Richtig Stillen

Richtig stillen – was heißt das eigentlich?

Fast alle Mütter wollen stillen und die meisten fangen nach der Geburt auch damit an. Leider schafft es nur ein geringer Teil, die empfohlenen sechs Monate voll zu stillen und noch weniger Mamis stillen deutlich über die sechs Monate hinaus.

Zwar ist das Stillen eine der natürlichsten Angelegenheiten der Welt – immerhin sind wir Menschen ja auch Säugetiere – aber viele Dinge machen es uns schwer, solange zu stillen, wie wir eigentlich wollen und wie es eigentlich am Besten ist.

Eine Frau stillt ihr Baby auf einer Luftmatratze auf hartem Boden und sieht erschöpft aus.
Stillen kann wunderschön sein – aber auch sehr anstrengend.

In der Stillzeit kann es sein, dass du dir folgende Fragen stellst:

  • Wie lege ich richtig an?
  • Welche Stillpositionen gibt es und welche ist die Beste für mich?
  • Warum tut das Stillen weh, und was tue ich dagegen? Was mache ich gegen wunde Brustwarzen?
  • Wie verhindere ich einen Milchstau und eine Brustentzündung?
  • Habe ich zu wenig Milch? Wie steigere ich meine Milchmenge?
  • Warum ist mein Baby so unruhig an der Brust? Warum will es ständig angelegt werden?
  • Wie funktioniert das Abpumpen, und wie bewahre ich abgepumpte Milch auf?
  • Warum soll ich überhaupt stillen? Tut es nicht auch die Flasche?
  • Wie stille ich stressfrei ab?

All diese Fragen (und viele mehr) beantworten wir dir hier – und in unserem Blog.

Viele Stillprobleme haben ihren Ursprung in den ersten Tagen nach der Geburt. Es ist also wichtig, dass du am Besten schon vor der Geburt (oder unmittelbar danach) die besten Informationen zum Stillen bekommst, die es gibt.

Das ist die Idee hinter dieser Website, und deshalb lautet unser Leitmotto:

Richtig stillen – von Anfang an.

Los geht’s!

Die gemeinsame Stillreise

Oft heißt es, wir Menschen in der westlichen Welt haben verlernt, was „richtig stillen“ bedeutet:

Familien leben allein, ohne Großeltern, Tanten und Cousinen, ohne sogenannte „Stillvorbilder“, die ihnen zeigen, wie das richtig funktioniert: Mit dem Stillen und dem Anlegen und der Muttermilch.

Und auch im Krankenhaus bleibt dem Pflegepersonal und den Hebammen immer weniger Zeit jungen Müttern zu zeigen, wie sie richtig stillen können.

So fragst du dich vielleicht:

  • Wie du richtig anlegst
  • Warum das Stillen weh tut und ob das normal ist
  • Wie oft und wie lange du stillen solltest
  • Woran du erkennst, dass dein Baby Hunger hat
  • Welche Stillposition die beste ist
  • Wie schnell dein Baby Gewicht zunehmen sollte
  • und vieles mehr

Gerade beim ersten Baby können die Tage nach der Geburt überwältigend sein und das Stillen wird zu einer von vielen komplizierten Neuheiten, durch die du dich irgendwie durchmanövrieren musst.

Oft genug führen der Stress und die mangelnde Unterstützung dazu, dass sich von Anfang an kleine Probleme beim Stillen einschleichen. Diese können zu Schmerzen, zu einer schlechten Gewichtsentwicklung und schließlich zum vorzeitigen Zufüttern oder sogar Abstillen führen.

Du fragst dich also, worauf du achten musst, um von Anfang an richtig zu stillen?

Na ein Glück, dass du beim #teammuttermilch gelandet bist 😉

Stillen hat eine Menge Vorteile für dich, dein Baby und auch die Umwelt. Ideal ist es, wenn du es schaffst, mindestens vier bis sechs Monate voll zu stillen.

Aber es gibt auch im weiteren Verlauf eurer gemeinsamen Stillreise Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du „richtig stillen“ willst: Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Stillen aus? Wie stillt man ab, und zwar möglichst sanft? Wie lange stillen ist überhaupt sinnvoll?

