Wie viele Windeln pro Tag?

Ein Kind verbraucht etwa 5000 bis 6000 Windelna, bis es trocken wird. Aber wie viele Windeln braucht es pro Tag? Dieser Frage gehen wir in diesem Artikel auf die Spur.

Stoffrollen, aus denen man auch Windeln machen könnte
Foto von Fiona Murray bei Unsplash

Achtung: Es sind Fotos von vollgemachten Windeln zu sehen. Wenn du das nicht anschauen magst, verlass die Seite besser wieder 😉

Zusammenfassung:
– In den ersten Tagen musst du vor allem dann die Windel wechseln, wenn dein Baby das „Mekonium“ (Kindspech) in die Windel drückt
– später können bei voll gestillten Kindern Stuhlfrequenzen von „gar nicht“ bis „sehr häufig“ vorkommen
– Windeln, in denen sich Stuhlgang befindet, sollten immer sofort gewechselt werden, um Wundsein vorzubeugen
– Die Urinproduktion steigert sich schnell von anfänglich sehr wenigen Millilitern bis zu mehreren hundert Milliliterm am Ende des ersten Monats
– Die meisten Kinder pinkeln 6-8 Mal täglich, viele auch deutlich häufiger – es kommt auch auf die Temperatur und die Trinkmenge an
– Am Anfang ist es sowohl tags als auch nachts empfehlenswert, nach jeder (Still-)Mahlzeit in die Windel zu schauen, um ein Gefühl dafür zu kriegen

Zunächst widmen wir uns der Frage, wie häufig Babys eigentlich Stuhlgang haben und urinieren.

Los geht’s!

Wie oft hat ein Baby Stuhlgang?

Bei dieser Frage kommt es auf folgende Dinge an:

  • Wird dein Baby gestillt oder bekommt es Flaschennahrung?
  • Ist es noch ein Neugeborenes oder schon ein älteres Kind?
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Hast du eigentlich schon einen Windeleimer*?

Wie oft hat ein gestilltes Baby Stuhlgang?

In den ersten Tagen nach der Geburt scheidet dein Baby zunächst das sogenannte „Mekonium“ aus.

Mekonium wird auch „Kindspech“ genannt, weil es zäh und schwarz wie Pech ist. Es enthält u. a. Härchen und Zellen, die dein Baby noch in deinem Bauch verschluckt und verdaut hat.

Mekonium in einer Windel.
Das Kindspech ist schwarz mit einem Grünstich und „zäh wie Pech“, woher es seinen Namen hat.

Wie häufig du Windeln mit Mekonium wechseln musst, ist unterschiedlich. In der Regel geht der Stuhlgang dann aber nach wenigen Tagen in den „Übergangsstuhl“ über, der schon die erste verdaute Muttermilch bzw. das Kolostrum enthält. Der Übergangsstuhl ist noch etwas schwärzlich-grünlich, aber auch schon etwas gelblich.

Übergangsstuhl in einer Windel.
Der Übergangsstuhl ist noch dunkel und zäh, aber schon etwas gelber und weicher als das ursprüngliche Mekonium.

Wenn du voll stillst, wird dein Baby nach wenigen Tagen den sogenannten „Muttermilchstuhl“ ausscheiden. Muttermilchstuhl kann ganz unterschiedlich aussehen und ganz unterschiedliche Konsistenz aufweisen. Besonders treffend ist diese Beschreibung, die eine Kollegin aus der Stillberatung immer bringt:

„Typischer Muttermilchstuhl sieht aus wie senffarbener Hüttenkäse“

Adäquate Beschreibung des Muttermilchstuhls von Frau H.

Lecker.

In den ersten Wochen kann Muttermilchstuhl sehr häufig auftreten, manchmal nach jeder Mahlzeit. Dies liegt übrigens am sogenannten „gastrokolischen Reflex“, den man auf Deutsch auch als „Magen-Darm-Reflex“ bezeichnen könnte.

Du kennst das vielleicht auch, wenn du nach einer großen Mahlzeit plötzlich merkst, wie es im Darm rumpelt und du manchmal sogar aufs Klo musst? Das ist der gastrokolische Reflex 🙂

Wie viele Windeln bräuchtest du am Tag, wenn du noch Windeln bräuchtest? Das hängt von vielem ab.
Der gastrokolische Reflex ist bei Babys – auch aufgrund der geringen Magengröße – recht ausgeprägt.
Foto von Claire Mueller auf Unsplash

Entsprechend kann dein Baby bis zu 8 Mal oder selten auch häufiger Muttermilchstuhl in die Windel drücken. Dies gilt besonders in der Anfangszeit bei Neugeborenen, wo der Darm noch relativ unreif ist.

Später, bei älteren voll gestillten Kindern, ist die Stuhlfrequenz dann deutlich niedriger. Die Muttermilch wird vom Darm supergut ausgeschöpft, sodass sich manchmal tagelang kein einziger Stuhlgang blicken lässt.

