Stillen nach Kaiserschnitt: Stillpositionen, Milcheinschuss + mehr

Das Stillen nach einem Kaiserschnitt ist manchmal problembehaftet, unabhängig davon, ob der Kaiserschnitt geplant, ungeplant oder gar notfallmäßig durchgeführt wird. Das Stillen ist aufgrund der Schmerzen nach der OP nicht in jeder Stillposition möglich und oft verspätet sich der Milcheinschuss.

Ein Baby liegt zufrieden auf dem Rücken neben dem Bauch seiner Mutter, auf dem die verheilte Kaiserschnitt-Narbe zu sehen ist.
Nach Kaiserschnitt zu stillen kann etwas schwieriger sein. Aber nicht entmutigen lassen: Mit ein paar Tricks und etwas Hilfe klappt es trotzdem!
Foto: Tatiana Diuvbanova/shutterstock.com

In diesem Artikel lernst du, was du tun kannst, um auch nach einem Kaiserschnitt mit den besten Voraussetzungen für das Stillen in das Wochenbett starten kannst.

Los geht’s!

Typische Stillprobleme nach einem Kaiserschnitt

Fast jede dritte Kind in Deutschland wird per Kaiserschnitt geboren1.

Leider starten deutlich weniger Frauen nach einem Kaiserschnitt das Stillen als nach einer vaginalen Geburt, deutlich mehr Frauen hören früh ungewollt damit auf und nur noch ein sehr geringer Teil stillt nach den empfohlenen sechs Monaten noch ausschließlich.

Der Hauptgrund für dieses Problem ist der verzögerte und beschwerlichere Stillstart.

Bedingt durch die „Logistik“ des Kaiserschnitts, der in einem sterilen OP-Raum stattzufinden hat, kommen leider viele Mamas erst verspätet in den Genuss, mit ihrem Kind kuscheln zu können. „Bonden“ heißt das in der Kreißsaal-Sprache. Gerade natürlich, wenn Komplikationen bei Mama oder Kind auftreten, oder wenn die OP in Vollnarkose stattgefunden hat, ist dieses Bonding nicht sofort möglich.

Ein Baby trinkt an der Brust seiner Mutter unmittelbar nach der Geburt.
Die Mama auf diesem Foto sieht vielleicht nicht besonders glücklich aus, aber mit dem frühen Bonding und dem frühen Stillen legt sie trotzdem die Grundlage für

Das Bonding ist jedoch eklatant wichtig für die frühe Bindung zwischen Mutter und Kind. Es hilft dem Kind, in der Welt anzukommen und seine Körperfunktionen an das Leben außerhalb des Bauches anzupassen und es hilft der Mutter, sich zu entspannen und das Kind als ihres anzunehmen.

Und: Es ist inzwischen häufig gezeigt worden, dass das frühe Bonding das Stillen fördert. Kinder, die nach der Geburt eine Stunde oder länger auf dem Bauch der Mutter lagen, vielleicht auch noch vor dem ersten Einschlafen an der Brust gesaugt haben, werden länger gestillt. Das liegt nicht nur an der guten Bindung, sondern hat auch hormonelle Gründe.

Aber auch wenn das Bonding früh geklappt hat, hat die Mama nach Kaiserschnitt mehr Probleme, als nach vaginaler Geburt: Vor allem bedingt durch die Schmerzen an der OP-Narbe ist frau unbeweglicher, es kann nicht so einfach gestillt werden.

All das kann dazu führen, dass sich der Milcheinschuss verzögert, die Neugeborenen etwas zu viel abnehmen und eventuell auch zugefüttert werden müssen.

Wie du es trotzdem schaffst, einen möglichst gelungenen Stillstart hinzulegen, erklären wir jetzt in drei Kapiteln: Zunächst zeigen wir dir ein paar Stillpositionen und worauf es dabei noch ankommt. Dann geben wir dir Hilfestellung, um deinen Milcheinschuss zu fördern und schließlich noch ein paar weitere Stilltipps für das Stillen nach Kaiserschnitt.

Geeignete Stillpositionen

Spätestens wenn die Anästhesie abklingt wirst du merken, dass da ein Schnitt in deine Bauchdecke gemacht wurde und auch ein bisschen darin herumgezerrt wurde – du wirst also Schmerzen haben.

Neben einem guten Schmerzmanagement, für das deine Stationsgynäkologin zuständig ist (darüber reden wir unten nochmal) ist es wichtig, dass du dir Unterstützung suchst, denn du bist recht unbeweglich.

