Vasospasmus beim Stillen

Stechende Schmerzen, die mitten aus der Brustwarze zu kommen scheinen – ein so genannter Vasospasmus?

Wenn jedes Anlegen zum Willensakt wird und zusätzlich die Brustwarze weißlich verfärbt wirkt, könnte ein solcher schmerzhafter Gefäßkrampf dahinterstecken.

Die Illustration zeigt das typische Bild des Vasospasmus beim Stillen: Der vordere Teil, fast die komplette Brustwarze ist hell gefärbt.
Wenn die Brustwarze komplett oder in Teilen nach dem Stillen weiß wird, könnte ein Vasospasmus dahinter stecken.

Mit der richtigen Behandlung wird das Stillen in der Regel schmerzfrei sein: Deshalb ist Ursachenforschung angesagt.

Wir haben dir hier zusammengestellt, wie du mit einem Vasospasmus umgehst und welche Möglichkeiten es gibt, wieder schmerzfrei zu stillen.

Los geht’s!

Vasospasmus: Ursachen und Symptome erkennen

Wie macht sich ein Vasospasmus bemerkbar?

Stillen und Schmerzen sind keine gute Kombination, deshalb ist es wichtig, dem Problem auf den Grund zu gehen.

Wenn sich deine Brustwarzen zusätzlich zu den starken Schmerzen nach dem Stillen auch verfärben und du vielleicht besonders durch Kältereize verstärkt Schmerzen beobachtest, dann könnte ein Vasospasmus der Grund dafür sein.

Definition Vasospasmus: Die Gefäße in den Brustwarzen ziehen sich schlagartig zusammen. Der Blutfluss wird unterbrochen. Das führt zu Schmerzen, die teils beim, teils auch nach dem Stillen auftreten. Manche Stillende berichten auch von anhaltenden Schmerzen in den Brustwarzen zwischen den Stillmahlzeiten.

Typische Symptome sind:

  • starke, stechende Schmerzen, die von der Brustwarze ausgehen
  • Verfärbung der Brustwarze nach dem Stillen in weißlich, teils auch zunächst bläulich-rötlich
  • Symptome verschlimmern sich oft bei Kälteeinwirkung

Wichtig: Um ihn richtig und möglichst effektiv zu behandeln, ist es sinnvoll den Vasospasmus korrekt zu identifizieren. In der Stillberatung unterscheiden wir verschiedene Formen als Ursache für die Gefäßkrämpfe:

  1. Reaktiver Vasospasmus
    Diese Form tritt beispielsweise nach einer vorangegangenen Soor-Infektion auf, wurde aber auch nach Brust-OPs oder anderweitigen Verletzungen der Brust beobachtet.
  2. Vasospasmus mit zugrundeliegendem Raynaud-Syndrom
    Das Raynaud-System wird vorwiegend bei Frauen beobachtet. Hände und Füße reagieren stark auf Kälte und verfärben sich weißlich beziehungsweise lila-bläulich. Bei Stillenden treten dann zusätzlich Schmerzen in den Brustwarzen auf, auch die Verfärbungen sind meist sehr deutlich zu erkennen.
  3. Vasospasmus nach abruptem Absetzen von hochdosierter Magnesium-Einnahme in der Schwangerschaft
    Hast du in der Schwangerschaft hochdosiertes Magnesium eingenommen und die Einnahme abrupt unterbrochen, können sich in den ersten Wochen der Stillzeit Vasospasmus-ähnliche Symptome zeigen.
  4. Vasospasmus-ähnliche Symptome durch orale Restriktionen, Anlegefehler oder optimierungsfähiges Stillmanagement
    Bei starkem Milchfluss oder reichlicher Milchbildung, bei oralen Restriktionen oder auch bei Anlegefehlern kann es sein, dass dein Baby mit stärkerem Druck seiner Kiefermuskulatur zum Erfassen der Brustwarze reagiert. Das kann zu Gefäßkrämpfen führen, die du als Schmerzen spürst.

Wie unterscheidet sich Vasospasmus von Soor?

Es scheint sich ziemlich zu ähneln: Schmerzen beim Stillen und eine weißliche Brustwarzenfarbe sind sowohl bei einer Pilzinfektion als auch beim Vasospasmus zu finden. Einige Unterscheidungen gibt es aber doch.

SoorVasospasmus
Brustwarze verfärbt sich
(beim Vasospasmus jedoch eher vorübergehend)
xx
Stechende, starke Schmerzenxx
Nachweisbar per Keimabstrichx
Behandlung mit Antimykotikax
Kälte wirkt verstärkend/verschlimmerndx
Wärme wirkt schmerzlindernx

Während der Soor nach einer entsprechenden Therapie zügig abklingen sollte, schlägt diese Therapie natürlich nicht bei einem Gefäßkrampf an.