So lange du ein gesundes Kind hast, es fröhlich ist, keine Bauchschmerzen hat und gut trinkt, kann es also völlig normal sein, wenn es tagelang keinen Stuhlgang hat. In anderen Fällen, oder wenn du dir Sorgen machst, solltest du deine Kinderärztin besuchen.             

Faustregel: In der ersten Woche kannst du jeden Tag eine volle Windel mehr erwarten als am Vortag (also an Tag 3 etwa 3, an Tag 4 etwa 4, usw.) bis in der zweiten Woche oft bis zu 8 Stuhlwindeln gewechselt werden wollen. Danach reduziert sich die Anzahl. Schon mit einem Monat haben viele gestillte Babys dann gar nicht mehr jeden Tag Stuhlgang.

Ganz viele weitere Fragen, die zu dem Thema haben könntest, haben wir in unserem Artikel zum Stuhlgang bei Babys zusammengefasst.

Und wie oft hat ein Baby bei Flaschennahrung Stuhlgang?

Ganz kurz gesagt: Hier ist es ebenfalls unterschiedlich. Der Formula-Stuhl hat eine andere Farbe, riecht unangenehmer, zudem ist Formulanahrung nicht so gut verdaulich wie Muttermilch.

Im Prinzip gelten aber die gleichen Dinge wie oben bei der Muttermilchernährung. Mit der wichtigen Einschränkung, dass mehrere Tage ohne Stuhlgang bei Flaschenkindern sehr ungewöhnlich sind und frühzeitig ärztlich abgeklärt werden sollten.

Also, wie viele Windeln braucht ein Baby am Tag, wenn man nur den Stuhlgang betrachtet? Am Anfang eher 3-5, vielleicht auch mehr. Später kann es deutlich weniger werden, mitunter sogar gar keiner.

Aber es gibt ja auch noch den Urin.

Wieviel Urin lässt ein Baby pro Tag?

Dein Baby sollte das erste Mal in den ersten 24 Lebensstunden Pipi in der Windel haben. Manchmal dauert es etwas länger, oder es hatte schon unbemerkt unter der Geburt den ersten Urin.

Danach kommt die Urinproduktion langsam in den Gang: Abhängig auch davon, wie schnell und stark dein Milcheinschuss ist, werden nach anfänglich 1-2 Mal täglich die meisten Neugeborenen dann schon 6-8 Mal täglich pinkeln, ältere Säuglinge dann sogar bis zu 18 Mala.

Die gesamte Urinmenge eines Tages steigert sich so von etwa 15 Milliliter am Tag der Geburt, über etwa 100 – 300 Milliliter in den ersten Tagen bis zu etwa einem halben Liter Urin im späteren Säuglingsalter. Dabei kommt es auch auf die Trinkmenge deines Babys, die Temperatur usw. an.

Hier mal ein Beispiel, wie viel Menschen in verschiedenen Lebensphasen prozentual zu ihrem Körpergewicht ausscheiden. Ein gesundes Neugeborenes am ersten Lebenstag scheidet unter einem Prozent aus. Nach einer Woche sind es schon fast 5%, ein 2 Monate altes Kind mit 5 Kilo scheidet täglich etwa 10% seines Gewichtes als Urin aus! Zum Vergleich: Ein Erwachsener mit 80 kg und 1,5 Liter Urinmenge am Tag verliert gerade einmal knapp 2% seines Gewichtes an Urin. Natürlich schwanken die Daten je nach Trinkmenge, Körpergewicht und Temperatur.

Natürlich musst du dann nicht nach jedem Mal die Windeln wechseln. Gerade aber in den ersten Tagen solltest du, auch um dich daran zu gewöhnen und ein Gefühl dafür zu kriegen, häufig in die Windel schauen. Zu lange im Urin zu liegen macht wund und begünstigt Harnwegsinfektionen, also lieber einmal öfter als einmal zu wenig wickeln.

Betrachtet man also allein den Urin, beträgt der Windelverbrauch eines Babys im Schnitt wohl etwa 6 bis 8 Windeln.

Kommen wir nun zur Beantwortung der Ausgangsfrage: Wie viele Windeln pro Tag braucht ein Baby?

Wie oft Windeln wechseln bei einem Baby?

Vor allem wenn du dich fragst, wie oft du dein Neugeborenes wickeln sollst, gilt:

  • Nach jedem Stuhlgang
  • Wenn zu viel Urin in der Windel ist

Wie oft das genau sein wird, kann man nicht für jedes Baby pauschal beantworten.

Mach es dir zur Gewohnheit, in den ersten Tagen und Wochen nach jeder größeren Stillmahlzeit in die Windeln zu schauen.

Wenn alles gut läuft, hast du einen ungefähren Rhythmus aus Schlafen – Stillen – Kurze Wachphase – Schlafen. Die zufriedenen Wachphasen nach dem Stillen solltest du also zum Windeln wechseln nutzen, oder zumindest um nachzuschauen, ob sie bereits voll ist.