Und neben der Hilfe im Alltag (zum Beispiel beim Rooming-In mit deinem Partner / deiner Partnerin?) wirst du auch das Stillen wahrscheinlich nicht ohne Weiteres sofort hinkriegen.

Das Credo, egal für welche Stillposition du dich entscheidest, lautet also am Anfang:

Lass – dir – helfen!

Eine Stillposition, die das Stillen nach Kaiserschnitt erleichtern kann: Illustration einer Mutter, deren Baby quer über ihrer Brust liegt.
Hier liegt das Baby quer über der Brust der Mama, die sich in halb liegender, halb sitzender Position befindet. Es ist damit weit entfernt von der OP-Narbe, die Mama kann es mit beiden Armen unterstützen und hat eine gute Sicht auf das Anlegen.

Meistens wird unmittelbar nach der Geburt in Rückenlage gestillt. Sitzen ist noch schmerzhaft, die Seitenlage auch (und Stehen sowieso).

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, von der wir dir hier zwei abgebildet haben. Diese Stillpositionen haben keinen besonderen Namen, es sind einfach verschiedene Arten des Stillens im Liegen.

Wichtig dabei ist, dass kein Druck auf deine Narbe ausgeübt wird. Gegen „Tritte“ deines Babys kann der Bereich mit einer Binde abgedeckt werden. Dein Baby kann dann quer über deiner Brust liegen, über die Schulter gelegt werden oder neben dir hocken.

Nochmal: Du musst es dir unbedingt zeigen lassen! 🙂

Illustration einer stillenden Mutter, die auf dem Rücken liegt, das Baby liegt schräg über ihrer Schulter, die Hand einer Helferin hält es.
Hier liegt das Baby quer über der Schulter der Mutter. Dabei solltest du dich dringend unterstützen lassen. Unter deinem Kopf sollten Kissen sein, damit du sehen kannst, wie dein Baby an der Brust saugt.

Einige Tage später wirst du dann schon entspannter stillen können, wenn du halb sitzend zum Beispiel in der Football-Position, oder in Seitenlage liegend stillen kannst. Nach und nach werden alle bekannten Stillpositionen möglich sein.

Wichtig ist, dass du die Regeln des richtigen Anlegens möglichst schon ab dem ersten Stillen befolgst. Auch dafür gilt wieder: Lass dir helfen.

Verspäteter Milcheinschuss

Der Kaiserschnitt ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen verspäteten Milcheinschuss.

Normalerweise kommt es nach etwa 2-3 Tagen zum Milcheinschuss, dem Moment, von wo an das Kolostrum nach und nach in „reife“ Muttermilch übergeht und reichlich Milch fließt. Die Brust ist dabei geschwollen, weil sie stark durchblutet wird und sich Lymphe ansammelt.

Dein Baby ist gut darauf eingestellt, dass erst nach diesen 2-3 Tagen reichlich Milch fließt. Die Vormilch reicht in der Regel aus, um es mit Energie und viele mehr zu versorgen. Es ist normal, dass ein Neugeborenes in den ersten Tagen nach der Geburt Gewicht verliert.

Aber wie gesagt: Nach einem Kaiserschnitt erfolgt der Milcheinschuss oft später, sodass ein Baby deutlich mehr Gewicht verlieren kann, als üblich, und auch später sein Geburtsgewicht wieder erreicht.

Das kann problematisch werden, das Hauptproblem – aus der Sicht des Stillens – ist, dass dann oft zugefüttert werden muss. Zufüttern solltest du aber wirklich nur dann, wenn es unbedingt nötig ist, da es einige Vorteile des ausschließlichen Stillens ausschaltet.

Warum verspätet sich der Milcheinschuss nach Kaiserschnitt?

Der Hauptgrund für den verspäteten Milcheinschuss nach einem Kaiserschnitt ist wahrscheinlich das verzögerte Stillen in den ersten Tagen.

Studien haben gezeigt, dass eine Mama nach einer vaginalen Entbindung im Schnitt nach etwa 40 Minuten stillt, nach einem Kaiserschnitt etwa 75 Minuten. Auch die einzelnen Stillmahlzeiten der ersten Tage fallen kürzer aus (z. B. wegen Schmerzen der Mama).

In den ersten Tagen wird jedoch der Grundstein für eine adäquate Milchmenge für die gesamte Stillzeit gelegt. Dafür ist u. a. das Prolaktin, das milchbildende Hormon und seine Rezeptoren verantwortlich.

Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie du den Milcheinschuss nach Kaiserschnitt fördern bzw. beschleunigen kannst, um deine Milchproduktion rasch anzukurbeln.

Der erste Schritt lautet: Bonden, bonden, bonden.