Warum du stillen solltest

Stillen ist gesund, je länger, desto besser – sowohl für dich, als auch für dein Baby. Beim Stillen werden bei euch beiden unzählige Hormone ausgeschüttet. Eines der wichtigsten Stillhormone ist das Oxytocin, das „Kuschelhormon“, das euch bei jeder Berührung und bei jeder Mahlzeit durchflutet und für eine lebenslange Bindung sorgt.

Vorteile für dein Baby

Muttermilch enthält wahnsinnig viele Nährstoffe, Immunzellen und Wachstumshormone, die sich an die Reife und Situation deines Babys anpassen. Man sagt auch, dass es sich um eine „lebendige Flüssigkeit“ handelt. Durch ihre Vielzahl von Inhaltsstoffen – die genau auf die Bedürfnisse menschlicher Kinder angepasst sind – ist die Muttermilch die beste Ernährung für dein Kind.

Man geht davon aus, dass jedes Jahr über 800.000 weniger Kinder sterben könnten, wenn nach den Empfehlungen der WHO gestillt würde.

Es gibt reichlich Forschung dazu, inwiefern eine lange Stillzeit dein Baby vor Krankheiten schützen kann. Gesichert ist, dass voll gestillte Kinder seltener an Magen-Darm-Infekten leiden, seltener Atemwegsinfekte und Mittelohrentzündungen haben.

Menschen, die lange gestillt wurden, haben ein geringeres Risiko später Diabetes zu bekommen, haben wahrscheinlich seltener Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen. Es gibt sogar Anhaltspunkte dafür, dass Stillen auch Kinder vor Krebs schützen kann.

Stillen schützt vor dem plötzlichen Kindstod, vielleicht auch vor Allergien und es gibt sogar Hinweise dafür, dass gestillte Kinder älter werden und länger leben könnten.

Vorteile für die Mama

Das Stillen nützt dir als Mutter von der ersten Stunde an. Es hilft bei der Rückbildung der Gebärmutter: So wirst du vielleicht merken, dass das Anlegen zu Nachwehen führen kann.

Einer der größten gesundheitliche Vorteile für dich ist das geringere Risiko an Brustkrebs zu erkranken, vor allem im jüngeren Alter. Aber auch gegen Krebs an den Eierstöcken sowie gegen Schilddrüsenkrebs scheint das Stillen einen Schutz zu bieten. Bei allen gilt: Je ausschließlicher und länger du stillst, desto besser ist der Schutz.

Nicht ganz so eindeutige Hinweise gibt es dafür, dass eine lange Stillzeit vor Osteoporose und Wochenbettdepressionenen schützen kann.

Und für die Umwelt?

Im Jahr 2021 können wir es uns nicht länger leisten, den Klimawandel zu ignorieren. Stillen ist die umweltschonendste Möglichkeit, einen Säugling zu ernähren.

Bei der Produktion von künstlicher Säuglingsnahrung und der benötigten Hilfsmittel (Flaschen usw.) entstehen riesige Mengen CO2 und Methan (durch die Milchvieh-Haltung), die zum Klimawandel beitragen. Insofern hilfst du – zumindest im Kleinen – durch das Stillen auch mit, eine lebenswerte Zukunft für dein und alle andere Kinder zu sichern.

Übrigens: Auch für stillende Mütter ist eine vegetarische Ernährung in der Regel unproblematisch. Auch Veganerinnen können stillen, müssen dabei aber gut auf eine adäquate Nährstoffversorgung achten.

Wie lange sollte man stillen?

Bis auf ganz wenige Ausnahmen darf fast jede Frau stillen – und sollte es auch. Aber wie lange?

Die WHO, also die Weltgesundheitsorganisation, die Nationale Stillkommission und viele weitere internationale Expert*innen sind sich einig: Ein Baby sollte 6 Monate lang voll gestillt werden, ehe die Beikost eingeführt wird.

Und auch darüber hinaus darfst du weiterhin so viel und so lange stillen, wie du und dein Kind es wollen: 1 Jahr, 2 Jahre, oder weit darüber hinaus.

