Der DanCer-Griff

Kinder mit verringertem Muskeltonus (z. B. nach Geburtsproblemen, oder Neugeborene mit verschiedenen Erkrankungen) brauchen manchmal besonders UnterstĂŒtzung beim Stillen: Hier kann der sogenannte „DanCer“-Griff genutzt werden.

Wir sind jetzt auch bei Instagram – bitte folgen 🙂

Illustration des Gesichts eines Babys, das an der Brust trinkt und dabei von der Stillenden mittels DanCer-Griff unterstĂŒtzt wird.
Lernt man nicht in der Abiball-Tanzstunde: Den DanCer-Griff

Was der DanCer-Griff ist, wann er hilft und wie du ihn durchfĂŒhrst, lernst du hier.

Los geht’s!

Was ist der „DanCer“-Griff?

Der DanCer-Griff ist eine spezielle Form der Handhaltung, die du beim Stillen anwenden kannst, um dein (saugschwaches) Baby zu unterstĂŒtzen. Wenn das Stillen bei euch wunderbar klappt, hat er keine Relevanz (wir besprechen gleich unten weiter, wann er sinnvoll ist und wie du ihn anwendest).

Manchmal hört man auch die Bezeichnung „DanCer“-Hold, was nur die englische Bezeichnung fĂŒr „Griff“ ist.

Woher der Begriff stammt

Entgegen dem, was man zunĂ€chst vielleicht denken mag, hat der Griff nichts mit einem „TĂ€nzer“ oder einer „TĂ€nzerin“ zu tun. Er geht vielmehr auf die beiden Erfinder*innen zurĂŒck, nĂ€mlich Sarah Danner und Ed Ceroutti, die ihn erstmals 1984 in einer Veröffentlichung zum Stillen von Kindern mit Down-Syndrome aufgebracht haben1 – kreative Namensfindung!

TeamMuttermilch’s erstes Buch 😊 : Stillpositionen und richtiges Anlegen – Der minimalistische Guide fĂŒr den Stillstart
Um von Anfang an erfolgreich und schmerzfrei zu stillen, solltest du die wichtigsten Stillpositionen und Tricks zum richtigen Anlegen kennen. Anastasia und Tobias Heimann, sie Stillberaterin und Kinderkrankenschwester, er Kinderarzt, haben in diesem minimalistischen Ratgeber in ĂŒber 30 Illustrationen und ergĂ€nzenden Texten zusammengefasst, was dazu gerade in den ersten Wochen nach der Geburt wichtig ist.

Wann der Griff sinnvoll ist

Wie wir sagen viele Menschen, die sich mit dem Stillen auskennen gerne: Stillen ist das natĂŒrlichste der Welt, aber nicht immer einfach.

Gerade das Anlegen kann in der ersten Zeit nach der Geburt Probleme bereiten, leider kann inkorrektes Anlegen zu Komplikationen fĂŒhren, in erster Linie einer schlechten Milchaufnahme durch das Baby und wunde Brustwarzen bei der Mama.

Nun gibt es aber Situationen, bei denen das Anlegen besonders schwer fĂ€llt: Wenn nĂ€mlich kindliche Erkrankungen oder ZustĂ€nde vorliegen, die dem Kind das Andocken, das „Festsaugen“ an der Brust oder die Koordination von Saugen, Schlucken und Atmen besonders schwer fĂ€llt.

Oft sind das Kinder mit einer sogenannten „Muskelhypotonie“, die also – aus welchem Grund auch immer – eine verringerte Muskelspannung aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kinder nach Kaiserschnitt, wenn Medikamente verabreicht wurden
  • Kinder nach Geburtskomplikationen, die sich auf das Kind ausgewirkt haben (z. B. ein Sauerstoffmangel unter der Geburt)
  • Kinder mit genetischen Erkrankungen, wie dem Down-Syndrom
  • FrĂŒhgeborene, die aber schon reif genug sind, um an der Brust zu trinken
  • usw.

All diese Kinder profitieren von der UnterstĂŒtzung des Unterkiefers, die der DanCer-Griff bietet und eventuell vom leichten zusĂ€tzlichen Druck auf die Wangen, der helfen kann, das Saugvakuum zu halten.

Wie es geht

Die Anwendung des DanCer-Griffs ist schnell erklĂ€rt. Die Stillposition ist dabei am ehesten eine Aufrechte, also zum Beispiel das „Bergauf“-Stillen (oder „Hoppe-Reiter-Sitz“) oder das zurĂŒckgelehnte Stillen. Du wirst am Anfang höchstwahrscheinlich Hilfe brauchen. Lass dir das Anlegen also von einer erfahrenen Pflegerin oder Hebamme zeigen.

  • ZunĂ€chst nimmst du deine Brust im C-Griff. In diesem Fall jedoch legst du ihn nicht in der klassischen „C“-Form an, sondern in der „U“-Form, das heißt, dass der Daumen und die restlichen Finger jeweils an beiden Seiten neben deiner Brustwarze liegen. So sieht das ungefĂ€hr aus:
Der „U“-Griff wird hier als Ausgangsposition fĂŒr den DanCer-Griff genutzt.
  • Nun nutzt du die den Zeigefinger und den Daumen, um das Kinn deines Babys zu unterstĂŒtzen. Die innere Handkante und die drei ĂŒbrigen Finger bleiben dabei unter der Brust liegen. Hier nochmal das entsprechende Bild:
Illustration des Gesichts eines Babys, das an der Brust trinkt und dabei von der Stillenden mittels DanCer-Griff unterstĂŒtzt wird.
Du siehst hier, wie die Mittel-, Ring- und kleiner Finger die Brust stabilisieren, auf der anderen Seite ĂŒbernimmt das die innere Handkante. Daumen und Zeigefinger unterstĂŒtzen das Kinn deines Babys.
  • Das Kinn deines Babys liegt dabei auf der Verbindung zwischen Daumen und Zeigefinger auf.
  • Mehr Schritte gibt es eigentlich nicht – du darfst natĂŒrlich nicht zu doll zudrĂŒcken an der Wange, aber so dass du den Kiefer etwas unterstĂŒtzt. Wie gesagt: Du solltest dich hierbei unbedingt unterstĂŒtzen lassen.

Du kannst dir noch ein weiteres gutes Bildbeispiel beim EISL anschauen (ganz nach unten scrollen).

Fazit

Der DanCer-Griff ist kein Trick, den jede Stillende beherrschen muss. Im Gegenteil eignet er sich in speziellen Situationen, bei denen dein Baby einen zu geringen Muskeltonus aufweist und Probleme beim Trinken hat. Du solltest dich auch jeden Fall anleiten lassen und am Besten anhaltende UnterstĂŒtzung durch deine Hebamme oder eine Stillberaterin suchen.

Quellen

Lawrence & Lawrence, Breastfeeding – A guide for the medical profession, Elsevier, 9. Auflage 2022

Mohrbacher, Breastfeeding Answers – A guide for helping families, 2. Auflage 2020

Cookie Consent mit Real Cookie Banner