriff wechseln. Du kannst auch vorab etwas Milch ausstreichen oder abpumpen.
  • Bei Verletzungen im Kopf- und Schulterbereich ist die Entlastung der jeweiligen Körperbereiche wichtig. Stütze dein Baby gut auf der gesunden Körperseite und entlaste es mit geeigneten Stillpositionen.

Beiß-Signale, die du kennen solltest

Häufig sind die Signale vor dem eigentlichen Biss subtil, aber trotzdem wahrnehmbar. Babys, die wiederholt beißen, zeigen das meistens in der ein oder anderen Art und Weise an.

Zahnende Babys beißen eher am Ende einer Stillmahlzeit, wenn der erste Hunger gestillt und das juckende Zahnfleisch wieder präsenter wird. Bei einem starken Milchfluss wirst du das Beißen eher zum Beginn einer Stillmahlzeit erleben.

Deutliche Signale: Dein Baby ist

  • unruhig,
  • leicht abzulenken,
  • lässt die Brustwarze los,
  • „kaut“ auf der Brustwarze herum,
  • grinst, lacht oder macht anderweitig Quatsch.

Wichtig: Nicht jedes Baby, dass beim Stillen gern herumalbert und Spaß hat, wird beißen. Für die meisten ist das einfach ein wunderbar entspannter Moment, bei dem sich durch die innige Verbindung kommunizieren lässt: Quatsch machen, grinsen und herumwackeln inklusive.

Erste Hilfe für Brustwarzen nach dem Beißen

Die beste Prävention für deine Brustwarzen ist natürlich, dass du gar nicht erst gebissen wirst. Ist es aber einmal passiert, ist richtiges Wundmanagement entscheidend.

Richtiges Wundmanagement

Gereizte Haut kannst du vorsichtig mit geeigneten Brustwarzencremes behandeln. Hat dein Baby die Hautbarriere durchbrochen? Dann greifen die typischen Tipps zur Behandlung von wunden Brustwarzen:

  • Achte auf Hygiene.
  • Biete nach Möglichkeit die andere (unverletzte) Seite häufiger an, damit die verletzte Brustwarze besser heilen kann.
  • Benutze Brust-Donut, Abstandshalter oder Ähnliches, damit die Brustwarze nicht an der Kleidung reibt.
  • Verwende bei Bedarf stillfreundliche Schmerzmittel.

Die Heilung nimmt meist einige Tage in Anspruch. Wird es innerhalb von ein bis zwei Tagen nicht spürbar besser, solltest du deine Stillberaterin dazu holen. Sie kann dir weitere Tipps geben und dich beim Anlegen zusätzlich unterstützen.

Häufige Fragen zum Beißen beim Stillen

Lässt sich das Beißen verhindern?

Jein. Der erste Biss kommt oft überraschend. Danach lässt es sich teilweise verhindern, indem du sehr genau auf dein Baby achtest. Die Signale sind nach einiger Zeit gut zu erkennen, vor allem bei älteren Babys.

Bei Neugeborenen beziehungsweise bei Babys in den ersten Lebensmonaten können teils unterschiedliche Gründe für das Beißen vorliegen. Da ist es sinnvoll, genau hinzuschauen und eventuell auch deine Kinderärztin oder Stillberaterin mit ins Boot zu holen.

Muss ich abstillen, wenn mein Baby beißt?

Normalerweise nicht. Die Situation ist mit guter Unterstützung durch deine Stillberaterin oder eine erfahrene Hebamme gut in den Griff zu bekommen.

Wenn du dich aber sehr unwohl fühlst oder sowieso demnächst abstillen wolltest, kann jetzt ein guter Zeitpunkt sein, das anzugehen. Bitte denk daran, dass das Abstillen möglichst langsam erfolgen sollte, um deinem Baby und dir die Umstellung so einfach wie möglich zu machen.

Beißen alle Babys, wenn sie Zähne bekommen?

Nein. Die meisten zahnenden Babys beißen zwar sehr gern auf allem möglichen herum, aber nur wenige beißen beim Stillen. Trotzdem hält sich das Ammenmärchen hartnäckig, dass Babys spätestens mit den ersten Zähnen beißen, und die Mama deshalb besser vorher abgestillt haben sollte.

Quellen

  • Karen Wambach: Breastfeeding and human lactation. Sixth edition, 2021
  • Deutscher Hebammenverband: Praxisbuch: besondere Stillsituationen. Stuttgart 2012.
  • Wilson-Clay/Hoover: The Breastfeeding Atlas. Sixth edition, 2017.

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