Es kann sein, dass du von deiner Kinderärztin hörst, dass du nach 4 Monaten bereits mit der Beikosteinführung starten solltest. Diese Empfehlung ist jedoch stark umstritten und aus Sicht von Stillexpert*innen nicht sinnvoll.

Wir befassen uns in einem ausführlichen Artikel damit, wie lange stillen sinnvoll ist.

Stillen und arbeiten

Es kann sein, dass du schon nach wenigen Wochen oder Monaten wieder in die Arbeit einsteigen willst oder musst.

Das bedeutet keinesfalls, dass dein Baby ab sofort auf die Muttermilch verzichten muss. In Deutschland haben wir eines der stillfreundlichsten Mutterschutzgesetze der Welt, das dir unter anderem das Recht auf regelmäßige Stillpausen in der Arbeitszeit einräumt.

Es ist jedoch nicht immer praktikabel, auch während der Arbeitszeit zu stillen – wer betreut dein Baby in der Zwischenzeit? Wer bringt es ein bis zwei Mal täglich zum Arbeitsplatz?

Abpumpen und Aufbewahren

Abhilfe schaffen kann hier eine Milchpumpe, die für die meisten arbeitstätigen Mütter, besonders in Vollzeit, unabdingbar wird.

Wenn du planst, in der Stillzeit zu arbeiten, informiere dich frühzeitig über die besten Milchpumpen und darüber, wie das Milch Abpumpen überhaupt funktioniert. Wichtig ist auch, dass du weißt, wie du abgepumpte Muttermilch aufbewahren musst.

Richtig abstillen

Zum Thema „Richtig Stillen“ gehört auch das „Richtige Abstillen„.

Abstillen kann eine enorme emotionale Belastung für dich und dein Baby sein. Vom sanften „baby led weaning„, bei dem dein Kind mehr oder weniger selbst bestimmt, wie schnell es abgestillt werden möchte, bishin zu brachialeren Methoden (abstillen von heute auf morgen):

Alle Methoden haben ihre Schwierigkeiten und Hürden und du solltest dir überlegen, welche Methode für dich am Besten passt.

Viele Mütter, die länger stillen, interessieren sich für das nächtliche Abstillen nach Gordon, bei dem du es innerhalb von wenigen Tagen schaffen kannst, möglichst schonend wieder mehr von der Nacht zu haben.

Wir werden in Zukunft deutlich mehr Ressourcen auf teammuttermilch.de zum Thema Abstillen bereitstellen.

Beikost

Beikost ist jede Art von zusätzlicher Nahrung, die du deinem Baby anbietest, die über Muttermilch und Formulanahrung hinausgeht.

Spätestens nach 6 Monaten (also zu Beginn des 7. Monats), frühestens nach 4 Monaten (am Anfang des 5. Monats) solltest du mit der Beikosteinführung beginnen. Wann genau der beste Zeitpunkt ist, ist umstritten, später sollte es aber nicht sein. Dein Baby sollte auf jeden Fall „beikostreif“ sein, das heißt

  • es schiebt das Essen nicht immer sofort wieder mit der Zunge aus dem Mund
  • es zeigt Interesse am Essen
  • es kann aufrecht sitzen (mit Hilfe) und den Kopf halten
  • sich selbst Dinge in den Mund stecken

Auch wenn immer wieder ein strenger „Breiplan“ empfohlen wird, ist es keine Vorschrift sich genau daran zu halten. Solche Breipläne sehen, je nach Autor, zum Beispiel folgendes vor:

  1. Im 5. Monat (oder eben im 7. ) mit einem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei zu starten, dann
  2. einen Monat später abends einen Milch-Getreide-Brei einzuführen und dann
  3. noch einen Monat später nachmittags einen Getreide-Obst-Brei zu füttern.

Viele Familien machen die Erfahrungen, dass ihr Baby auf diese Reihenfolge – oder auf Breie generell – gar keinen Bock hat. Dann wird mit dem Baby um jeden Löffel Pürree gefeilscht und frustriert geweint, wenn das Gefühl aufkommt, dass man den Hunger seines Babys nicht richtig stillen kann.

