Leserinnenfrage: Was tun, wenn der Milchspendereflex schmerzt?

Über Instagram (bitte folgen ;-)) erreichte uns die Frage von Victoria, was sie bei Schmerzen beim Milchspendereflex machen könne:

„Das Stillen klappt bei uns von Anfang an gut. Meine Kleine ist aber jetzt sechs Wochen alt und ich überlege ernsthaft, zur Flasche zu wechseln: Bei jeder Stillmahlzeit tut der erste Milchspendereflex extrem weh. Er setzt sehr schnell ein und eine Minute lang sticht es richtig doll. Meine Hebamme konnte mir leider nicht helfen. Woher kommen die Schmerzen? Und was kann ich dagegen tun?“

Eine Frau sitzt auf einem Sofa und stillt ihr Baby. Sie hat einen leidenden Gesichtsausdruck, als hätte sie Schmerzen.
Das ist nicht unsere Leserin Victoria, sondern ein Stockfoto-Modell – so aber kann es aussehen, wenn der Milchspendereflex schmerzt.
Foto: Zhuravlev Andrey / shutterstock.com

Schauen wir uns diese Frage mal genauer an. Erst in der knappen Zusammenfassung für Eilige, dann in ausführlichen Infos.

Los geht’s!

Zusammenfassung für Eilige

Kein seltenes Problem: Bei vielen Frauen ist am Anfang der Stillzeit vor allem der erste Milchspendereflex einer Stillmahlzeit schmerzhaft. Oft löst sich das Problem aber nach einigen Wochen von selbst.

Woran es liegt: Beim Milchspendereflex wird die Milch von tief innen, wo sie produziert wird, nach außen Richtung Brustwarze geschoben. Das kann dazu führen, dass sich die Milchgänge durch den relativ hohen Druck schmerzhaft weiten. Besonders Frauen mit viel Milch sind häufig betroffen.

Zu stark oder zu lang sollte es nicht sein: Sind die Schmerzen so stark, dass du überlegst, ob du das Stillen aufgeben solltest? Dann solltest du handeln. Auch wenn die Schmerzen länger als 4-6 Wochen anhalten, gibt es vielleicht ein zugrunde liegendes Problem.

Zugrunde liegende Probleme: Der wohl wichtigste Grund ist eine Dysbiose der Brust, also ein Ungleichgewicht der Bakterienflora in den Milchgängen. Das kann die Milchgänge zusätzlich verengen und zu Schmerzen beim Milchspendereflex führen. Aber auch Milchstau und Mastitis, ein Brustsoor oder Vasospasmus können ursächlich sein.

Was hilft? Druck ablassen: Oft hilft es, vor der Stillmahlzeit deine Brust zu massieren und per ausstreichen oder abpumpen etwas Milch abzulassen, vielleicht den ersten Milchspendereflex abzuwarten, ehe du anlegst.

Was noch hilft: Probiotika können helfen, manchmal sind auch Schmerzmittel nötig. Unbedingt sollten zugrunde liegende Ursachen behandelt werden, wenn sie identifiziert werden können.

Wenn du ausführlicher Bescheid wissen willst, lies einfach weiter 🙂

Woher kommen die Schmerzen?

Der Milchspendereflex sorgt dafür, dass die Milch tief aus der Brust, wo sie gebildet wird, nach vorne geholt wird. Auslöser ist meistens das Saugen deines Babys an der Brust. Durch einen Rückkopplungsmechanismus im Gehirn wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, welches dazu führt, dass die Milch nach vorne in Richtung deiner Brustwarze „ausgequetscht“ wird. Wenn du mehr darüber wissen willst, lies dir unseren Artikel zum Milchspendereflex durch.

Dass der Reflex zu Beginn der Stillzeit etwas weh tut, ist relativ normal. Die meisten Frauen spüren den ersten Reflex einer Milchmahlzeit, meist als kitzelndes, etwas stechendes Gefühl. Die Brust fühlt sich warm und voll an. Manchmal tut der Reflex aber regelrecht weh.

Die Schmerzen entstehen wahrscheinlich dadurch, dass sich die Milchgänge, durch die die Milch Richtung Brustwarze fließt, während des Stillens stark dehnen.

Meist enden diese Schmerzen nach 3 oder 4 Wochen, mitunter kann es auch länger dauern. In der Regel sind sie aber nicht zu stark und aushaltbar.

Unterliegende Probleme

Manchmal jedoch hält der Schmerz länger an und ist so heftig, dass Mamas darüber nachdenken, abzustillen, statt das Problem weiter zu ertragen.

Das kann mit unterschiedlichen unterliegenden Problemen zusammenhängen, auf die wir jetzt näher eingehen.

Zu viel Milch / zu starker Milchspendereflex

Das wahrscheinlich häufigste Problem ist zu viel Milch.