Deine behandelnde Ärztin wird wahrscheinlich in einem Ausschlussverfahren vorgehen und zunächst die häufiger auftretende Soorinfektion behandeln.

Halten die Schmerzen trotz korrekter Behandlung über mehrere Wochen hinweg an, sollte spätestens jetzt ein Vasospasmus als Ursache in Betracht gezogen werden.

Wichtig: Bei Pilzinfektionen müssen Mama und Baby gleichzeitig behandelt werden. Ein Abstrich kann Gewissheit darüber geben, ob der Soor erfolgreich behandelt wurde. Bitte besprich dich mit deiner Ärztin darüber.

Vasospasmus behandeln: Tipps für Stillende

Erste Schritte gegen Schmerzen beim Stillen

Ein Blick auf die Anlegetechnik und das Stillmanagement lohnt sich immer. Das gilt vor allem dann, wenn bisher kein Raynaud-Syndrom diagnostiziert wurde und du keine Brust-OPs oder anderweitige Verletzungen an der Brust hattest.

Das kannst du tun:

  • Überprüfe das richtige Anlegen.
    Kann dein Baby die Brustwarze gut erfassen, sind seine Lippen und der Kiefer stark angespannt während des Saugens? Schmatzt dein Baby häufig beim trinken oder hat es Schwierigkeiten, die Brustwarze gut zu erfassen?

    Lösung: Lass eine Expertin für orale Restriktionen das Lippen- und Zungenbändchen begutachten. Wenn du dir mit der Anlegesituation unsicher bist, hilft dir deine Stillberaterin oder eine entsprechend geschulte Hebamme ebenfalls weiter. Schmerzen durch Anlegefehler sollten binnen weniger Tage nach Korrektur vergehen.

  • Überprüfe das Stillmanagement.
    Hast du einen starken Milchspendereflex beziehungsweise vergleichsweise viel Milch? Dann reagiert dein Baby vielleicht mit kräftigem Druck, um die Milchmenge selbst besser schlucken zu können.

    Lösung: Probiere verschiedene Stillpositionen aus, die für Stillende mit starkem Milchspendereflex gut geeignet sind, insbesondere das zurückgelehnte Stillen, Stillen im Rücken-/Seitengriff oder Stillen im Liegen. Bei reichlich Milch kannst du zusammen mit deiner Stillberaterin oder deiner Hebamme besprechen, wie ihr die Milchproduktion auf den Bedarf deines Babys besser anpassen könnt.

Vasospasmus-ähnliche Schmerzen durch suboptimales Anlegen oder einen starken Milchfluss stoppen normalerweise binnen weniger Tage, wenn die Ursache behoben ist.

Im Falle von verkürzten Lippen- oder Zungenbändchen kann die Behandlung etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Eine Therapie umfasst normalerweise eine Vor- und Nachsorge, bei der du entsprechend auch Hilfestellungen zu den Schmerzen beim Stillen erhalten wirst.

Weitere Tipps und Hilfen

Wärme kann beim Vasospasmus ein wichtiges Hilfsmittel sein. Achte darauf, dass deine Brust vor, während und insbesondere nach dem Stillen keiner kalten Luft ausgesetzt ist.

  • Wärme die Brust bei Bedarf vor dem Stillen kurz an. Verwende eine trockene Wärme wie Kirschkernkissen oder Wärmepads, keine feuchte Wärme wie durch Waschlappen und Co.
  • Bedecke die Brust sofort nach dem Abdocken mit sauberen, trockenen Stilleinlagen. Anschließend kannst du dir Zeit dabei lassen, den Still-BH zu schließen oder deine Kleidungsschichten wieder an ihren Platz zu sortieren.
  • Probiere aus, ob ein Brustwarzenschutz („Brust-Donuts“, eventuell auch Milchauffangschalen etc.) Linderung bieten. Sie sollen die Brustwarze vor direkter Reibung am BH bzw. am Stoff deines Oberteils schützen und dabei helfen, dass die Durchblutung verbessert wird.

Koffein- und Nikotingenuss, letzteres auch passiv, können zu einer Gefäßverengung beitragen. Sprich: Die Symptome des Vasospasmus verstärken. Wenn du viel Kaffee zu dir nimmst oder regelmäßig Passivrauch ausgesetzt bist, kann sich eine Reduktion lindernd auswirken.

Auch nach der Einnahme von Beta-Blockern kann es als Nebenwirkung zu Gefäßkrämpfen in den Brustwarzen kommen. Teilweise lässt sich auf eine geeignetere Medikamentierung umstellen. Sprich deine Ärztin darauf an. In der Regel sind ausdrücklich stillfreundliche Alternativ-Medikamente denkbar.

Hast du in der Schwangerschaft hochdosiertes Magnesium eingenommen? In den ersten Wochen nach der Geburt zeigen sich manchmal Vasospasmen, vor allem wenn das Magnesium relativ abrupt abgesetzt wurde. D

Du kannst in Absprache mit deiner Ärztin die Magnesiumeinnahme kurzzeitig wieder aufnehmen. Auch Kalzium kann dazu beitragen, die Krämpfe und dementsprechend die Schmerzen zu reduzieren.