Ein Baby sitzt auf seinem Hochstuhl und ist im Gesicht mit Brei verschmiert, auf seinem Tischchen liegt auch ein Stück Banane. Das Baby schaut skeptisch in die Kamera.
Nicht jedes Baby ist auf Anhieb großer Beikostfan.

Es hilft sich dann bewusst zu machen, dass Beikost deshalb Beikost heißt, weil sie eben „dabei“ sein soll – zur Hauptmahlzeit, dem Stillen. Es ist in den meisten Fällen überhaupt nicht schlimm, wenn dein Baby bis zum Ende des ersten Lebensjahres den Großteil seiner Nährstoffe und Energie aus der Muttermilch erhält. Sollten sich irgendwelche Probleme ergeben, müsst ihr natürlich auf jeden Fall mit eurer Kinderärztin sprechen!

Das Problem mit der Brei-Einführung ist natürlich längst bekannt. Webseiten wir das Breifreibaby informieren ausführlich über die Beikost ohne Breikost.

Kann ich überhaupt „falsch“ stillen?

Das einzige, was du aus unserer Sicht wirklich falsch-falsch machen kannst ist, wenn du gar nicht stillst, obwohl du es eigentlich willst.

Aber natürlich gibt es ein paar Probleme, die immer wieder aufkommen und die zu einem Großteil aller Stillprobleme beiträgt.

Wenn du richtig stillen willst, halte dich an diese vier Faustregeln, und du wirst schon einige Stillprobleme vermeiden:

1 – Richtig anlegen

Für viele heißt „Richtig stillen“ nichts anderes als: Richtig anlegen. Tatsächlich ist die korrekte Anlegetechnik und die Kenntniss angemessener Stillpositionen das A und O des Stillerfolgs. Richtig anlegen heißt: Wie geht dein Kind an die Brust? Wie hält es den Mund? Wie gut kriegt es deine Brust hinein? Und vieles mehr.

Falsches, oder sagen wir mal „nicht ideales“ Anlegen kann zu verschiedenen Problemen führen, in erster Linie zu wunden Brustwarzen und starken Schmerzen, sowie zu einem Milchstau und in der Folge einer Brustentzündung, bei der auch ein Abszess droht.

Die goldenen Regeln des Anlegens sind:

  • Dein Baby muss den Mund weit genug öffnen
  • Seine Lippen sind nach außen gestült
  • Es hat reichlich Brustgewebe (also auch Teile des Warzenvorhofes) im Mund, nicht nur die Brustwarze

Viele Babys kriegen es von Anfang an hin, alle „Regeln“ einzuhalten und perfekt zu trinken, sodass es nie zu Problemen kommt. Andere machen vieles vermeintlich falsch, gedeihen aber trotzdem prächtig, ohne dass es zu Schmerzen oder einem Milchstau kommt.

Fakt ist aber, dass die falsche Anlagetechnik häufig indirekt zum frühzeitigen Abstillen führt, eben weil sie das Potential hat, Schmerzen und andere Probleme mit sich zu bringen. Die richtige Anlagetechnik sowie die Kenntnis um gute Stillpositionen sind also extrem wichtig, wenn du richtig stillen willst.

2 – Häufig genug Stillen

Leider glauben viele Familien immer noch – bewusst oder unbewusst – dass ein Baby alle 3 oder 4 Stunden an die Brust will, dann eine neue Windel braucht, dann kurz rumdaddelt und kurz darauf gemütlich wieder einschläft.

boy, are they wrong

Eine der wichtigsten Dinge, die du dir am Besten für immer merken und an alle werdenden Mütter weitergeben solltest, ist dieses:

Das Baby reguliert seinen Milchbedarf selbst.

Auch im Krankenhaus hörst du vielleicht: „Ihr Baby soll alle 4 Stunden trinken. Nicht seltener.“ Leider hören viele daraus: „Alle 4 Stunden ist gut. Alle 4 Stunden ist normal.“

Für die meisten Babys sind alle 4 Stunden allerdings nicht nur nicht normal, sondern zu selten. Klar, du darfst dich freuen, wenn du nach der enormen Anstrengung der Geburt auch mal einige Stunden schlafen darfst, ohne von einem schreienden Baby geweckt zu werden.