Insgesamt wird das, je nach Baby, mindestens vier Mal der Fall sein, wahrscheinlich deutlich häufiger.

Bonusfrage 1: Bei meinem Baby läuft nachts die Windel aus

Wenn bei deinem Baby die windeln nachts auslaufen, liegt wahrscheinlich eines dieser vier Probleme vor:

  1. Du wickelst zu selten: Manche Windeln versprechen bis zu 12 Stunden Trockenheit, aber nicht alle halten dieses Versprechen. Wenn dein Kind gestillt wird oder nachts eine Flasche erhält, schau nach, wie viel bereits in der Windel ist. Nutze den Halbschlaf, in dem sich dein Baby dann oft befindet, um die Windel zu wechseln.
  2. Dein Kind trinkt abends zu viel: Gerade bei größeren Babys und bei Kleinkindern läuft die Windel nachts oft aus, weil abends noch zu viel getrunken wird. Die „Schlaf-Flasche“ kann ja sehr beruhigend wirken und sich in das Abendritual integrieren. (Volle Wahrheit: Unser Großer hat eine Weile lang vor dem Schlafengehen fast einen halben Liter verdünnte Milch getrunken, weil er immer danach verlangte. Das ist ziemlich doof und brauchte viel Kraft, das wieder abzugewöhnen.) Ein möglicher Tipp: Falls die Flasche zum Ritual gehört, füll jeden Abend ein paar Milliliter weniger hinein.
  3. Du wickelst nicht fest genug: Unsere Kinder sind nachts eigentlich nur ausgelaufen, wenn Tobi gewickelt hat. Er war wohl einfach zu rücksichtsvoll 🙂
  4. Die Windeln sind zu groß oder zu klein: Die richtige Windelgröße solltest du schon beachten, wenn die Windel deines Babys nachts ausläuft. Egal ob zu groß oder zu klein, eine Windel, die nicht passt, hält nachts nicht dicht.  

Also, wie oft nachts wickeln?

Es kommt drauf an, wie viel dein Kind abends und nachts trinkt, wie alt es ist und ob die Wickeltechnik und -größe stimmt. Verlass dich nicht zu sehr auf Infos im Internet (auch wenn wir natürlich dankbar dafür sind, dass du bei uns liest 😉), sondern teste selber aus, wie häufig es bei euch nötig ist.

Bonusfrage 2: Welche Windeln sind die besten?

Wenn du auf der Suche nach guten Windeln bist, können folgende Ansprüche für dich interessant sein:

  • Preis: Die Spannbreite beim Einzelpreis von Windeln ist enorm! Während Windeln der Drogereie-Eigenmarke manchmal nur wenige Cent pro Stück kosten, bist du bei nachhaltigen Bio-Windeln schonmal locker bei einem halben Euro pro Stück. Das läppert sich schnell auf einige Euro am Tag! Insgesamt geht man übrigens davon aus, dass man im Leben eines Kindes etwa 2.000 Euro für Einmalwindeln ausgibt.
  • Einweg oder Stoff? (oder sogar windelfrei?) Wenn du Einwegwindeln verwendest wirst du schnell sehen, was für unglaubliche Müllmengen entstehen. Und leider helfen da auch Bio-Windeln nicht allzu viel weiter: Denn selbst wenn diese biologisch abbaubar oder sogar kompostierbar sind – da sich daran menschliche Exkremente befinden, müssen sie in den Restmüll. Stoffwindeln hingegen produzieren viel weniger Müll, sind trotz höherer initialer Anschaffungskosten auf Dauer günstiger. Dafür „stinkt“ so manchem die Reinigung, die dafür nötig ist.
  • Qualität: Es gibt durchaus Qualitätsunterschiede bei Windeln. Nehmen wir mal uns als Beispiel: Bei einer der Ökomarken hatten wir ständig das Problem, dass unsere Kinder nass wurden. Bei einer der Drogeriemarken hatten wir sehr häufig dieses „Granulat“ in der Windel (und im Intimbereich der Kinder). Beim wohl berühmtesten Hersteller von Windeln waren wir von der Qualität überzeugt, da gefällt uns aber der Geruch nicht. Die Windeln, die wir am Liebsten mögen, sind uns eigentlich zu teuer. Also doch Stoffwindeln?
  • Klimaschutz: Viele Windelanbieter versprechen CO2-neutrale Windeln, Kompostierbarkeit, Plastikfreiheit – diese Merkmale sind für den Verbraucher leider recht teuer und das kann (und will) sich einfach nicht jeder leisten.
  • Unser Fazit also: DIE beste Windel gibt es nicht. Ihr müsst euch durchprobieren und bei der Windel bleiben, die euch (und eurem Baby am Besten gefällt).

Quellen u. a.:
– Thieme, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Edition 5, S. 366
– Das Hebammenbuch, S. 761, Auflage 5
– Weitere Quellen sind im Text verlinkt

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