Bonden, Bonden, Bonden

Eine Mutter unmittelbar nach der Geburt beim Bonden.
Etwas erschöpft, aber glücklich: Auch nach einem Kaiserschnitt sollte ausgiebiges Bonding ermöglicht werden, denn es fördert die Bindung und den Stillerfolg.
Foto: Natalia Deriabina/shutterstock.com

Es sollte heutzutage Standard sein, dass auch nach einem Kaiserschnitt dein Baby sofort zu dir auf den Bauch kommt, zumindest dann, wenn bei dir und ihm alles gut ist.

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, oft wird ein CTG-Schlauch benutzt, in den es dann geschoben wird, noch während dein Bauch wieder verschlossen wird. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du wach bist. Typischerweise wird unten operiert (was du aber nicht siehst, weil ein Tuch dazwischen ist), deine Hebamme ist bei dir und dein Partner ist bei dir. Selbst mit Zwillingen klappt das Bonden nach Kaiserschnitt in der Regel wunderbar.

Falls das nicht geht, sollte es möglichst schnell nachgeholt werden. Oft wird erst der Papa zum Kuscheln herangezogen, bis die Mama wach genug und bereit ist, das Baby auf den Bauch zu bekommen. Innerhalb von spätestens zwei Stunden sollte das Stillen ermöglicht werden, wenn nichts dagegen spricht.

Die ersten zwei Stunden sind wichtig, aber auch darüber hinaus solltest du dein Baby so viel wie möglich am Körper haben.

Stillen nach Bedarf

Es ist immer wichtig, dass du nach Bedarf stillst.

In manchen Krankenhäusern sagen ältere Pflegepersonen noch, dass du alle 3 oder gar 4 Stunden stillen solltest. Das führt dann z. B. dazu, dass der Schnuller gegeben wird, um das Stillen länger herauszuzögern. Nicht machen!

In den ersten Tagen und Wochen heißt es „Ein waches Baby ist ein hungriges Baby“. Mach dich mit den Hungerzeichen (eigentlich besser „Stillzeichen“) vertraut und versuche immer direkt dann zu stillen, wenn dein Baby möchte. Das Baby wohnt in den ersten Tagen an der Brust.

Illustration der frühen Hungerzeichen: Das Baby dreht den Kopf, es wird unruhig, es öffnet den Mund.
Frühe Hungerzeichen treten oft schon im Schlaf auf, wenn das Baby kurz vor dem Aufwachen ist. Es spricht nichts dagegen, jetzt schon die Brust anzubieten. Einen Schnuller solltest du aber gerade in den ersten Wochen vermeiden, da ein Baby dann zwar kurz Ruhe gibt, oft aber umso stärker losschreit. Dann ist das Stillen viel schwieriger.

Nur zufüttern, wenn nötig!

Wie bereits erwähnt ist es normal, dass ein Baby nach der Geburt Gewicht verliert, und zwar bis zu 10%. Nach einem Kaiserschnitt brauchen Kinder meistens länger, um ihr Geburtsgewicht wieder zu erreichen2.

Manchmal kann es dann nötig sein, dass du dein Baby zufütterst, das heißt, ihm abgepumpte Milch oder Formulanahrung geben musst. Gründe für das Zufüttern sind zum Beispiel

  • zu starker Gewichtsverlust, vor allem wenn der Milcheinschuss ausbliebt
  • unter Umständen starke Neugeborenengelbsucht
  • und einige mehr

Manche Kliniken sind jedoch recht großzügig, was das Zufüttern angeht. Lass dich auf jeden Fall beraten, warum es gerade bei dir und deinem Baby notwendig ist.

Wichtig: Zufüttern heißt nicht automatisch Flasche geben! Das Füttern mit Flasche ist kritisch zu betrachten, weil es eine „Saugverwirrung“ fördern kann bzw. einfach dazu führt, dass dein Baby die Brust als zu kompliziert und ungemütlich betrachtet – aus der Flasche kommt die Milch halt besser raus.

Solltest du zufüttern, mach dich mit den Möglichkeiten des stillfreundlichen Zufütterns vertraut und frage auch nach, ob das bei deinem Kind in Frage kommt (in der Regel kommt es das!)

Ein Baby wird auf dem Arm einer Pflegerin liegend mit einem Löffel zugefüttert.
Dieses Kind wird stillfreundlich mit dem Löffel zugefüttert. Großartig!
Foto: Yangguza / shutterstock.com

Noch mehr Stilltipps nach Kaiserschnitt

Das waren die wichtigsten Tipps:

  • Früh bonden.
  • Oft stillen.
  • Nur zufüttern, wenn nötig.