Es ist jedoch viel normaler, dass auch in den ersten Tagen nach der Geburt weiter stark gefordert bist. Die meisten Babys wollen viel häufiger stillen, als alle 3 oder 4 Stunden. Da kommt man schon ins Schwitzen! Manche sind stündlich an der Brust, manche gefühlt die ganze Zeit. Man kann das Clusterfeeding nennen, und es führt dazu, dass deine Brust mehr Milch produziert, denn:

Eine leere Brust führt zum Signal an den Körper: Es muss mehr Milch gebildet werden! Durch das ständige Trinken in den ersten Tagen legt dein Baby die Lagerstätten für die gesamte Stillzeit an. Auch wenn es am Anfang nur wenige Milliliter Vormilch (Kolostrum) zu sich nimmt: Es lohnt sich jede Stillmahlzeit.

Ein Schaubild, das den Zusammenhang zwischen häufigem Trinken des Babys ("leere Brust") und einer Höherregulierung der Milchproduktion zeigt.

Wir können gar nicht anders als ständig das Bonmot von Schwester H. zu zitieren, die uns beiden aus unserer Zeit in Berlin in guter Erinnerung ist:

„Das Kind wohnt in den ersten Tagen an der Brust.“

Schwester H. aus Berlin (sie ist auch erfahrene Stillberaterin)

Also:

  • Akzeptiere, dass dein Kind am Anfang so oft an die Brust will und erlaub es ihm. Mach dir keine Sorgen – es ist in der Regel normal!
  • Verzichte soweit möglich in den ersten Wochen auf den Schnuller. Nicht nur förderst du durch das Anlegen die Milchbildung, auch vermeidest du die mögliche Gefahr einer Saugverwirrung.

3 – Chill mal

Wir kennen das selber: Gerade nach dem ersten Kind (aber auch nach jedem weiteren) wollen am Liebsten alle Freunde und Verwandten vorbeikommen, um das „kleine Wunder“ zu begutachten. Verständlich!

Andererseits bist du nach der Geburt noch völlig geschafft, vielleicht total überfordert mit dem plötzlichen „Ausnahmezustand Baby“, der erst nach und nach zum Alltag werden wird.

Zuviel Stress ist aber nicht nur Gift für die Seele (und vielleicht sogar die Partnerschaft), sondern auch für das richtige Stillen. Dies liegt unter anderem daran, dass Stress den Milchspendereflex hemmt:

Die Stimulation der Brust und Brustwarze führt dazu, dass in deinem Körper das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird (wie oben schon erwähnt: Das Kuschelhormon). Neben einem wohligen Gefühl bewirkt es auch den Milchspendereflex.

Durch diesen Reflex wird die Milch vom Ort der Produktion (den Milchdrüsen) in die Milchgänge und damit zur Brustwarze „geschoben“. Die Brust ist nämlich nicht wie ein Strohhalm, aus dem dein Baby trinken kann, stattdessen hilft sie aktiv beim Milchtransfer mit.

Ohne Milchspendereflex wird dein Baby keine ausreichenden Mengen Milch erhalten können. Und dieser Reflex wird eben durch Stress, Schmerzen usw. gehemmt.

Deshalb bedeutet „richtig stillen“ für uns auch:

  • Lad nur die wichtigen Menschen nach der Geburt ein, die auch wirklich wichtig sind
  • Verzichte auf große Unternehmungen, Projekte, die dir Stress bereiten
  • Sch*** mal ein paar Wochen auf eine klinisch rein geputzte Wohnung
  • Lass dir helfen, so gut es geht (von deiner*m Partner*in, von Oma und Opa, von Freunden)
  • Tu Dinge, die dir und deinem Baby gut tun

Auch bei diesem Thema möchten wir nochmal Schwester H. zitieren:

„Der Begriff ‚Wochenbett‘ kommt von ‚Woche‘ und ‚Bett‘, weil eine Mama nach der Geburt wochenlang im Bett liegen sollte.“

Auch Schwester H. aus Berlin.