Mütter, bei denen der Milchspendereflex schmerzt haben überdurchschnittlich oft sehr viel Milch. Sie merken das daran, dass die Brust sich übervoll anfühlt, das Kind mit dem Trinken kaum hinterherkommt, sich verschluckt oder hustet. Oft neigen Mütter mit zu viel Milch auch zur Ausbildung von Milchstaus.

Oft fühlen diese Mamas einen sehr starken Milchspendereflex, der durch die große Milchmenge und den hohen Druck in den Milchgängen ausgelöst wird. Das kann auch weh tun.

Hinzu kommt dann unter Umständen, dass ein Baby, um mit der herausschießenden Milch irgendwie klarzukommen, auf die Brustwarze „beißt“, bzw. den Mund fest schließt um mit der Zahnleiste die Warze abzuklemmen und damit den Milchfluss zu verlangsamen. Auch das kann natürlich kräftig weh tun.

Verengung der Milchgänge / Dysbiose

Neuere Forschung zeigt, dass viele entzündliche Probleme der Brust und der Milchgänge mit einem Ungleichgewicht der Bakterien-Flora in den Milchgängen zusammenhängt – eine sogenannte „Dysbiose“.

Alle unsere Körperoberflächen sind mit massenhaft „guten“ Bakterien ausgekleidet. Diese befinden sich in der Regel in einem gesunden Gleichgewicht und wir leben in einer Symbiose mit ihnen.

Manchmal – zum Beispiel durch eine ungünstige Ernährung, durch bestimmte Krankheiten, durch den Einsatz von Anbiotika – kommt dieses Gleichgewicht durcheinander.

Auch in der Brust kann dieses Ungleichgewicht zu Entzündungen, zum Beispiel einer Mastitis führen. Dies hängt eng damit zusammen, dass die Bakterien die Milchgänge „überwuchern“ und damit verstopfen. Wahrscheinlich sind auch Mamas mit zu viel Milch überdurchschnittlich oft von einer Dysbiose betroffen.

Trifft nun ein starker Milchspendereflex auf einen verengten Milchgang, kann die Weitung des Ganges noch mehr wehtun.

Einfache Skizze eines Milchgangs, in dem runde Punkte Bakterien darstellen, die das Lumen des Ganges verengen.
Eine Dysbiose kann zur Verengung der Milchgänge führen, was viele Probleme mit sich bringen kann.

Noch mehr Gründe

Auch andere Probleme, die ganz generell zu Schmerzen beim Stillen führen, können auch einen schmerzhaften Milchspendereflex mit sich bringen. Dazu gehören:

  • Der Milchstau: Wahrscheinlich ganz eng mit der Dysbiose vergesellschaftet, aber auch durch andere Probleme ausgelöst, kann ein Milchstau mit Schmerzen beim Milchspendereflex einhergehen.
  • Mastitis: Das vermag auch die bakterielle Brustentzündung, die in verschiedenen Ausprägungsgraden auftreten kann.
  • Brustsoor: Auch eine Pilzerkrankung der Brust, ein sogenannter „Brustsoor“ wird immer wieder verdächtigt, auch Schmerzen beim Milchspendereflex auslösen zu können. In den letzten Jahren kommt jedoch Zweifel daran auf, ob von diesem Soor überhaupt die Milchgänge betroffen sind, also ist es auch eher unwahrscheinlich, dass deine Probleme hierdurch ausgelöst werden.
  • Vasospasmus: Beim Vasospasmus verengen sich die Blutgefäße an der Spitze der Brustwarze, was zu heftigen Schmerzen führen kann. Diese sind jedoch nicht typischerweise mit dem Milchspendereflex assoziiert. Trotzdem sollte auch ein Vasospasmus mit in die Überlegungen einbezogen werden. Viele Hebammen empfehlen dann rasch die Einnahme von Magnesium und Calcium, was selten hilfreich ist.

Vielleicht findest du nicht raus, was genau bei dir das Problem ist. Trotzdem gibt es einige Dinge, die du ausprobieren kannst, um der Lage Herr (oder besser: Frau) zu werden. Die besprechen wir jetzt.

Was kannst du dagegen tun?

Es wäre natürlich schade, wenn du „nur“ wegen eines schmerzhaften Milchspendereflexes abstillen müsstest. Damit du aber nicht einfach nur damit umgehen lernen musst, gibt es aber ein paar Möglichkeiten, die Symptome zu lindern.

Illustration einer Frau, die sich fragend mit dem Zeigefinger an die Wange tippt.
Manche Stillprobleme lassen dich vielleicht ratlos zurück. Fast immer gibt es aber eine Lösung – oder zumindest Lösungsversuche.

Vorher „Druck ablassen“

Wie oben beschrieben, ist das häufigste Problem ein zu starker Milchspendereflex, der durch eine zu große Milchmenge ausgelöst wird.

Oft hilft es, einen Teil der Milch und damit des „Drucks“ in den Milchgängen, vor dem Stillen abzulassen. Das erreichst du durch das vorsichtige Ausstreichen oder Abpumpen der Brust, am Besten nach einer leichten Brustmassage. Es kann helfen, vorher eine warme Dusche zu nehmen oder einen warmen, feuchten Waschlappen auf die Brust aufzulegen.

