Malzbier in der Stillzeit – Kein Boost für die Milchbildung?

Viele Mamas glauben, dass ein leckeres Malzbier in der Stillzeit ihnen helfen kann, mehr Muttermilch zu bilden. Stimmt das?

Eine Frau trinkt ein Glas mit dunkler Flüssigkeit - wahrscheinlich Malzbier - und schaut skeptisch in die Kamera.
Trotz Malzbier nicht mehr Milch? Das würde uns nicht wundern.

Warum das wahrscheinlich Unfug ist (aber auch nicht völlig ausgeschlossen) und welche Alternativen helfen, mehr Milch zu machen, lernst du hier.

Los geht’s!

Warum Malzbier wahrscheinlich keinen großen Effekt hat

Immer wieder hört man, dass Vitamalz, Karamalz und Co. empfohlen werden, um bei einer Stillenden für mehr Milch zu sorgen.

Woher diese Idee stammt, können wir nicht nachvollziehen. Vielleicht hat tatsächlich irgendwann jemand ein Vitamalz getrunken und danach das Gefühl gehabt, mehr Milch zu haben. Das hat sich dann vielleicht rumgesprochen, und plötzlich glaubt jeder daran.

Wie so oft sehen dann auch andere Frauen – und sogar professionelle Beraterinnen (zum Beispiel Hebammen) – ebenfalls einen Effekt. Es ist nur völlig unklar, ob eine möglicherweise steigende Milchmenge tatsächlich auf das Malzbier zurückzuführen ist.

Denn erstens ist es schwierig zu erkennen, ob die Milchmenge wirklich kurzfristig steigt. Und zweitens ist es noch viel schwieriger zu erkennen, woran das liegt. So hilft häufig auch schon die Beratung (richtig anlegen lernen, häufig stillen um die Milchbildung anzuregen). Hinterher wird es dann aber auf das Malzbier geschoben :-).

Aber kann es nicht trotzdem das Malzbier sein?

Natürlich ist das nicht auszuschließen. Vielen Lebensmitteln wird nachgesagt, sie könnten die Milchmenge steigern und nur für die wenigstens ist das in Studien bestätigt worden. Eigentlich für gar keins, für manche gibt es aber immerhin zarte Hinweise, zum Beispiel für den Bockshornklee oder die Mariendistel.

Aber schauen wir uns doch mal die Inhaltsstoffe des Malztrunks an am Beispiel des Vitamalz.

  • Wasser: Klar, ohne Wasser keine Milchbildung, aber auch generell kein Leben. Daran wird es also nicht liegen.
  • Gerstenmalz: Malz sorgt im alkoholhaltigen Bier für die Gärung, beim Malzbier vor allem für die dunkle Färbung und auch eine zarte Süße (da ist der zusätzliche Zucker aber wichtiger). Schaut man sich die Wissenschaft zur Gerste und zum Gerstenmalz an, scheint es da ganz dezente Hinweise zu geben, dass sie sich positiv auf die Milchmenge auswirken könnten – allerdings in einer eher mäßig gut durchgeführten Studie, sowie in einer Tierstudie, die einen erhöhten Prolaktin-Wert (= das milchbildende Hormon) bei Gerstenverzehr festgestellt hat. Also eher indirekte Hinweise.
  • Glucose-Fructose-Sirup: Ein Zucker-Zucker-Gemisch, Traubenzucker-Fruchtzucker, um genauer zu sein. Beides baut dein Körper zu Traubenzucker ab, der der allerwichtigste Energieträger im Körper ist, aber keinen speziellen Effekt auf die Steigerung der Milchmenge hat. Leider enthält Malzbier sehr viel Zucker, was bekanntermaßen nicht gerade gesund ist.
  • Kohlensäure: Führt zum Rülpsen, aber nicht zu stärkerer Milchbildung 🙂
  • Hopfenextrakt: Auch Hopfen hat das Potential, den Prolaktin-Wert zu steigern. Vielleicht deshalb wurde (und teilweise wird) stillenden Frauen empfohlen, das ein oder andere Bier zu trinken, um mehr Muttermilch zu machen. Allerdings zeigt sich heute eher, dass Babys eher weniger Milch bekommen, wenn die Mama in der Stillzeit Alkohol trinkt, wohl weil der Milchspendereflex gehemmt wird.

Schaut man ganz genau hin, gibt es zumindest ganz kleine Hinweise dafür, dass Malzbier in der Stillzeit tatsächlich einen positiven Effekt haben könnte.

Dem gegenüber steht der hohe Zuckeranteil im Malzbier, was zwar auf dein Baby erstmal keinen negativen Einfluss haben wird. Für dich ist das natürlich nicht besonders gesund, zumindest, wenn du zuviel davon verzehrst. Andererseits: In der Stillzeit hast du einen erhöhten Kalorienverbrauch und -bedarf, sodass du dir sicherlich auch mal ein Malzbier erlauben darfst 😉

Was wichtiger ist als Malzbier

Wichtiger als jedes Haus- und Lebensmittel, jedes Malzbier und jeder Stilltee oder sogar jedes Medikament zur Milchmengensteigerung ist das häufige Stillen.

Nur das regelmäßige, richtig durchgeführte Stillen, das zu einer guten Entleerung deiner Brust führt, sorgt für eine bessere Milchbildung, oft noch unterstützt durch zusätzliches Abpumpen oder Ausstreichen der Brust.

Vitamalz, Karamalz und Co. können allerhöchstens einen zusätzlichen Beitrag zu diesen Maßnahmen leisten. Wenn überhaupt, und dann wahrscheinlich nur einen sehr kleinen. Anekdoten, dass Malzbier in der Stillzeit den großen Durchbruch gebracht hat, sind wohl entweder krasse Ausnahmefälle oder tatsächlich eher vorsichtig zu bewerten. Wahrscheinlich kam der Durchbruch durch etwas ganz anderes.

Das ein oder andere Malzbier zu trinken schadet weder dir oder deinem Kind. Du solltest jedoch keine Wunder erwarten und dich auf jeden Fall auf die anderen Tipps konzentrieren. Oft hilft auch eine persönliche Stillberatung, das Grundproblem zu identifizieren und dir persönlich helfen zu können, mehr Milch zu produzieren.

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