Der Spruch ist natürlich ein bisschen übertrieben: Aktivität, die dir gut tut, ist auch ausdrücklich erlaubt. Sechs Wochen im Bett zu liegen kann nämlich auch stressig und anderweitig schädlich sein. Es soll nur heißen: Schon dich, wenn du es brauchst. Mute dir nicht mehr zu, als du willst, schon gar nicht nur deshalb, weil andere es von dir erwarten.

Lass dir helfen

Es ist keine Schande, wenn du nicht von Anfang an das Gefühl hast, richtig stillen zu können. Man saugt es eben nicht mit der Muttermilch auf! 🙂

Genauso wenig ist es schlimm, wenn in den Wochen oder Monaten nach der Geburt Fragen aufkommen. Auch wenn du dein zweites Kind erwartest und verunsichert bist, weil es beim ersten Kind nicht so gut geklappt hat: Völlig normal.

Wichtig ist, dass du dir früh genug Hilfe suchst.

Die erste Ansprechpartnerin ist in der Regel deine Hebamme. Zur Grundausbildung jeder Hebamme gehört es, sich auch mit dem Stillen zu beschäftigen.

Allerdings gibt es dabei zwei Probleme:

  1. Nicht jede Familie hat eine Hebamme (allein in Hamburg gerade mal die Hälfte).
  2. Nicht jede Hebamme kennt sich richtig gut mit Stillproblemen aus.

Dein Weg zur Hilfe kann auch über deine Frauenärztin führen: Gerade medizinische Probleme kann sie adäquat behandeln (zum Beispiel eine Brustentzündung oder einen Abszess).

Für typische Stillfragen fehlt aber vielen Frauenärztinnen die Expertise und auch die Zeit. Wir finden das total verständlich, schließlich ist ihr Gebiet noch viel weiter gefasst, als das einer Hebamme und der Praxisalltag sehr eng getaktet.

Deshalb kann es bei jeder Problematik sinnvoll sein, eine Stillberatung in Anspruch zu nehmen, denn:

  • Stillberaterinnen sind fokussiert auf das eine Thema Stillen und bilden sich umfangreich weiter
  • Sie kommen häufig aus anderen medizinischen Gebieten und haben also auch über das Stillen hinaus eine breite Expertise (häufig sind es extra fortgebildete Kinderkrankenpflegerinnen, Frauenärztinnen, Hebammen, usw.)
  • Sie wissen, wann eine andere medizinische Behandlung nötig ist und schicken dich zur Frauenärztin, Kinderärztin, Osteopathin, etc.
  • In den meisten Fällen kann eine Stillberaterin dir helfen, weiterzustillen, Schmerzen zu lindern und einfach glücklicher mit deiner Stillsituation zu sein.

Welche typischen Stillprobleme gibt es?

Es gibt eine Menge Dinge, die während einer Stillreise schief gehen können – das heißt aber nicht, dass irgendeines dieser Probleme auf dich zutreffen muss.

Trotzdem stellen wir dir hier in aller Kürze die häufigsten Probleme vor und zeigen dir, wo du dich weiter darüber informieren kannst, wenn es bei dir dazu kommt.

Verspäteter oder schmerzhafter Milcheinschuss

Etwa zwei bis drei Tage nach der Geburt kommt es normalerweise zum Milcheinschuss. Dann füllen die sich ohnehin in der Schwangerschaft schon gewachsenen Brüste noch mehr: Mit Muttermilch, Blut und Lymphflüssigkeit.

Zum Milcheinschuss kommt es durch den plötzlichen Abfall des Hormons Progesteron nach der Geburt. Dieses wird von der Plazenta (dem „Mutterkuchen“) gebildet und hemmt die Milchproduktion während der Schwangerschaft. Kaum wird die Plazenta geboren, heißt es also: Alle Toren offen! Das Baby braucht Milch.