Natürlich wird auch hierbei der Reflex ausgelöst, erfahrungsgemäß tut er aber nicht ganz so stark weh, als wenn dein Baby an der Brust saugt.

Generell wäre es wünschenswert, die Brust nicht zu voll werden zu lassen. Also ehe ein zu großer Druck herrscht, bereits eine geringe Menge abzupumpen. Das ist allerdings ein schmaler Grat, denn erstens ist es schwierig, das dauerhaft aufrecht zu erhalten, zweitens kann auch dies dazu beitragen, die Milchbildung erst recht anzuregen.

Trotzdem berichten viele Frauen unserer Erfahrung nach, dass das vorherige „Druckablassen“ einen Riesenunterschied macht. Also probier es mal aus: Kurze Massage, ersten Milchspendereflex ausklingen lassen (also das Tropfen, dann das Spritzen abwarten und erst dann anlegen).

Für eine gesunde Bakterienflora sorgen

Da bei vielen Frauen wohl die oben erwähnte Dysbiose eine Rolle spielt, kann es hilfreich sein, daran zu arbeiten.

Wie die Bakterienflora in den Milchgängen am Besten gepflegt werden kann, ist derzeit noch nicht klar. Die Einnahme von gesunden Bakterien (v. a. Laktobazillen) kann dabei helfen. Gerne wird das Produkt „MamBiotic“ empfohlen, welches als einziges uns bekanntes Präparat in Deutschland genau diesen Zweck erfüllt.

Manchmal wird empfohlen, von der Frauenärztin eine Milchkultur anlegen zu lassen und dann je nach Befund mit Antibiotika zu behandeln. Unseres Wissens wird das in Deutschland aber sehr zurückhaltend gemacht, einfach auch weil man noch nicht so richtig weiß, was eigentlich eine gute und gesunde Flora ausmacht. Man weiß auch nicht genau, wann eine Antibiotika-Behandlung wirklich Sinn macht.

Das Still-Lexikon erwähnt auch die Möglichkeit, fermentierte Lebensmittel zu essen. Dass dies einen positiven Effekt zumindest auf die Darmflora hat, scheint nachgewiesen zu seinQuelle.

Die zugrunde liegenden Probleme lösen

Wenn dein Milchspendereflex schmerzt, weil du eine Krankheit oder ein Problem hast, was diesen Schmerz auslöst, sollte diese natürlich behandelt werden.

Was genau man bei den verschiedenen Ursachen (Vasospasmus, Brustsoor) usw. machen kann, liest du in den entsprechenden Artikeln.

Hier macht es auf jeden Fall Sinn, deine individuelle Situation in einer Stillberatung (zum Beispiel in einer Online-Stillberatung) beurteilen zu lassen.

Schmerzmittel

Hilft das alles nichts, möchtest du aber nicht abstillen (was wir befürworten ;-)), sind vielleicht auch Schmerzmittel ratsam, die du eine halbe Stunde vor der nächsten Stillmahlzeit einnimmst. Das ist schwierig zu timen und verhindert wohl auch nicht den kompletten Schmerz, kann aber die Schmerzspitze nehmen.

Lass dich bezüglich des Präparats und der Dosis auf jeden Fall von deiner Frauenärztin beraten.

Fazit

Wenn der Milchspendereflex schmerzt, liegt das wahrscheinlich an dem hohen Druck und der Weitung der Milchgänge, die gerade während des erstens Reflexes einer Stillmahlzeit entstehen. Das ist in Maßen, gerade zu Beginn der Stillzeit, ganz normal.

Unterliegende Probleme können die Schmerzen verstärken, oder sogar verursachen. Meist ist das Problem eine zu große Milchmenge, eventuell in Kombination mit einer unausgeglichenen Bakterienflora in den Milchgängen.

Neben der Behandlung möglicher Grundursachen solltest du darauf achten, die Brust nicht zu voll werden zu lassen und eventuell schon vor einer Stillmahlzeit mithilfe einer Brustmassage Milch aus der Brust per Ausstreichen oder Abpumpen zu entfernen.

Die unterstützende Behandlung mit Probiotika kann ebenfalls sinnvoll sein, lässt sich das Problem gar nicht anders lösen, können auch Schmerzmittel nach Rücksprache mit deiner Gyn nötig sein.

Quellen

Lawrence & Lawrence, Breastfeeding – A guide for the medical profession, Elsevier, 9. Auflage 2022

Mohrbacher, Breastfeeding Answers – A guide for helping families, 2. Auflage 2020

Academy of Breastfeeding Medicine Clinical Protocol #36:
The Mastitis Spectrum, Revised 2022; https://www.bfmed.org/assets/ABM%20Protocol%20%2336.pdf

Weitere Quellen sind im Text verlinkt

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