Aber es gibt noch einige weitere Stilltipps, die dir helfen können.

Schmerzen behandeln lassen

Lass dir auf jeden Fall ausreichend Schmerzmittel verschreiben, wenn du ohne sie Probleme beim Stillen hast.

Nicht nur fällt das Anlegen an sich schwer, weil du nicht so ohne weiteres die typischen Stillpositionen einnehmen kannst, zudem behindern Schmerzen auch den Milchspendereflex, ohne den Stillen leider nicht funktioniert.

Natürlich bist du besorgt, wenn du Medikamente nehmen musst – gehen die nicht in die Muttermilch über? Deine Frauenärztin weiß aber, was stillverträglich ist und was nicht.

Ausstreichen oder Abpumpen

Sollte dein Kind ein Problem haben, das das sofortige Stillen nicht erlaubt oder sollte es gar auf der Neugeborenenstation aufgenommen sein, bitte darum, innerhalb der ersten sechs Lebensstunden mit dem Abpumpen zu beginnen.

Oder, noch besser: Lass dir zeigen, wie du Milch ausstreichen kannst, um das Kolostrum zu gewinnen.

Auch wenn dein Baby bei dir ist kann es hilfreich sein, nach jedem Stillen noch etwas Milch auszustreichen. Je leerer deine Brust, desto eher ist das für deinen Körper ein Signal, mehr Milch herzustellen und den Milcheinschuss anzuregen. Das ausgestrichene Kolostrum kannst du deinem Baby z. B. mit dem Löffel füttern.

Ein Baby saugt an der Brust seiner Mutter. Der Verband an ihrer Hand weist darauf hin, dass es sich durchaus um das erste Stillen nach Kaiserschnitt handeln könnte.
Bonden, bonden, bonden. Stillen, stillen, stillen. Das kann anstrengend sein, aber es lohnt sich.
Foto: Arlee.P/shutterstock.com

Rebonding

Manche Familien profitieren, insbesondere nach traumatisch verlaufenden Geburten, von einem sogenannten Rebonding.

Dabei wird die Geburt nachgestellt, indem das noch junge Neugeborene zwischen den Beinen der Mutter gebadet wird und dann nass der Mutter auf die nackte Brust gelegt wird. Manches Kind mag durch die Simulation dieser „zweiten Geburt“ auch das Stillen neu für sich entdecken.

Sprich deine Hebamme darauf an, wenn du Interesse hast.

Ruhe und Gelassenheit

Das A und O einer gelungenen Stillbeziehung ist die Ruhe. Versuche wann immer möglich, aktiv Stress zu reduzieren und zu vermeiden.

Ja, das ist nicht immer einfach, gerade wenn alles noch neu und unbekannt ist, oder wenn zuhause schon das Geschwisterkind harrend lauert 🙂

Versuch aber trotzdem in den ersten Tagen Besuche auf ein Minimum zu reduzieren, weil jeder Besuch das Potential hat, eine Stillmahlzeit zu verzögern (z. B. Stichwort Schwiegerpapa im gleichen Raum).

Wenn deine Geburt nicht optimal verlaufen ist und das Stillen in den ersten zwei Stunden nicht geklappt hast, verzage nicht: Konzentrier dich auf das viele Bonden und das viele Stillen in der Zeit danach. Es können sogar Frauen stillen, die niemals schwanger waren! Vielleicht ist eure Ausgangssituation nicht ideal, das heißt aber nicht, dass das Stillen nicht genauso gut (oder besser) als bei allen anderen klappen kann.

Helfen lassen

Wichtig ist, dass du dir auf jeden Fall helfen lässt. Nicht jede Klinik hat eine Stillberaterin zur Hand (die meisten schon), aber jede Geburtsklinik hat Erfahrung mit Frauen nach Kaiserschnitt und jede Klinik sollte Personal haben, das dir beim ersten Anlegen, bei der richtigen Positionierung und bei alltäglichen Dingen (Toilettengang etc.) helfen kann.

Lass dir auch von deinem Partner bzw. deiner Partnerin helfen, wo immer es Sinn macht.

Auch wenn es im Fall eines Kaiserschnitts sinnvoll ist, jemanden „bei sich“ zu haben, kann auch eine Online-Stillberatung helfen, vor allem dann, wenn du schon zuhause bist und noch Fragen hast, Tipps benötigst oder von deinen Sorgen berichten magst.

Erfahrungen teilen

Wenn du magst, teil gerne deine Erfahrungen mit dem Stillen nach Kaiserschnitt mit uns. Lass einen Kommentar da oder schick uns eine Mail – du bekommst auch auf jeden Fall Antwort 🙂

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