Der Milcheinschuss kann zu Problemen führen:

  • Er kann zu spät einsetzen: Vor allem nach einem Kaiserschnitt, aber auch aus anderen Gründen kann es länger dauern, bis die Milch „einschießt“. Dies ist einer von mehreren Gründe, warum man Kaiserschnitte nicht einfach so, sondern immer nur mit einer guten Begründung durchführt. Denn ein verspäteter Milcheinschuss kann zu einer schlechteren Gewichtsentwicklung führen und macht es häufiger notwendig, dass zugefüttert wird.
  • Er kann zu stark sein: Bei manchen Frauen verläuft der Milcheinschuss ziemlich heftig. Die Brüste schwellen stark an und schmerzen. Durch die Schwellung kann das Baby unter Umständen schlecht an die Brust und es besteht die Gefahr, dass die Brust oder einzelne Milchgänge sich teilweise abstillen.

Das wichtigste Mittel, um den Milcheinschuss zu fördern, ist das frühe und regelmäßige Anlegen nach der Geburt.

Beim Milcheinschuss kann deine Brust stark anschwellen.

Um Schmerzen bei der „initialen Brustdrüsenschwellung“, wie man den zu starken Milcheinschuss auch nennen kann, zu vermeiden, solltest du häufig und ausgiebig stillen, und wenn das nicht reicht, auch abpumpen oder die Brust ausstreichen.

Sollte dir dein Milcheinschuss unnormal stark vorkommen oder sich verspäten, empfehlen wir unbedingt eine Stillberatung, da Probleme in den ersten Tagen sich auf die gesamte Stillzeit auswirken können.

Schmerzen und Wunde Brustwarzen

Schmerzen beim Stillen sind eine der häufigsten Probleme in den ersten Tagen, können aber auch später auftreten.

In den meisten Fällen steckt dahinter eine falsche Anlagetechnik . Stell also mithilfe von Informationsangeboten oder einer spezialisierten Stillberatung sicher, dass du alles richtig machst.

Denn leider etablieren sich bei wunden, manchmal sogar blutigen Brustwarzen oder bei anderen Schmerzen gefährliche Teufelskreise:

  • Durch den Schmerz und den damit verbundenen Stress wird der Milchspendereflex gehemmt
  • Dadurch kann dein Baby die Brust schlechter entleeren, es kann zu Milchstau und einer Brustdrüsenentzündung kommen
  • Diese führen wiederum dazu, dass dein Baby schlechter an die Milch kommt und die Brust schlechter fassen kann, was wiederum zu Stress beim Baby und bei dir führen kann
  • Nicht selten führt so eine Konstellation über kurz oder lang dazu, dass zugefüttert und danach vorzeitig abgestillt wird

Aber auch andere Probleme können hinter Schmerzen beim Stillen stecken: Zum Beispiel eine Pilzinfektion der Brust oder ein sogenannter Vasospasmus.

Milchstau und Mastitis

Ein Milchstau tritt auf, wenn aus irgendeinem Grund die Muttermilch aus einem der Milchgänge nicht richtig entleert werden kann. Die Brust ist an der betroffenen Stelle gerötet, kann wehtun und verhärtet sein.

Im englischen wird dafür meist der Begriff „plugged ducts“ genutzt, also so etwas wie ein „verstopfter Milchgang„. Tatsächlich ist dies auch einer der Hauptgründe für einen Milchstau.

Ein Milchstau tritt vor allem dann auf, wenn die Milch nicht richtig entleert wird. Damit hängt er unmittelbar mit gleich 3 der Hauptgründe für Stillprobleme zusammen, die wir oben genannt haben:

  • Du musst dein Baby richtig anlegen: Durch mangelhafte Stillpositionen und falsche Anlagetechnik können manche Milchgänge unter Umständen nicht richtig entleert werden
  • Zu seltenes Stillen: Gerade in den ersten Wochen solltest du häufig stillen, und zwar nach Bedarf deines Kindes, um eine adäquate Leerung der Brust zu gewährleisten.
  • Stress und Schmerzen: Diese hemmen wie gesagt den Milchspendereflex, der essentiell ist, damit dein Kind deine Milch aus der Brust entfernen kann.

Darüber hinaus gibt es Kinder, die aufgrund von Erkrankungen nicht richtig stillen können, es gibt Brustanomalien, die einen Milchstau begünstigen und andere Gründe.