Kurz gesagt:

  1. Koffein- und Nikotin meiden,
  2. Rücksprache mit ärztlichem Fachpersonal bei der Einnahme von Medikamenten mit gefäßverengender Wirkung,
  3. eventuell Wiederaufnahme der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Magnesium und Kalzium.

Zusammenfassung

Vasospasmen sind Gefäßkrämpfe, die starke Schmerzen im Bereich der Brustwarzen verursachen. Es gibt verschiedene Methoden zur Behandlung. Wichtig ist die Abgrenzung zu Soor und anderen Ursachen wie Anlegefehler oder Problemen im Mundbereich deines Kindes. Der Vasospasmus lässt sich oft gut behandeln, damit du wieder schmerzfrei stillen kannst.

Häufige Fragen zum Vasospasmus

Muss ich deshalb abstillen?

Nein. Es gibt in der Regel einige Möglichkeiten, die zur Therapie geeignet sind, unter anderem

  • Brustwarzen warmhalten und Auskühlen konsequent verhindern,
  • Anlegen und Stillmanagement verbessern,
  • Sauganomalien untersuchen und ggf. behandeln lassen,
  • Gefäßverengende Stoffe (Nikotin/Koffein) vermeiden,
  • bei Bedarf geeignete Nahrungsergänzungsmittel (Magnesium, Kalzium) einnehmen.

In der Stillzeit geeignete Schmerzmittel können Linderung bieten und kurzfristig dabei helfen, das Stillen aufrecht zu erhalten, bis die Schmerzgrundlage behoben ist.

Sind Medikamente zur Behandlung notwendig?

Abhängig von der Ausprägung der Gefäßkrämpfe und deren Ursache kann es nötig sein, eine medikamentöse Therapie zu beginnen. Nifedipin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, dass gefäßerweiternd und durchblutungsfördernd wirkt. In der Vasospasmus-Therapie wurden damit teils sehr schnelle Erfolge beobachtet. Bitte besprich dich mit deiner behandelnden Ärztin dazu.

Kann ich mit dem Raynaud-Syndrom stillen?

Ja! Wenn du bereits vor der Stillzeit die Diagnose für das Raynaud-Syndrom erhalten hast, kennst du wichtige Hilfsmittel zur Vermeidung der schmerzhaften Begleiterscheinungen bereits:

  • kalte Zugluft vermeiden,
  • auf ausreichend Wärme und Schutz achten,
  • plötzliche Temperaturunterschiede möglichst vermeiden.

Wollstoffe sind häufig besser geeignet als synthetische Materialien, um die Wärme zu halten. Wichtig ist auch, dass Stilleinlagen keine Gelegenheit zum durchweichen bekommen. Tausche sie regelmäßig aus, um ein Auskühlen der Brustwarze zu vermeiden.

Hilft Schokolade beim Vasospasmus?

Es gibt die Überlegung, dass der Verzehr von Schokolade und Kakao aufgrund der enthaltenden Flavanole nicht nur gegen Blutdruck, sondern auch gegen das Raynaud-Syndrom helfen könnte. Es liegt dann nicht fern, dass Schokolade auch gegen einen Vasospasmus der Brust wirksam wäre.

Dass das geht, dafür gibt es leider keine Beweise. Ein großes Stück Schokolade (vor allem dunkle) schadet sicher nicht und macht vielleicht ein wenig glücklicher 🙂

Hast du noch mehr Fragen?

Wenn du noch Fragen hast, stell sie uns einfach gerne! Manchmal hilft jedoch auch der beste Artikel nicht weiter und es braucht etwas mehr Beratung, als eine schnell beantwortete Frage es könnte.

Deshalb bieten wir vom TeamMuttermilch auch individuelle Online-Stillberatung an. Per Video, bei dem wir deine Brust, das Anlegen und ggf. auch dein Baby beurteilen können, lassen sich viele Stillprobleme erkennen und Tipps geben, wie sich deine Beschwerden lindern.

Falls du den Verdacht hast, an einem Vasospasmus zu leiden, reicht in der Regel schon ein halbstündiger Termin – und die Kosten für die Anfahrt kannst du dir sparen 🙂

Falls du Interesse hast, klick hier:

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Quellen

  • Gresens, Regine: Intuitives Stillen. Kösel: 2016, S.58
  • Schottky/Rouw: Stillwissen. Theorie und Praxis. DAIS: 2021, S. 158
  • Wambach/Spencer: Breastfeeding and Human Lactation, 6. Auflage
  • Wilson-Clay/Hoover: The Breast Feeding Atlas, 6. Auflage
  • Deutscher Hebammenverband: Praxisbuch: Besondere Stillsituationen, 2012

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