Mastitis / Brustentzündung

Der Übergang vom Milchstau zur Brustenzündung ist fließend und gar nicht immer einfach festzustellen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei einer Brustentzündung eine bakterielle Infektion vorliegt, die zu deutlich ausgeprägteren Symptomen und im schlimmsten Fall zu einem Brustabszess führen kann.

Deshalb lautet eine goldene Regel: Wenn sich die Symptome eines Milchstaus durch übliche Therapieversuche (häufiges Entleeren der Brust, lokale Maßnahmen, ggf. Medikamente) nicht lösen, muss ein Antibiotikum verabreicht werden.

Zu wenig Milch, zu viel Milch

Einer der Hauptgründe, aus dem Frauen vorzeitig abstillen ist das Gefühl, zu wenig Milch zu haben.

Häufig beruht dieses Gefühl nicht auf der echten Situation. Es kann helfen, die Trinkmenge eines Babys zu kennen und zu wissen, wie viel Milch überhaupt vorhanden ist, zum Beispiel im Rahmen einer sogenannten Stillprobe.

Folgende Gründe sprechen dafür, dass bei dir genug Milch vorhanden ist:

  • Dein Baby hat regelmäßig Stuhlgang (liest dazu: Wie viele Windeln pro Tag braucht dein Kind?)
  • Es lässt genug Urin, die Windeln sind regelmäßig nass
  • Es schluckt hörbar beim Trinken
  • Nach einer Stillmahlzeit wirkt es zufrieden
  • Es nimmt gut zu

Die gefühlte Fülle der Brust, die Pumpmenge und die Häufigkeit und Länge des Stillens sagen jedoch nicht zuverlässig aus, ob du genug Milch hast.

Falls du denkst, zu wenig Milch zu haben, solltest du nicht einfach zufüttern:

Sprich lieber mit deiner Hebamme oder engagier eine Stillberaterin, um zu prüfen, ob du tatsächlich zu wenig Milch hast und ob es andere Möglichkeiten gibt, die Milchbildung anzuregen.

Es gibt auch das Gegenteil: Manche Frauen haben eher zu viel Milch als zu wenig.

Was sich erstmal nicht weiter dramatisch anhört, kann trotzdem zu Problemen führen:

  • Das Baby spuckt viel
  • Es verschluckt sich
  • Ein Milchstau tritt häufiger auf, weil die Brust nicht richtig entleert wird
  • die Milch läuft ständig aus
  • und so weiter.

Das Still-Lexikon hat einen sehr guten Artikel zu dieser Problematik geschrieben, dem eigentlich nichts hinzuzufügen bleibt.

Andere häufige Probleme

Es gibt viele andere Probleme, die dich in der Stillzeit stören können:

  • Dein Baby verschluckt sich beim Stillen
  • Dein Baby will nicht an die Brust oder tritt in den „Stillstreik“
  • Es schwitzt beim Stillen
  • Dein Baby spuckt beim Stillen
  • Dein Baby schläft nur an der Brust ein
  • Es schläft beim Stillen ein, bevor es satt wird

All diese Probleme werden wir hier in der Zukunft genauestens besprechen – sobald wir dazu kommen 🙂 Bisher sind wir nur zwei im Kern des #teammuttermilch, und die Seite will noch aufgebaut werden. Lies hier mehr über uns, wenn du magst.

Richtig stillen – wer hilft mir?

Die Stillreise jedes Kindes und seiner Mutter ist unterschiedlich. Vielleicht verläuft sie bei euch nicht ideal, weil es schon am Anfang oder erst später Hürden gab, oder weil euch gerade ein ganz akutes Problem belastet.

Das beste Mittel um von Anfang richtig zu stillen ist unserer Meinung nach: Bescheid wissen. Deshalb möchten wir dir auf dieser Seite so viel Stillwissen wie möglich vermitteln und dich wissenschaftlich und erfahrungsbasiert umfassend über alle Aspekte des Stillens und der Muttermilch informieren.

Wie du vielleicht schon bemerkt hast, befindet sich diese Seite noch im Aufbau und nicht zu jedem Thema haben wir schon ausführliche Informationen zusammentragen können.

Bei manchen Problemen hilft jedoch auch die beste Informationslektüre nicht: Manchmal hilft nur eine echte Stillberatung.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner